Umwelt

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Der nackte Kampf für den Wald

© privatIn Berlin gibt es schon seit mehr als zehn Jahren eine Organisation mit dem provokanten Namen „Fuck for Forest“ (FFF). Ihre Aktionen und ihr Name harmonieren voll und ganz: Die Teilnehmer machen Fotos und Porno-Videos für die Webseite und der Erlös dieser Aufnahmen wird für die Rettung der Natur gespendet. Momentan arbeiten sie an Projekten in der Slowakei, Peru, Brasilien, Ecuador und Costa-Rica. Vor kurzem lief in Deutschland eine Dokumentation über die erotische Initiative der Aktivisten, die viel Aufsehen in den Massenmedien und in der Gesellschaft auslöste. To4ka-Treff traf sich mit der Aktivistin Natty und ließ sich darüber aufklären, warum sie sich dazu entschieden hat, sich für den Wald auszuziehen, wie ihre Eltern dem gegenüberstehen und was sie über Kinder denkt.

© Fuck for Forest

Erzähl, wie und vor wie vielen Jahren bist du zu FFF gekommen?

Ich war 16 Jahre alt, als sich in mir ein intuitives Gefühl ausbreitete, dass die Menschen nicht richtig mit der Umwelt, den Lebewesen und sich selbst umgehen, aber ich sah keine Gelegenheit etwas Konkretes zu machen. Und als ich Leona und Tommi (Organisatoren von FFF) kenne lernte, dachte ich „Wow!“. Das ist eine super Idee, bei der man auch Ergebnisse sehen kann! Und als ich schon mit der Arbeit angefangen hatte, verstand ich, dass dieses Projekt nicht nur dem Planeten hilft, sondern auch den Menschen, die den Scham und die Scheu gegenüber dem eigenen Naturell verlieren.

Mit was beschäftigst du dich außerhalb von FFF?

Fast meine gesamte Zeit beschäftige ich mich mit der Arbeit bei FFF. Ich beantworte Anrufe und Briefe, arrangiere Performances, nehme auf, fotografiere und wirke selbst an Aufnahmen mit.

Das heißt, du bekommst ein festes Gehalt für die Videos, bei denen du mitwirkst?

Nein, fast das ganze Geld, welches die Nutzer bezahlen, um die Videos ansehen zu können, geben wir für Ökoprojekte aus. Unsere Kosten setzen sich nur aus der Finanzierung der Webseite und den Wohnungen, wo die Mehrheit von uns arbeitet und lebt, zusammen. Früher haben wir versucht ohne Wohnungen zu überleben, aber das ist kompliziert, solange keine umfangreichen Filme in Cafés gedreht werden können.

© Fuck for Forest

Aber von was isst du und kaufst Kleidung?

Ich habe seit 10 Jahren keine Kleidung mehr gekauft und ich esse nur weggeschmissenes Essen. In Berlin findet man viele Plätze, an denen noch gutes, aber nicht mehr benötigtes Essen einfach weggeschmissen wird. Wenn wir nicht genug Geld für die Miete haben, spiele ich auf der Straße Flöte. Die Wurzel allen Übels liegt darin, dass die Leute denken, sie brauchen Scheine und Münzen. Ich mag Geld wirklich nicht und benötige es auch fast nicht.

Und wie viele Besucher hat eure Webseite, wie viele schauen sich eure Videos an?

Ungefähr 1000 Besucher haben wir im Monat. In letzter Zeit ein bisschen weniger, das sind die Auswirkung der Krise. Jeder darf das Projekt unterstützen: Junge, Alte, Dicke und Dünne, wenn sie Ideen und eine Kamera haben. Im Laufe der Jahre seit dem Bestehen der Organisation haben schon 2000 Menschen ihre Fotos und Filme gepostet. Wer einmal auf der Webseite auftrat, mit dem bleiben wir befreundet und machen weitere Projekte zusammen.

Wie steht deine Familie dieser Tätigkeit gegenüber?

Ich habe das Glück, das meine Familie mich akzeptiert. Meine Eltern haben schon immer zu mir gesagt: „Alles was dich glücklich macht, macht uns glücklich.“ Als ich angefangen habe bei FFF zu arbeiten, hat das meinem Bruder nicht gefallen. Aber er kam mit mir zu einem Szenetreffen, ebenso wie meine große Schwester, redete mit den Leuten und wurde neulich Teil unseres Teams und wohnt jetzt mit uns in der Wohnung. Viele Freunde hatten Probleme mit ihren Eltern, zum Beispiel Leona. Ich habe einen Freund, aber ich war noch nie in einer monogamen Beziehung und tue das, was sich richtig anfühlt. Niemand aus der Organisation ist in einer Beziehung. Wir wollen unsere Partner nicht in ein Gefängnis stecken.

© Fuck for Forest

Wie sucht ihr Projekte aus, in die ihr Geld investiert?

Die Menschen schreiben uns ihre Idee, wir schauen sie uns an und treffen eine Entscheidung. Oft kommt es vor, dass das Projekt sehr gelungen ist, aber es irgendein bedeutendes Unternehmen unterstützt, wie zum Beispiel Shell. Wenn wir ablehnen, dann weil wir nicht in einem Boot mit den Kapitalgesellschaften landen wollen, die unsere Umwelt zerstören. Gerade dann, wenn sie beispielsweise Reklame machen: „So schützen wir den Planeten“, obwohl alle ihre Tätigkeiten den Planeten zerstören. Es kommt auch die umgekehrte Version vor. Projekten, denen wir unsere Unterstützung zusicherten, wird gesagt: „Ihr bekommt viel mehr Geld, wenn ihr eure Beziehung mit FFF einstellt.“ Wozu wird dieser Wettkampf gemacht? Wir wollen nur den Planeten retten, das ist so blödsinnig!

Und warum unterstützt ihr viele Projekte außerhalb Europas?

Oft liegt das am Geld. Beispielsweise ist Deutschland sehr teuer, das können wir nicht stemmen. In Südamerika kann man mit weniger Geld größere Gebiete unterstützen.

Hattet ihr Probleme mit der Polizei?

Natürlich ist die Polizei uns nicht wohlgesinnt. Einmal haben wir eine Aktion in Kreuzberg gemacht: Wir haben nackt veganes Essen neben einem McDonalds verteilt. Und das war in der Zeit des Ramadans, die Reaktion der Muslime war, verständlicherweise, inadäquat. Besucher von McDonalds haben die Polizei gerufen und wir haben uns angezogen. Und als die Polizisten ankamen, riefen sie: „Wo sind die nackten Leute? Wir wollen auch viele nackte Leute sehen!“

© Fuck for Forest

Möchtest du Kinder? Und wie verhält es sich mit Kindern bei FFF, weil manchmal entstehen aus Sex Kinder…

Ja, ich weiß, dass das gefährlich ist! Viele nehmen Tabletten und wenn wir ein Video aufnehmen, möchte ich natürlich nicht fragen: „Benutzt ihr ein Kondom?“ Ich habe noch nie gehört, dass Frauen kamen und gesagt haben: „Ich wurde schwanger, als ich einen Film für FFF gedreht habe.“ Ich möchte keine Kinder, auf der Welt gibt es so viele Menschen, die unsere Liebe und unseren Schutz brauchen. Neue in die Welt zu setzen wäre egoistisch.

Wioletta Ryabko

Übersetzung: Mareike Rath

Copyright: To4ka-Treff
Dezember 2013

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