Ökologie und Mobilität

„Moskau 2020“ – ein alternativer Stadtentwicklungsplan

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Jeder der sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder in einem privaten PKW durchs Moskau schlägt, weiß, dass es vor allem Zeit kostet und stressig sein kann. Staus vor Fahrtreppen oder an Drehkreuzen sind auf der Tagesordnung. Viele Worte und Geld hat man bereits eingesetzt, um die Verkehrsprobleme der Stadt in den Griff zu bekommen. Initiativen des alten und des neuen Bürgermeisters und das offizielle Entwicklungskonzept „Moskau 2025“ sind Beispiele dafür. Spürbare Änderungen lassen dennoch auf sich warten.

Die Gesellschaft ist davon überzeugt, dass sich der Stand der Dinge nicht ändern kann. In den 1990ern glaubten alle, dass alles gut wird. Doch in zehn Jahren der Stabilität oder doch Stagnation, die wir erlebten, haben sich die Leute mit der Situation abgefunden. Und die Bezeichnung des Projektes, „Useless“, verweist gerade auf dieses Problem. Sogar als ich diese Karte anfertigte, habe ich nicht daran geglaubt, dass sie etwas bewegen wird.

Es sind nicht die Leute, die das Stadtbild formen, sie sind eher seine Geiseln.

Woran es uns am meisten fehlt, sind ein neues Ziel und ein Traum, an dem wir festhalten können. Ein Traum, der uns alle vereinen und uns Kraft geben würde, um etwas zu bewegen und etwas anzustreben.

Hören wir, wie Träume bereits jetzt aktiv gelebt werden und wie Moskau nach dem alternativen Entwicklungsplan im Jahre 2020 aussehen soll.

Hello World!

© Make/pixelchannel.ruHallo, mein Name ist Make. Ich bin Künstler, Designer, Verfasser der Fahrrad-Karte „Useless“ und einer der Gründer des alternativen Stadtentwicklungsplanes „Moskau 2020“. Dieser ist kein vollendeter Plan. Es ist eher eine Idee oder ein Bild über die Zukunft Moskaus unter Miteinbeziehung der Interessen von Personen, die aus verschiedenen Berufsfeldern oder Verdienerklassen kommen und unterschiedliche Sichtweisen oder Perspektiven haben. Es ist ein Plan davon, was man selber, aus eigenen Kräften tun kann. Für mich begann alles als wir Fahrradstreifen markierten. Diese Aktion hat gezeigt, dass man Dinge, die der Stadt fehlen, auch selbst hinzufügen kann. Dazu muss man nicht irgendwo hingehen und danach fragen, oder etwas zuerst genehmigen lassen. Man muss nur das tun, was einem gefällt. Und mit eigenen Kräften, lässt sich bereits vieles machen.

Ich bin in Moskau geboren und habe hier mein ganzes Leben verbracht. Wenn ich weg war, dann höchstens für zwei Monate. Das ist meine Heimatstadt, die ich auf meine eigene Art liebe und hasse. Hier verändert sich vieles. Einiges davon gefällt mir auch. Doch auch wenn ich damals auf eine Verbesserung in Hinblick auf die Zukunft Moskaus hoffte, so muss ich gestehen, dass sich heutzutage vieles zum Schlechten verändert hat. Sicher, viel Gutes wurde auch realisiert. Doch vor zehn Jahren beispielsweise, konnte ich sorgenlos mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren, es gab viel weniger Autos. Heute leidet die Stadt unter einem Verkehrchaos, und die Idee, Fahrradstreifen zu anzulegen, scheint geradezu notwendig. Der offizielle Plan – „Moskau 2025“

Warum ist ein alternativer Stadtentwicklungsplan nötig? Es gibt ja bereits den offiziellen Plan „Moskau 2025“…

© Make/pixelchannel.ruWas den eigentlichen Stadtentwicklungsplan Moskaus anbelangt, so muss man sagen, dass er ansatzweise in die richtge Richtung geht. Die Praxis zeugt eindeutig davon, dass es in unserem Land und unserer Kultur zum einen Gesetze und zum anderen Traditionen gibt. In Gesetzen lässt sich alles abfassen, was man möchte. Doch die Praxis beweist dann meistens, dass sinnvolle Ideen schwer zu realisieren sind.

Nichtsdestoweniger ändert sich die Lage. Und mit ihr auch der Moskauer Bürgermeister. So kann auch der Plan neu überarbeitet werden. Immer öfter wird davon gesprochen, dass die Priorität vom privaten auf den öffentlichen Transport verlagert werden muss.

