DJ Elephant Power aus Belgien:
„Alles eine Frage des Spiels“


Das Goethe.rmx-Projekt geht um die Welt. Für sein Heimatland Belgien hat sich DJ Elephant Power an die
Goethe-Ballade „König in Thule“ von Emil Klotzsch gewagt. Der begeisterte Turntablism-Künstler, DJ und Komponist hat sich dem Stück akribisch angenähert und somit einen Remix geschaffen, der nicht nur als „typisch belgisch“ bezeichnet werden kann.
Für ihn sei Klotzsch eine richtige Entdeckung gewesen, erzählt uns Nicolas Baudoux auf der Sonnenterrasse des Museums für Musikinstrumente, mit Sicht auf das Brüsseler Stadtzentrum. Den Ort hatte Baudoux, der seit mehr als sieben Jahren als DJ Elephant Power Plattenspieler als Musikinstrument und Show-Utensil benutzt, wahrscheinlich bewusst ausgewählt. Der sympathische Wahl-Brüsseler mit der langen, lockigen Mähne hat sich der DJing-Kultur verschrieben. „Diese Kultur lebt davon, aus zwei Dingen, die nichts miteinander zu tun haben, etwas Neues zu schaffen. Dadurch habe ich eine sehr direkte Herangehensweise an Remixe entwickelt!“, erzählt der Künstler enthusiastisch.
Emil Klotzsch - Koenig in Thule (DJ Elephant Power Remix) by goethe.rmx
DJ Elephant Power (MP3, 20,5 MB)
„Als Komponist ist man zunächst stets von den Emotionen geleitet. Am Anfang ergründet man das Werk auf seine eigene Weise“, beschreibt der junge DJ die erste Schaffensphase, in der er außerdem das Goethe-Gedicht intensiv las. So ist der Brüsseler Turntablist vom düsteren Teil der Ballade inspiriert worden.
Um den eigentlichen Remix anzufertigen, fragte er sich anschließend: „Was kann ich mit dem Stück machen?“ Für Baudoux war direkt klar, dass er den Fokus auf die Stimme legen muss. Diese wurde dann manipuliert, gemixt und gescratcht. Er hat die Stimm-Positionen umgestellt und die Harmonie der eigens kreierten Akkorde feingetunt. „Das ist alles eine Frage des Spiels“, gibt der Künstler bescheiden zu.
Auf die Frage, ob seine Arbeit typisch belgisch oder typisch Elephant Power sei, antwortete er ganz diplomatisch: „Beides!“. Ein Remix sei zunächst sehr persönlich und trage immer die Handschrift des Künstlers. Indes finde sich aber auch die belgische Kultur in seiner künstlerischen Ausdrucksweise wieder. „Die geografische Position, der Surrealismus und die Eigentümlichkeit Belgiens an sich als auch die verschiedenen kulturellen Einflüsse der hier lebenden Menschen fließen in meine Arbeiten ein“, so der Belgier. „Sowieso ist Musik etwas Universales und berührt das Innere im Menschen“, gibt er zu Protokoll. Die Leute vom Musikinstrumentenmuseum hätten an DJ Elephant Power sicherlich Gefallen – auch wenn die Plattenspieler des Museums aus den Fünziger- und Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts stammen.
führte das Gespräch. Der 26-Jährige ist freier Journalist und Chefredakteur des Kulturportals der Großregion SaarLorLux. Er lebt und arbeitet in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.
Goethe-Institut Belgien, September 2011


















