Der Sektor Jugendpresse – auf Russisch

Wie können sich junge Leute im heutigen Informationsfluss orientieren – und gibt es Medien, die ihnen dabei helfen? In der Vielfalt jugendlicher Print- und Internetmedien kann jeder etwas finden, das seinem persönlichen Bedarf entspricht.
Medien mit universeller Ausrichtung
Jugendmedien decken eine große thematische Bandbreite ab: Einige haben es sich zum Ziel gesetzt, nicht einfach nur unterhaltsame Inhalte zu veröffentlichen, sondern auch über aktuelle Ereignisse zu informieren, Analysen gesellschaftlicher Probleme zu erstellen und Tendenzen in der Entwicklung moderner Kultur aufzuzeigen. Dem Ausmaß ihrer Verbreitung nach kann man Jugendzeitungen grob in föderale, regionale und städtische Medien unterteilen.
Die föderale Zeitung „Akzija“ berührt gesellschaftlich-politische Probleme aus Russland und der Welt und schreibt über Wissenschaft, Technologien, Bildung, Karriere und Kultur. Sie kommt zwei Mal die Woche heraus und wird kostenlos an Hochschulen, Kinos, Cafés und anderen Orten verteilt. Das Portal „www.siburbia.ru“ ist ein regionales Medium und publiziert Material zu Ereignissen, Gesellschaft und Kultur in der Region Sibirien. Ein weiteres Beispiel ist die „Molodjoschnaja Gasjeta“ („Jugendzeitung“) der Republik Baschkortostan. Neben ihrer Druckversion, die auf dem gesamten Territorium der Republik verbreitet ist, hat die Zeitung auch noch die Website www.mgazeta.narod.ru, deren Artikel sich mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen befassen. Unter den städtischen Zeitungen kann man „Studentscheskij Gorod“ („Studentenstadt“) herausstellen, die Ereignisse in Novosibirsk thematisiert und Artikel liefert, die sich um das Leben von Jugendlichen in der Stadt drehen.
Jugendmedien mit sittenbildender Funktion
Manche Medien beschränken sich nicht allein auf ihre informative Funktion, sondern bemühen sich darum, der heranwachsenden Generation höhere Ideale mitzugeben – und ihr dabei zu helfen, starke persönliche Qualitäten auszubilden. Das wollen sie über den Weg der Veröffentlichung sogenannter „human stories“ erreichen. Die Zeitschrift „Gorod molodych“ zum Beispiel, die einmal im Quartal herauskommt, hat es sich zum Ziel gesetzt, junge Führungskräfte in Novosibirsk miteinander zu vernetzen. „Gorod molodych“ erfüllt somit eine informative, unterhaltende, bildende und organisierende Funktion. Alle Ereignisse werden durch das Prisma menschlicher Geschichten widergegeben, und daher überwiegen Artikel aus dem Essay-Genre und Skizzen. In der Ukraine erscheint alle zwei Monate die Zeitschrift „Sho“ im Hardcover, die alle Aspekte moderner Kultur unter die Lupe nimmt. Außerdem organisiert die Zeitschrift eine Reihe von Projekten (darunter auch Poesie-Festivals und Lesungen), die mit der ukrainischen und internationalen Kulturszene vernetzt sind, und verbreitet die Informationen hierzu auf der Seite www.sho.kiev.ua.
Es gibt auch noch eine Reihe von Zeitungen, die sich um die politische Erziehung Jugendlicher bemühen. „Snamja Junosti“ („Banner der Jugend“) ist eine staatliche gesellschaftspolitische Wochenzeitung für Jugendliche in der Republik Belarus. Sie beschäftigt sich auf ihren Seiten mit solchen Themen wie Berufsberatung, sozialen Vergünstigungen und jugendlichen Freizeitbeschäftigungen.
