Dossier: Elektronische Musik

KenLo Craqnuques aus Kanada:
König in Thule + Goethe-Remix = Bantus inna Thule

Kenlo Craqnuques © Mathieu Lavoie

„Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut
Und warf den heil'gen Becher
Hinunter in die Flut.“
Goethe, König in Thule


Achtung, meine Damen und Herren, hier kommt ein Mix von KenLo Craqnuques alias „Blackman Sangrouge d'Amérique du Noir“, mit richtigem Namen Akena Lohamba Okoko. Ein unumgänglicher „Beatmacher“, wenn es um Hip-Hop und elektronische Musik in Québec geht. Dieser Künstler mit vielen Talenten bearbeitet die Form seiner Beats gewagt, reizvoll und durch einen einfallsreichen Groove belebt. Er ist auch ein bedeutender Vertreter des Trends des fragmentierten Tons und der synkopierten Melodien, die aus einem Wonky-Amerika nach J.Dilla stammen. „Es ist ein Kommen und Gehen von Stimmungen und Sequenzen, ich kreiere Verbindungen zwischen klangvollen Orten.“ So treten die klangvollen Orte in Kontakt, Verbindungen werden geknüpft, sie vermischen sich und dann kommt der Beat hinzu: ein König in Thule aus Deutschland vermischt mit Montréal ergibt Bantus inna Thule.

Emil Klotzsch (goethe.rmx - Canada) - Koenig in Thule (KenLo Craqnuques Remix) by goethe.rmx
Download SymbolKenLo Craqnuques (MP3, 3,7 MB)

Der Kontrast mit dem Originalwerk des deutschen Künstlers Emil Klotzsch ist gewaltig. Zwei Orte, zwei Stile. Einerseits ein König in Thule, der lang ist, tragisch und geprägt durch eine bewegende lyrische Erzählung. Andererseits der Remix von KenLo, in welchem der König „Bantus“ geworden ist: das Universum von Thule geprägt durch den Beat, das Fragment, den Glitch. Ein dürftiger und beladener Elan zugleich, subtil melancholisch, dort wo die Erzählung vom König uns wie ein entferntes Echo zukommt und angesteckt durch Worte von außerhalb seines Königreichs. Trotz dieser Gegensätzlichkeit bleibt eine Sache: der Geist des Gedichts von Goethe. Ein Geist voll Pathos dieses armen und einsamen, im Sterben liegenden Königs, der den Becher, welcher allein ihm Liebe und Halt spenden konnte, ins Meer wirft. Jedem sein Pathos, jedem sein Beat.

KenLo Craqnuques ist als Sohn eines Kongolesen in der Stadt Québec geboren. Er hat eine Reihe von Alben mit Instrumentalmusik aufgenommen (Noir, Bleu, Mauve, Orange, Rose, Brun …) sowie viele Remixe, die er alle kostenlos zur Verfügung stellt: „Ich verschenke meine Musik, weil meiner Meinung nach Musik geteilt werden muss. Das ist eine Geste von Öffnung.“ Er gehört mehreren Musikkollektiven an, zum Beispiel Alaclair Ensemble und Soucoupe volante. KenLo wohnt in Montréal.

PS : Vielen Dank an Philippe Renaud (La Presse) und Mathieu Lavoie (Bande à part) für den Informationszugang.

Eric Berthiaume
hat Philosophie und Germanistik studiert. Er arbeitet in der Bibliothek des Goethe-Instituts Montréal und ist für die Website zuständig.

Goethe-Institut Kanada, September 2011
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