Gleb Kalinin – Vom Zugang für alle bis zum viralen Marketing


Wird Informationsfreiheit überflüssig, wenn Behörden selber im Internet Informationen und Datensätzen bereitstellen?
Historisch gesehen ist das Internet ein dezentralisiertes und demokratisches Milieu. Hier hat jeder das Recht und die Möglichkeit sich zu äußern und gehört zu werden. Jeder kann Einfluss auf die Entwicklung dieses Milieus nehmen und darauf, welche Möglichkeiten es den Menschen bietet. Ein beträchtlicher Teil der Internetprojekte, die zu den Topleadern bei Besucherzahlen, Gewinn und Bekanntheitsgrad zählen, hat seinen Ursprung in der Initiative eines einzelnen Enthusiasten oder zweier Gleichgesinnter.
Sowohl für Contentprojekte, das heißt Webpräsenzen, deren Inhalt überwiegend aus Texten, Bildern, Audio- und Videodateien eines Autors oder einer Redaktion besteht (Websites von Massenmedien, Blogs), als auch für Serviceangebote von virtuellen Dienstleistern (zum Beispiel Aufbewahrung und Bearbeitung von Daten, Kommunikationsplattformen) gilt, dass die technische Schwelle für den Zugang in den letzten Jahren erheblich niedriger geworden ist. Websites wie Wordpress.org oder Tumblr erlauben es innerhalb weniger Minuten ein Blog einzurichten und mit dessen Führung zu beginnen, während Services wie Ning sogar den Start eines eigenen sozialen Netzwerks ermöglichen, ohne dafür die Kenntnis technischer Details vorauszusetzen.
Fertige Softwarelösungen mit offenem Code geben den Entwicklern und Autoren von Webprojekten die Möglichkeit, die Arbeitsergebnisse anderer Programmierer zu nutzen, aus ihnen zu lernen, sie den eigenen Bedürfnissen anzupassen und neue Webprodukte zu entwickeln. So ist beispielsweise die Software MediaWiki, auf der die unverwechselbare Online-Enzyklopädie Wikipedia basiert, frei verfügbar: Jeder kann ihren Code nutzen und modifizieren beziehungsweise seine eigene „Wikipedia“ starten.
Aber selbst die außergewöhnlichste und noch so ausgefeilte Softwarelösung, ob nun frei oder proprietär, ist noch keine Erfolgsgarantie. Um erfolgreich zu sein, muss ein Projekt Lösungen anstehender Probleme oder Aufgaben bieten oder neue Möglichkeiten offerieren, die es bisher nicht gab, beziehungsweise andernorts nicht verfügbare Informationen in optimaler und zeitgemäßer Form zugänglich machen. Erfolgreiche Internetprojekte verknüpfen in der Regel eine ihnen zugrunde liegende originelle Idee mit der richtigen Positionierung und entsprechendem Marketing, der fristgemäßen und qualifizierten technischen Umsetzung sowie mit professioneller Werbung und PR. Letztere können im Falle einer megaerfolgreichen Idee anfangs auf ein Minimum beschränkt bleiben. So verdanken Dienstleister wie Twitter und Facebook ihre Popularität dem sogenannten „Viruseffekt“, bei dem die Nutzer selbst weitere Teilnehmer ins Netzwerk einluden und damit den Service für die gesamte Community attraktiver machten.
| Gleb Kalinin, Blogger, Journalist und Mitgründer von lokolo.ru – eines sozialen Netzes für Nachbaren. |
Copyright: Goethe-Institut Russland
Online-Magazin „Deutschland und Russland“
Juli 2012
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