Studentische Medien
Bildungsfragen sind das grundlegendste Thema vieler Jugendmedien. Beispiele an Publikationen aus Russland, deren Leitmotiv für die Materialwahl das studentische Interesse ist, sind zum Beispiel „Studentscheskij Meridian“ („Studentischer Meridian“) und „Gaudeamus“. „Studentscheskij Meridian“ ist eine moderne Version der Jugendzeitschrift „Krasnaja Molodjosch“, die 1924 in Moskau gegründet worden war und seitdem einige Male ihren Namen gewechselt hatte. Die Zeitschrift wird im Abo geliefert, und ein Teil ihrer Auflage geht kostenlos an die hauptstädtischen Hochschulen. „Gaudeamus“ ist eine Zeitung für Studierende aus Moskau und St. Petersburg, die sich mit Wissenschaft und Bildung, Rechten von Studierenden, moderner Pop-Kultur und Reisethemen beschäftigt.
Hochglanzjournale für Jugendliche
Der Großteil der monatlich erscheinenden Jugendzeitschriften hat eine klar positionierte Ausrichtung auf Unterhaltung. Die Zeitschriften „TOP Baschnja“ und „Oops!“ zum Beispiel schreiben für ein junges, weibliches Publikum über Show-Business, Mode, Kosmetik und Beziehungen. „TOP Baschnja“ ist in den großen russischen Städten und im Baltikum zu bekommen, „Oops!“ zusätzlich auch noch auf dem Gebiet der Ukraine. Außerdem werden internationale Zeitschriftenmarken wie „Elle Girl“ in russischer Sprache herausgegeben.
Informative und bildende Jugendzeitschriften, die aktuelle Tendenzen in den Bereichen Kultur und gesellschaftliches Leben wiedergeben, sind aber praktisch nicht zu finden. Ein Beispiel für „intellektuellen Glanz“ war das monatlich erscheinende Heft „Jalouse“, das 2006 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden musste. Es war nicht nur wegen seiner Artikel zur gegenwärtigen Kultur und seiner kreativen Ideen, sondern auch durch die wunderschön aufgemachten Ausgaben sehr ansprechend. Eine heute ähnliche Zeitschrift mit angenehmem Design und anregend-bildendem Inhalt ist das beliebte Internetmedium www.lookatme.ru/mag mit Themen wie aktuelle Kultur, Mode, Musik und Design.
Aktuelle Tendenzen im Bereich Jugendpresse
Trotz ihrer weiten Verbreitung und der Vielzahl an Jugendmedien gibt es in diesem Marktsegment aber auch Probleme. Das sind zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Inhalt und der Authentizität einiger Print-Jugendmedien und Internetportale, sowie das Problem ihrer „Verfärbung“. Studierende lesen eben Publikationen, die ihren professionellen Interessen und Anforderungen entsprechen. Das sind oft keine Jugendmedien; denn einige von ihnen stellen aktuelle Ereignisse und Trends nicht vollständig dar. Die Anzahl runder Tische auf regionalem und städtischem Niveau, in deren Rahmen Aufmerksamkeit für dieses Problem geweckt werden soll, ist bereits gestiegen. Junge JournalistInnen aus Kasachstan haben bereits eine Gesellschaft für Jugendpresse gegründet, und in Usbekistan werden ebenfalls analytische Schritte in diese Richtung gemacht, um unter Berücksichtigung der Bedürfnisse dieser Zielgruppe und aktueller Realitäten die inhaltliche Qualität von Jugendmedien zu verbessern.
Und es gibt durchaus positive Tendenzen. Eine große Rolle wird nicht nur dem Inhalt, sondern eben auch der Aufmachung von Materialien und einer allgemeinen Gestaltung der Medien zugesprochen. Das Maß der Integration solcher Medieninhalte in Plattformen wie LiveJournal, Twitter und soziale Netzwerke steigt bereits an – was es wiederum ermöglicht, neue RezipientInnen anzusprechen und mit ihnen in einen konstruktiveren Dialog einzusteigen.
Journalistin aus Moskau
Übersetzung: Anna Brixa
Copyright: To4ka-Treff
November 2011