Mein Projekt begann mit dem Thema Fahrradwege. Aber ich stieß schnell auf einen ganzen Berg Probleme, die gelöst werden müssen. Darum haben wir auch dieses Projekt gestartet.

In Moskau ist sehr vieles schlecht. Aber in anderen Städten ist es auch nicht besser. Selbst in jenen wie London und New York, die uns als Vorbilder dienen sollten, steht man jetzt vor ähnlichen Problemen.

So treibt auch die Finanzkrise die ganze Welt dazu, über neue umweltschonende Technologien, über Fahrradfahren als alternatives Transportmittel und viele andere Innovationen nachzudenken. Dinge und Ideen, die uns gefallen und gerade viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Gleichgesinnte

Denken die Moskauer zunehmend mehr über ihre Stadt nach? Wer gestaltet jetzt das neue Moskau aktiv mit?

cc 3.0 by-nc-nd readymedia.comWas die Unzufriedenheit darüber angeht, was in der Stadt vor sich geht, so ist jetzt eine Bewegung im Gange, die damals gefehlt hat. Wenn man bedenkt, dass einst hauptsächlich Kritik dominierte („alles ist schlecht, alles wird falsch gemacht“), so haben jetzt alle eines begriffen: es ist ihr Handeln, das ihre Heimatstadt verbessern muss.

Es gibt nun eine Reihe von Leuten, wie beispielsweise die Leute von „ECOLOFT“, mit denen wir uns während der „Global Work Party 10/10/10“ befreundet und viel zusammengearbeitet haben. Jetzt wollen wir die Ergebnisse unserer Zusammenarbeit im Projekt „Moskau 2020“ einsetzen. So gibt es ganze Plätze, Kunst- und Architekturcluster in der Stadt, die an unseren Ideen interessiert sind. Da gibt es die Kooperation mit dem „STRELKA“-Institut, das „FLAKON“-Cluster oder das „The Village“, wo ich derzeit tätig bin.

Im neuen Jahrhundert, im neuen Jahrtausend sterben alte Systeme aus. Neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit werden geboren, die auf gegenseitigem Vertrauen, eben auf der Aufteilung der Verantwortung, aufgebaut sind. Es kann jeder seinen eigenen Beitrag dazu leisten. Hier gibt es niemand, der das letzte Wort hat.

Der Hauptgedanke unseres Projektes ist Offenheit. Wir wollen keine Gruppe von übernatürlichen Menschen oder jungen, seriös denkenden Fachleuten zusammenbringen, die glauben, sie wüssten alles besser als die anderen. Wir wollen auch keine Fachleute, welche die Zukunft unserer Stadt formen. Unsere Aufgabe ist eine andere: Das Arbeitskonzept überarbeiten und die Verhältnisse der Menschen zueinander revidieren.

Da wir nur unsere eigenen primären Interessen vertreten, wollen wir eine Stadt gestalten, in der es sich angenehm leben lässt.Wir können, die bestehende Situation aus einem etwas anderen Blickwinkel sehen. Doch wir wollen auch Spezialisten aus den Bereichen Transport, Architektur und Umwelt gewinnen. Die Fachleute sollen dann zusammen mit den Einwohnern der Bezirke ein neues Bild entwerfen und den Bezirken eine neue Bedeutung geben. Wir wollen eben zusammen die Stadt neu planen.

Der Alternative Plan – „Moskau 2020“

Wie wird Moskau nach dem alternativen Stadtentwicklungsplan im Jahre 2020 aussehen?

cc 3.0 by-nc-nd readymedia.comDas Ringsystem Moskaus ist etwas beengend. Es ist ein Relikt jener Stadtformation, bei der alles ins Zentrum führt. Doch jetzt muss alles dezentralisiert werden. Denn es darf keine Regierung geben, die alles kontrolliert. Eine Hauptstadt, in die alles mündet, darf es nicht geben. Bis jetzt haben wir über den offiziellen Plan gesprochen, dass Moskau das Zentrum Russlands bilden muss. Doch ich glaube, dass Moskau aufgeteilt werden sollte. Es müssen Kulturzentren im Umkreis der Stadt entstehen; die Stadt muss sich durch die Schwerpunkte der einzelnen Bezirke definieren können. Moskau muss sich mit seinen Bezirken vereinigen und in ihren Satellitenstädten muss ein kulturelles Milieu geschaffen werden. Es muss Einzigartigkeit entstehen. Auch die Einwohner der Städte, die Moskau umgeben, sollen sich als Bürger ganz besonderer Städte fühlen. Sie können somit an der Metropole teilhaben, wobei ihre Stadt ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Museum der Gegenwartskunst haben wird. In dieser Stadt oder diesem Bezirk wird es eben ein eigenes kulturelles Leben geben, eben alles, was man so braucht.

