Maike Janssen – Projektmanagement 2.0 oder: Wo bin ich, wenn ich überall bin? 


Lässt sich, was technisch machbar erscheint, auch kulturell in der Arbeitswelt verankern?
Im Urlaub auf Bali mal schnell ein Dokument für die Kollegen in Berlin aktualisieren? In Echtzeit mitlesen, was gerade in einem politischen Gremium beschlossen wird? Die kaputte Ampel vor meiner Haustür direkt der Community melden?
All das sind längst keine Utopien modernen Arbeitens mehr, sondern für viele der ganz normale Arbeitsalltag. Kreative Start-Ups, innovative Großunternehmen und findige Einzelpersonen entwickeln immer mehr Werkzeuge für einen digitalen Baukasten namens „Projektmanagement 2.0“. Ihr gemeinsames Ziel: das Zusammenarbeiten von jedem beliebigen Punkt aus zu ermöglichen. Doch lässt sich, was technisch machbar erscheint, auch kulturell in der Arbeitswelt verankern?
Heiter und wolkig
Die digitalen Möglichkeiten der Kollaboration erscheinen in fröhlichem Gewand, ihre Botschaft: Wir sind jung, frisch und unkompliziert. Und auch deshalb gerne genutzt.Online -Kampagnen für NGOs - eine Fehlersuche, re:publica 2012
Die breite Produktpalette der Google-Familie wird zum gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten, Terminen und Fotos genutzt. Terminabstimmungen laufen über Doodle, einfache Live-Dokumentationen mit Etherpads wie Syncpad oder im politischen Bereich dem Piratenpad. Gemeinsam erarbeitete, dynamische Nachschlagewerke werden nicht mehr als Broschüren, sondern als Wiki angelegt. Und um überall auf die Dokumente aller Mit-Arbeiter zugreifen zu können, werden sie in die Dropbox geschoben. Die neueste Generation der Projektmanagement-Tools schafft es, eine Vielzahl dieser Einzellösungen zu integrieren, beispielsweise Basecamp oder der Refinder. Möglich macht’s die Cloud: Daten werden nicht mehr lokal, sondern in einer überall verfügbaren „Wolke“ gespeichert. Wird es also gleichgültig, von wo wir arbeiten?
Raum für Ideen
Sicher wird die Organisation von Zusammenarbeit durch die stetig intelligenteren Projektmanagement-Tools erleichtert. Doch lassen sich innovative Prozesse nicht völlig von einem konkreten Ort lösen. Wissenschaftliche Studien zeigen: Weiterhin sind sie auf räumliche Nähe zwischen den beteiligten Personen angewiesen (vgl. Schmidt 2005: 39). Um nicht nur gemeinsame To Do-Listen abzuhaken, sondern wirklich neue Ideen zu entwickeln, braucht es Raum. Das zeigen auch Initiativen wie Synagieren. Die Faustregel hier: Organisieren übers Netz, Innovationen vorantreiben bei intensiven Arbeitstreffen vor Ort. Am besten mit ausgeschalteten Mobiltelefonen.| Maike Janssen konzipiert und organisiert gute Online-Kommunikation für die Agentur NEST. Sie beschäftigt sich mit neuen Formaten und Strukturen der digitalen Zusammenarbeit und setzt diese Möglichkeiten in Kampagnen für gemeinnützige Zwecke um. Zuvor leitete sie den Online-Wahlkampf von Bündnis 90/Die Grünen Berlin, der mit der Mitmach-Karte "Da müssen wir ran!" bundesweit bekannt wurde. In ihrem Studium setzte sie sich intensiv mit den Wechselwirkungen zwischen Medien, Gesellschaft und Individuen auseinander und untersuchte ihren Einfluss auf Kommunikation. Wer spricht wie mit wem über was - und zu welchem Zweck? Diese Frage setzt sie heute in praktische Konzepte um, z. B. für Terre des Hommes, www.arbeiterkind.de und die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen. |
Quellen:
SCHMIDT, JAN (2005): Der virtuelle lokale Raum. Zur Institutionalisierung lokalbezogener Online-Nutzungsepisoden. München: Verlag Reinhard Fischer
Virilio, Paul (1978): Fahren, fahren, fahren… Berlin: Merve Verlag
Virilio, Paul (1992): Rasender Stillstand. München: Carl Hanser Verlag
konzipiert und organisiert gute Online-Kommunikation
für die Agentur NEST.
Copyright: Goethe-Institut Russland
Online-Magazin „Deutschland und Russland“
Juni 2012
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„Etwas Bewegen. Neue Ideen in 20 Minutentakt.“









