Claudia Schmacke

Ob als durchgehende pulsierende Netze oder geschickt angeordnete Einheiten – Claudia Schmackes Wasser-Environments haben stets eine überraschende und hypnotische Wirkung. Sie nutzt das Element Wasser in fließendem wie auch in bewegungslosem Zustand, um die Funktionsweise der uns umgebenden physischen Welt und die Art und Weise, wie wir sie wahrnehmen, zu beleuchten. Ihre skulpturalen Installationen sind minimal in der Form und zugleich komplex in ihren Implikationen – sie ermöglichen es, den vorübergehenden Moment, unser konkretes Umfeld – mithin Zeit und Raum – und den Zusammenhang zwischen beiden bewusster wahrzunehmen.

Schon früh entschloss sich die Künstlerin, mit Organischem und Veränderlichem zu arbeiten, Materialien zu verwenden, die von flüchtiger Natur sind. Einen ersten Vorstoß in diese Richtung machte sie mit Paraffin, mit dem man sowohl einen flüssigen als auch einen festen Zustand verbindet. Dieser Ansatz entstammt ihrem Interesse für den Zusammenhang von Zeit und Raum, an dessen Grenzen moderne Physik und Philosophie ineinander zu fließen scheinen. Später, während eines Forschungsaufenthalts in Italien, stieß sie auf Leonardo da Vincis Aufzeichnungen über natürliche Phänomene und Bewegungsmuster im Wasser. Gleichzeitig studierte sie Renaissance-Gärten sowie natürliche Landschaften und entdeckte dabei ihre Faszination für Springbrunnen, terrassenförmig angelegte Wasserläufe und die Rolle des Wassers bei der Aktivierung eines Raums. Sie begann, Wasser nicht nur als Substanz mit immensen plastischen Möglichkeiten zu begreifen, sondern auch als einen Mikrokosmos innerhalb des Universums.

In den unterschiedlichen Formen, die Schmacke verwendet, gibt es wiederkehrende Elemente von Dualität und Paradoxie. Die flutende Kraft des Wassers und deren Eindämmung ist das offensichtlichste Gegensatzpaar in ihren Arbeiten, doch werden auch Wahrnehmungsphänomene vom Verfließen und Stillstand der Zeit und ihre Bezüge zur räumlichen Bewegung thematisiert. So wie Bewegungslosigkeit mit einem schwebenden, ewigen Zustand assoziiert wird, so impliziert Bewegung im allgemeinen Dauer und das Vergehen von Zeit.

Deborah Everett
Kunstkritikerin, Autorin zahlreicher Beiträge über die New Yorker und die internationale Kunstszene, Verfasserin von Katalogessays zu Ausstellungen an der Long Island University und in der Architectural League in New York City. Publikationen in ZingMagazine, Cover Magazine, Sculpture magazine, NY Arts und articlemagazine.com.

Aus Fluid Encounters, Fliessende Begegnungen (Übersetzung ins Deutsche: Brigitte Kalthoff), publiziert in Claudia Schmacke Waterworks, Gutleut Verlag, Franfurt/Main, 2005

Claudia Schmacke
Claudia Schmacke
Geboren 1963
Lebt und arbeitet in Berlin

Künstlerresidenz in
Nischnij Nowgorod

www.schmacke.net