Kultur 2.0

Open-access.net – gebündelte Informationen zum barrierefreien Publizieren

Logo „OpenAccess“; Copyright: Open AccessOpen-access.net informiert verlässlich und umfassend über Publikationsformen, die den unbeschränkten, kostenlosen Zugang zu Forschungs-ergebnissen und -daten ermöglichen, und für die immer noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss.

Noch vor wenigen Jahren war „Open Access“ den meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland kaum ein Begriff. Heute ist die Publikationsform, mit der Forschungsergebnisse ohne Zugangsbarrieren und -beschränkungen online verfügbar gemacht werden, weitgehend als solche bekannt.

Doch trotz der Chancen, die mit Open Access verbunden sind, wird diese Publikationsform von den Forschern vieler Fachbereiche immer noch sehr zögerlich angenommen. Und vielfach werden ihr noch massive Vorbehalte entgegengebracht – meist aufgrund von Informationsdefiziten. Um diese Defizite zu beseitigen, ist die Website open-access.net geschaffen worden.

Großes Engagement

„Als wir unsere Plattform im Mai 2007 freigeschaltet haben, war es unser Ziel, die verstreuten Informationen, die es über Open Access gab, zu bündeln und an einer verlässlichen Stelle zusammenzuführen“, erklärt Anja Oberländer von der Universität Konstanz, die das Projekt betreut.

Der Aufbau der Informationsplattform wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Am Portal sind neben der Universität Konstanz auch die Universitäten Bielefeld und Göttingen sowie die Freie Universität Berlin beteiligt; sie gehören zu den Vorreitern der Open-Access-Bewegung in Deutschland.

„Die Förderung durch die DFG ist mittlerweile ausgelaufen. Doch die Plattform wird von den Projektpartnern weiter getragen“, sagt Anja Oberländer. „Wir haben viele Kooperationspartner und zum Glück sind in der Open-Access-Community viele Leute bereit, sich zu engagieren – neue Inhalte zu schreiben oder etwas zu überarbeiten. So verteilt sich die Arbeit auf viele Schultern.“ Alle großen deutschen Wissenschaftsorganisationen sowie die Volkswagen-Stiftung, die Hochschulrektorenkonferenz und die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e. V. unterstützen die Plattform.

Zielgruppenspezifische Aufbereitung

Copyright: www.colourbox.comDie Website bietet praxisnahe Informationen, die bei der konkreten Umsetzung von Open Access unterstützen. Hier finden sich Erläuterungen zu den zentralen Begriffen und Formen des Open Access, etwa zu Open-Access-Zeitschriften und Repositorien (das sind an Forschungseinrichtungen betriebene Dokumentenserver), zu Publikationsstrategien und Kosten, zu den Ursprüngen der Open-Access-Bewegung, zu Geschäftsmodellen oder Rechtsfragen. Die Plattform liefert auch Argumentationshilfen gegen gängige Vorbehalte der Skeptiker.

Die Informationen sind speziell für die jeweilige Zielgruppe – Wissenschaftler, Fachverbände, Förderorganisationen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Bibliotheken und Verlage – aufbereitet. Zudem können sich die Nutzer der Seite auch fachspezifisch informieren. „Das ist bei diesem Thema besonders wichtig, denn die Art und Weise, wie man mit Open Access umgeht, ist je nach wissenschaftlicher Community sehr verschieden. Ein Geisteswissenschaftler hat ganz andere Fragen als ein Naturwissenschaftler“, meint Anja Oberländer. „Man kann nur überzeugen, wenn man fachspezifisch informiert.“

Im Zentrum der Open-Access-Bewegung

Der Erfolg gibt den Betreibern recht. Die Website ist in den vergangenen Jahren immer mehr ins Zentrum der deutschen Open-Access-Bewegung gerückt. Das zeigt sich unter anderem daran, dass die Inhalte der Plattform sehr häufig zitiert werden und per Link auf die Seiten verwiesen wird. Zudem werden hier mittlerweile auch die Ergebnisse aus anderen Open-Access-Projekten veröffentlicht. Ein prominentes Beispiel dafür ist die deutsche SHERPA/RoMEO-Liste, die Auskunft darüber gibt, was welche Verlage im Hinblick auf die Archivierung wissenschaftlicher Publikationen gestatten.

„Besonders stolz sind wir darauf, dass es uns gelungen ist, mit den Open-Access-Tagen eine erfolgreiche Konferenz ins Leben zu rufen“, sagt Anja Oberländer. „Hier trifft sich die nationale Community einmal im Jahr. Mittlerweile haben wir bis zu 300 Teilnehmer.“

Auch international ist open-access.net aktiv. Die Projektpartner koordinieren alle deutschen Aktivitäten der internationalen „Open-Access-Week“. Zudem sind sie die nationale Anlaufstelle für das EU-Projekt OpenAIRE (Open Access Infrastructure for Research in Europe).

Open Access als Selbstverständlichkeit

Copyright: www.colourbox.comIn Zukunft wird open-access.net nicht nur die erste Adresse für Informationssuchende aus Deutschland sein. Ab Herbst 2010 werden hier auch die entsprechenden Informationen für Österreich und die Schweiz gebündelt.

„Ich würde mich freuen, wenn es in bestimmten Fächern mehr Aktivitäten gäbe, über die wir berichten können“, sagt die Projektkoordinatorin. „Aber wir sind guter Dinge, dass sich das Publikationswesen weiter in Richtung Open Access entwickeln wird. Viele Verlage sind gerade dabei, ganz neue Open-Access-Journalserien aufzulegen. Vielleicht wird man unsere Website in ein paar Jahren gar nicht mehr brauchen – weil Open Access dann zur Selbstverständlichkeit geworden ist.“

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2010

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