Emil Klotzsch, der Erst-Remixer vom „König in Thule“ im Interview

Für Goethe.rmx geht seine Vertonung der Goethe-Ballade „König in Thule“ auf Reisen – Emil Klotzsch über seinen Job als Musiker und Sounddesigner und darüber, wie Musik der Schlüssel zur Kultur eines Landes sein kann.Emil, dein Song „König in Thule“ geht für Goethe.rmx um die Welt. Was reizt dich an diesem Projekt?
Von so vielen verschiedenen Menschen aus der ganzen Welt Remixe zu hören – das ist wie Weihnachten. Das Tolle ist auch zu erfahren, ob man länderspezifische Unterschiede in den Remixen heraushören kann oder es doch allein die Künstlerpersönlichkeit ist, die dem Lied seinen Charakter gibt.
Emil Klotzsch - Koenig in Thule (Original) by goethe.rmx
Insgesamt sind es neun DJs, die dein Stück remixen. Hast du bestimmte Erwartungen oder Hoffnungen, was daraus entstehen könnte?
Ich habe natürlich Hoffnungen, dass es interessante Dinge sein werden. Ob die Sachen jetzt wild werden oder zerschrammelt oder melancholisch oder lustig – ich bin auf alles gespannt.
Musik als Kulturvermittler
Inwiefern werden sich die kulturellen Unterschiede in den Remixen bemerkbar machen? Hast du damit Erfahrungen gemacht, ob sich ein DJ aus São Paulo anders anhört als einer aus Moskau? Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass man es gerade bei elektronischer Musik nicht hört, woher die Leute kommen. Elektronische Musik ist eine universelle Sprache. Aber da die DJs ein deutsches Lied remixen, bin ich gespannt, ob dabei nicht doch in irgendeiner Form etwas Länderspezifisches herauskommt.
Welche Bedeutung hat die Musik überhaupt für die Kulturarbeit?
Musik ist etwas alles Verbindendes. Musik ist da, bevor man die Kultur erkundet oder sich dafür interessiert. Oft ist es bei mir so, dass die Musik den Anstoß gibt. Ich höre Musik und dann interessiere ich mich für das Land und für die Kultur. Einmal war ich in der Dominikanischen Republik, einem Land, zu dem ich nicht so den Zugang hatte. Aber irgendwann habe ich die Merengue-Musik verstanden, bin darauf eingestiegen und dann hat sich alles für mich erschlossen.
Das Goethe-Gedicht „König von Thule“ gehört zum deutschen Kulturgut. Ist deine Vertonung typisch deutsch? Gibt es überhaupt typisch deutsche Musik?
Das ist eine schwierige Frage. Aber ja, ich würde sagen, dass das, was ich gemacht habe, in gewisser Weise typisch deutsch ist, weil es sich vom Musikstil her an die Romantik anlehnt – etwas sehr Deutsches – diese Art der Melancholie, das deutsche Kunstlied.
Mit Netlabels viele Menschen erreichen
Du bietest deine Musik zum kostenloses Download an. Was hat dich dazu bewogen?Geld verdienen kann ich mit meiner Musik eh nicht. Labels, die meine Musik veröffentlichen würden, haben Auflagen von 100 bis 500 CDs. Dann habe ich irgendwo gesehen, dass es Netlabels gibt. Ich war total angetan davon und dachte: Was möchte ich? Ich möchte, dass möglichst viele Leute meine Musik hören. Über Netlabels erreiche ich viel mehr Menschen, als wenn ich meine Musik bei einem normalen Label herausbringe. Ein normales Label heißt 500 CDs, Netlabel-Release heißt in der Regel 20.000 Downloads.
Welche Chancen und Risiken ergeben sich durch Netlabels für die Musikbranche?
Eine Gefahr für die Branche sind Netlabels nicht. Das gesamte Netlabel-Thema erreicht ja immer noch keine breite Öffentlichkeit. Die Gefahr ist eher, dass das Phänomen wieder verschwindet. Aber für den Musiker gibt es natürlich die Hoffnung, dass er einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht und viele Menschen auf seine Musik zugreifen.
Helfen Netlabels, sich besser zu vernetzen?
Man denkt zwar immer, dass diese Netlabels und das Internet toll sind zum Vernetzen – sind sie auch theoretisch, aber praktisch habe ich das Gefühl, dass da doch relativ wenig passiert. Es bleibt immer auf einer virtuellen Ebene, das finde ich manchmal schade. Schön wäre es, sich einmal alle richtig, im ‚echten‘ Leben zu begegnen.
Emil Klotzsch, geboren 1980, ist Sounddesigner und Musiker. „König in Thule“ erschien zusammen mit drei weiteren Songs im Oktober 2010 auf der EP „Deutsche Lieder“. Sie ist bei Bandcamp erschienen und kann unter emilklotzsch.bandcamp.com kostenlos angehört und heruntergeladen werden.Virginia Gerard
führte das Gespräch. Sie arbeitet in der Internet-Redaktion des Goethe-Instituts in München. In Bochum und München hat sie Germanistik und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert.
Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion, September 2011
Lizenz CC BY NC ND 2.0
führte das Gespräch. Sie arbeitet in der Internet-Redaktion des Goethe-Instituts in München. In Bochum und München hat sie Germanistik und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert.
Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion, September 2011
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