Beruf: Geisteswissenschaftler

Lust an der Sprache – Literaturagent

Markus Michalek | Foto: privatMarkus Michalek (33) arbeitet als Literaturagent für die Literaturagentur AVA International und vermittelt Autoren an Verlage. Seinen Weg zum Beruf fand er über sein Germanistik-Studium – und über seine Liebe zum Schreiben.

Markus Michalek | Foto: privat

„Studiert habe ich Neuere deutsche Literatur, Politische Wissenschaft und Deutsch als Fremdsprache. Das ist ein sehr literaturwissenschaftlich orientiertes Studium. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich schreiben wollte und meine Zukunft in der Schriftstellerei sah. Deshalb fing ich auch an, mich mit dem Literaturbetrieb zu beschäftigen. Eines Tages bin ich vom Herausgeber einer Literaturzeitschrift gefragt worden, ob ich mir vorstellen könne, in einer Literaturagentur zu arbeiten. Ich war neugierig und habe mir das Ganze angesehen. Seitdem bin dort tätig – zunächst mit einem Nebenjob während des Studiums, danach Vollzeit.

Auch dazu passt mein Studium. Generell sind Fremdsprachen, BWL oder Buchwissenschaften für diese Tätigkeit hilfreich. Ich denke, es ist aber auch möglich, über einen absolut anderen Studiengang einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wichtig in meinem Beruf ist vor allem, sich gut in Texte einfühlen zu können und Lust zu haben, mit Sprache zu arbeiten. Und natürlich mit Menschen, mit den Autorinnen und Autoren.

Literaturagent in Ausbildung

© AVA International

Was die Arbeit einer Agentur von einem Verlag unterscheidet, ist zum Beispiel die Programmfreiheit. Verlage arbeiten programmgebunden, das heißt, sie haben eine gewisse Firmenpolitik, die sie verfolgen müssen – manche dürfen zum Beispiel keine erotische Literatur oder literarische Belletristik verlegen, andere stehen nur für gehobene Unterhaltung. Wir in der Agentur können jeden unter Vertrag nehmen, wenn wir von seinem Potenzial überzeugt sind. Dann suchen wir von den Verlagen, die es in Deutschland gibt, den passenden aus. Es ist also quasi von der anderen Seite her gedacht, was wir machen.

Die Nadel im Heuhaufen

Wenn man als Autor mit einer Agentur zusammenarbeitet, hat man meiner Meinung nach auf jeden Fall größere Chancen, als wenn man sich direkt an den Verlag wendet. Ein unverlangt eingesandtes Manuskript erleidet sehr schnell das Schicksal der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen und wird übersehen – einfach, weil das Ausmaß der eingesandten Manuskripte Dimensionen angenommen hat, die nur sehr schwer zu bewältigen sind. Das merkt man allein schon bei uns. Obwohl wir keine Bücher verlegen, sondern nur vermitteln, bekommen wir täglich Manuskripte bis in den zweistelligen Bereich eingeschickt.

Ein Herzblut-Projekt

© Fabian BrossDass ich einen Beruf gewählt habe, für den ich mein eigenes Schreiben zurückstellen muss, stört mich nicht. Ich habe diese Entscheidung bewusst getroffen und bin sehr glücklich damit. Außerdem habe ich mich nicht ganz davon verabschiedet – in meiner Freizeit gebe ich zusammen mit Freunden eine Literaturzeitschrift heraus: Parsimonie. Das Prinzip der sparsamsten Erklärung. Da werden teilweise Texte von mir veröffentlicht. Parsimonie ist für mich ein Herzblut-Projekt. Angefangen haben wir zu sechst und die erste Ausgabe bestand aus sechs Texten – von uns. Mittlerweile bekommen wir pro Ausgabe 30 bis 40 Einsendungen. Wir veranstalten auch Lesungen, teilweise mit Münchner Autoren, teilweise mit Autoren von außerhalb, die wir einladen. Vor allem haben wir Autoren im Blickfeld, die noch keine großartigen Veröffentlichungen vorzuweisen haben, Debütanten also.

Kein klassischer Weg

© Heinrich-Böll-StiftungLeute, die eine Laufbahn als Literaturagent anstreben, sollten sich fragen, ob sie gern mit Texten und Menschen arbeiten. Das ist die Basis für eine Tätigkeit als Literaturagent: Dass man viel liest, schnell die Stärken und Schwächen eines Textes ausmachen kann und vor allem in der Lage ist, das Autorenpotenzial einzuschätzen. Den Rest kann man lernen. Einen klassischen Weg zum Literaturagenten gibt es nicht, würde ich sagen, auch keinen bestimmten Studiengang. Viele kommen aus dem Verlagsbereich, machen sich selbstständig und sagen: „Ich möchte weiter mit Büchern arbeiten, aber keinen eigenen Verlag gründen.“ Mein persönlicher Weg war eben, während des Studiums schon in der Agentur zu jobben und dann zu hoffen, übernommen zu werden. Man kann aber auch als Quereinsteiger Erfolg haben, wenn man eine hohe Affinität zu Büchern hat und den Markt kennt.

Es kann schon sein, dass mich irgendwann wieder die Schreibwut packt, wer weiß das schon. Vielleicht will ich dann ja auch einfach wieder Geschichten erzählen. Gerade ist es mein Wunsch, fertig ausgebildeter Agent zu sein. Auf jeden Fall möchte ich nach vorne und nach Möglichkeit an einer Position sitzen, wo ich ein paar Rädchen mitdrehen kann im deutschen Literaturbetrieb.“

Katrin Baumer, 27, München

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August 2013
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