Bürger Hacker

Das Projekt WikiLeaks: eine neue Qualität des Journalismus

Die Suche nach der Freiheit des Wortes bringt neue Formen des Journalismus hervor.

Immer mehr Menschen recherchieren Informationen nicht in Zeitungen, sondern im Internet. Sie nutzen Suchsysteme, Nachrichtenportale, tauschen Meinungen aus und hinterlassen Kommentare. Im Grunde ist jeder, der irgendwann einmal im Netz recherchiert hat, Bestandteil eines großen Redaktionsmechanismus. Heute ist es eher unerheblich, ob jemand ein professioneller Journalist ist oder nicht. Kritische Stimmen verweisen jedoch darauf, dass Journalismus eine bürgerschaftliche Funktion zu erfüllen habe und Informationen deswegen nicht einfach ins Netz gestellt werden dürften, sondern von Profis analysiert und ausgewertet werden müssten. An dieser Stelle ergibt sich allerdings die berechtigte Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die tatsächlichen Fakten ans Licht kommen und nicht zensierte Materialien?
 CC by ssoosay @flickr

Bei WikiLeaks beispielsweise ist, soweit bisher bekannt, kein einziger Journalist tätig. Aber es war genau diese Plattform, die zahlreichen Medien, von denen die Dokumente analysiert und veröffentlicht wurden, als journalistisches Instrument diente. Man denke nur an die Materialien über die Erschießung irakischer Zivilisten durch amerikanische Soldaten im Jahr 2009 oder den Druck, den der Pharmariese Pfizer auf die nigerianischen Behörden ausübte, um die Einstellung des Verfahrens wegen der Erprobung von Präparaten an Kindern zu erzwingen. Hätten diese Materialien in der Presse erscheinen können? Ich bezweifle es …

Manche stufen die Tätigkeit von Julian Assange als Spionage oder Terrorismus ein. Ich hingegen bin der Meinung, dass WikiLeaks eine journalistische Organisation neuen Typs ist. Wir haben das Recht zu wissen, was in unseren Ländern geschieht, mit uns und unseren Nächsten. Wir haben das Recht unzufrieden zu sein und Protest oder Loyalität zu bekunden. Und wenn es dafür einer neuen Qualität des Journalismus bedarf, dann sind Plattformen, wie WikiLeaks, OpenLeaks, BrusselLeaks für uns ein Muss.

Anna Grigorjewa
Marketologin, Absolventin der Staatlichen Lomonossow-Universität Moskau, Spezialisierung: SocialMediaMarketing, zurzeit tätig als PR-Direktorin der digitalen Gruppe des Unternehmens GameLand

Copyright: Goethe-Institut Russland

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