Vladimir Kuprijanov Julia, 2007–2009
BiografieZwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer ist der Moment gekommen, da die sowjetische Zivilisation endgültig nichts mehr mit der heutigen Realität zu tun hat. Zwar sind deren Nachklang und Relikte in ihrem einstigen Verbreitungsgebiet noch überall gegenwärtig – im Osten Deutschlands weniger, mehr in den GUS-Staaten oder der russischen Provinz –, doch im Großen und Ganzen kann man sagen, diese Zivilisation ist Geschichte geworden und spielt in der zeitgenössischen Kultur nur noch als solche eine Rolle. Doch noch immer wird sie sehr emotional beurteilt: Wer selbst innerhalb dieser Zivilisation gelebt hat, sehnt sich entweder nach ihr zurück oder hasst jedes ihrer Merkmale und Charakteristika. Die zweite Haltung ist allerdings seltener: Menschen neigen eher dazu, ihre eigene Jugend und den sie umgebenden Raum zu idealisieren, als sich ständig ihrer Unfreiheit zu erinnern. Doch solche Werturteile lassen wenig Raum für echte Reflexion, ernsthaftes Nachdenken und historische Auseinandersetzung, die demnach Wissenschaftlern und Künstlern überlassen bleiben. Die Wissenschaft braucht dafür Zeit, um geduldig Fakten zu sammeln, die Kunst dagegen destilliert ihre Theorien aus einzelnen Zeugnissen und verstreuten visuellen Zeichen. Vladimir Kuprijanov ist einer, der das meisterhaft beherrscht.
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