Wir brauchen digitale Kneipen!

Als Journalist und Musikliebhaber hinter Phlow.net beschäftige ich mich seit Jahren mit freier Musik aus dem Internet. Diese freie Musik – auch oft als Netaudio bezeichnet – stellen so genannte Netlabels (digitale Musiklabels) und Musiker meist kostenlos zum Download zur Verfügung. Um schnell und unkompliziert den „Konsumenten” zu erklären, welche Rechte sie für die Verwendung der Musik haben, benutzen die Netlabels und Musiker die Lizenzmodelle von Creative Commons. Generell ist dieses Modell unkompliziert und gut zu verstehen, stößt aber immer mehr an seine Grenzen.Die Vernetzung der Welt provoziert das Urheberrecht
Mit dem Internet gelangt man mit einem Klick von einem Kontinent auf den nächsten. Genauso springt man von einem Rechtsraum in den anderen. Das ist den meisten Internet-Surfern nicht klar. Während der eine Staat seinen Rechtsraum und das Copyright locker und offensiv handhabt – sich eventuell sogar absichtlich nicht darum kümmert, wachen andere Staaten mit Argusaugen über Verstöße gegen das Urheberecht. Der Laie ist in diesem Zusammenhang verloren und versteht nicht, warum beispielsweise auf YouTube Mitschnitte von Sendungen oder Konzerten zu finden sind, andererseits aber nicht genutzt werden dürfen. Oftmals verklagen ihn – den Fan – sogar die Konzerne. Das ist ein Problem.
Problem: Nur Juristen „reformieren” Gesetze
Um Gesetze zu gestalten, muss man sie verstehen. Neue Gesetze werden in der Regel von Politikern beschlossen und von Juristen ausformuliert. Um Gesetze und ihre Gesetzmäßigkeiten nachvollziehen zu können, muss man Jura studiert haben. Denn mit dem Studium lernt man die Begriffe, Definitionen und die Komplexität des Gesetzes kennen. Daraus ergibt sich folgendes Problem, welches wir in Köln auf der Cologne Commons 2010 deutlich erlebt haben: Will man die Gesetze rund um geistiges Eigentum, Urheberecht, Copyrights etc. neu gestalten, braucht man nicht nur ein elementares juristisches Wissen. Vielmehr ist ein tiefes Verständnis notwendig. Deswegen sitzen letzten Endes schnell nur noch Juristen am Tisch einer möglichen Reformation und Juristen fehlt oft das Verständnis für Kreativität. Kreative sind gerne kreativ, die Gesetze für den Umgang mit ihren Werken aber formulieren andere.
Wir brauchen „digitale Kneipen”
Wenn ich in einer Kneipe ein Lied gröle, dazu tanze oder Karaoke singe, dann verklagt mich niemand. Video-Portale und soziale Netzwerke sind heute das Equivalent von Kneipen. Dort zeige ich der Welt - meist nur meinen Freunden – meine Gesangskünste, mein virtuoses Spiel an der Gitarre oder mein kleines Baby, dass witzig zu Prince in seinem Stühlchen hin und herschaukelt. Hier befinde ich mich aber im öffentlichen Raum, der der ganzen Welt.
Phlow.net ist das führende deutsche Magazin zum Thema Netlabel-Kultur und Netaudio. Neben freier MP3-Musik zum downloaden bietet Phlow.net Informationen rund um das Thema Netzkultur, Design, Journalismus und Internet-Technik.
Moritz »mo.« Sauer
ist Journalist, Buchautor, Dozent und Webdesigner. Organisator der Cologne Commons, Herausgeber von Phlow.net, dem deutschsprachigen Magazin für Musik- und Netzkultur.
ist Journalist, Buchautor, Dozent und Webdesigner. Organisator der Cologne Commons, Herausgeber von Phlow.net, dem deutschsprachigen Magazin für Musik- und Netzkultur.







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