Ich habe dazu eine neue Stadteinteilung entworfen. Eine, welche die Stadt in sechs Teile aufgliedert. So wird das Stadtzentrum beispielsweise für den Privatverkehr geschlossen. Für die Bezirke wurden Spezialisierungen erarbeitet und für ihre Kennzeichnung wurden Farben und Bilder entworfen.

Das Stadtzentrum muss vom Verkehr entlastet und Verwaltungsstrukturen nach außen in die spezialisierte Peripherie der Stadt versetzt werden. Es wird also zu einem touristischen Zentrum mit Galerien und Kaffees umfunktioniert. Der Geschäfts- und Verwaltungsalltag findet in einem darauf spezialisierten Bezirk in der Peripherie statt. Handel kann somit in einem eigenen Bezirk betrieben werden, Verwaltung von einem anderen Bezirk aus erfolgen und kulturelle Einrichtungen in einem dritten Bezirk erbaut werden. So ist nicht nur das Stadtzentrum entlastet, sondern die Leute schaffen es auch pünktlich zur Arbeit zu gelangen.

Das Logo des Projekts „Moskau 2020“ zeigt, dass man sich über die Grenzen des Ringsystems hinwegsetzen muss und stattdessen zur Dezentralisierung übergehen muss.

In diesem alternativen Plan gibt es auch eine Variante zur Benennung der einzelnen Bezirke. Diese könnten beispielweise mit verschiedenen Farben gekennzeichnet werden. So ist jeder Bezirk nach einem Buchstaben aus dem Namen der Stadt „Moskva“ benannt: М, О, S, K, V, А (Москва).

Die Vielfältigkeit der einzelnen Bezirke muss gefördert werden. Man muss sie einzeln planen und kreieren und nicht einfach nur versuchen, eine monolithische Metropole zu schaffen.

Eine andere Idee von uns ist, Festivals in den Bezirken zu organisieren. Bei diesen Veranstaltungen sollen die Einwohner sowie Spezialisten aus verschiedenen Bereichen wie beispielsweise Design angelockt werden. So können sie dann gemeinsam Projekte zur visuellen Stadtplanung ausarbeiten.

Der Dialog

Wie kommt zwischen den unterschiedlichen Teilnehmern des alternativen Stadtentwicklungsplans ein Dialog zu Stande?

Als Künstler und Designer denke ich in Bildern und glaube, dass dies genau das ist, wonach wir streben – Bilder sind eben das Wichtigste.

Unsere gleichgesinnten Freunde, die aus mehreren Bereichen kommen, ermöglichen es uns, unsere Ideen in verschiedene Sprachen zu übersetzen. Wenn jemand schöne Bilder sehen möchte: Da fährt ein glücklicher Mensch auf einem Fahrradweg durch Moskau.

Für einen ist vielleicht ein einsichtiger Text, der sämtliche Fakten, Meinungsumfragen und Architekturprojekte enthält, wichtig. Und anderen ist es vielleicht lieber die von Designern entworfene Grundidee des Projekts in Form eines Plans oder einer Karte zu sehen.

Für uns zählt nicht das Resultat oder das, was wir erreichen. Es ist der Kulturaustausch selbst, der uns wichtig ist.

Interessantes Projekt? Schließe Dich uns an!

Solltest du den alternativen Weg einschlagen, so wirst du sehr bald neue Freunde finden, mit denen du auch viel mehr erreichen kannst.

Es gibt eine Website, auf der ich Informationen über alle realisierten Projekte stelle. Dort kann man Links zu Materialien und zum „EcoWiki“ finden.

Dort gibt es auch ein Online-Formular, das man ausfüllen kann. Die darin geäußerten Wünsche und Anregungen werden dann im Text des Projektes „Moskau 2020“ erscheinen.

Statt eines Epilogs

Das Fahrrad ist einerseits altmodisch, andererseits ist es eindeutig die Zukunft. Denn... ach! Was rede ich da?! Da gibt es nichts zu erklären. Das Fahrrad ist einfach spitze! Es ist die Zukunft!

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Produktion und Musik: readymedia.com

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Mail Symbolburck@moskau.goethe.org

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