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Was ist Online-Journalismus?

Eine Einführung

Foto: Manfred Jahreis, © pixelio.deLaut Thorsten Quandt, Professor für Kommunikationswissenschaft am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin, ist Online-Journalismus der Teilbereich des Journalismus, dessen journalistische Inhalte ‚online' publiziert werden.

Schaut man in Wikepedia, verbindet Onlinejournalismus klassische journalistische Darstellungsformen mit online-typischen Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation. Aufbauprinzip ist der nicht-lineare Hypertext, typisch sind die Anreißer oder Teaser. Zunächst entstanden online-journalistische Angebote als Internet-Präsenz bereits existierender Medien. Reine Online-Portale kamen ab der Mitte der 90er Jahre hinzu. Heute gilt auch bei klassischen Presseerzeugnissen häufig das Motto: online first.

Was unterscheidet Online-Journalismus vom „klassischen“ Journalismus?

-Multimedialität
-Interaktivität
-Reichweite
-Aktualität
-Entgrenzung
-Nonlinearität

Multimedialität: Ein Online-Text kann angereichert werden durch Ton, durch Video, durch Grafiken. Er lebt von der Vielfalt der medialen Angebote.

Interaktivität: Der User kann sofort mit dem Journalisten und zu anderen Usern Kontakt aufnehmen, seine Meinung sagen oder neue Informationen liefern.

Reichweite: Es heißt ja: World Wide Web, also hat ein Online-Auftritt globale Reichweite. Was im Netz steht, kann man im Büro nebenan genauso lesen, wie tausende von Kilometern weiter am Ende von Russland oder in den USA.

Aktualität: Internet bedeutet publizieren in Echtzeit, nahezu ohne Zeitverzögerung. Allerdings ist, was im Moment aktuell ist, wenige Stunden oder auch Minuten oder Tage später alt und nicht mehr aktuell – aber immer noch lesbar. Deshalb muss man ständig auf (latente) Aktualität achten.

Entgrenzung: Das Internet kennt kein Platzproblem, Speicherplatz und damit Platz zum Publizieren ist praktisch unendlich vorhanden.

Nonlinearität: Ein Text bzw. ein Angebot muss nicht mehr von Anfang bis Ende gelesen werden, sondern er schafft Verknüpfungen zu anderen Texten. Aufgabe des Journalisten ist es: Klarheit zu schaffen und Klarheit zu bieten!

Im Wesentlichen gibt es sechs Formate des Online-Journalismus:

- News-Format
- Boulevard-Format
- einordnendes Format
- kommentierendes Format
- Portale
- usergenerierte Formate

Wie schreibe ich für Online?

Egal ob in der Zeitung oder im Internet gilt: „Was immer Du schreibst – schreibe kurz, und sie werden es lesen – schreibe klar, und sie werden es verstehen – schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ Das sagte der berühmte amerikanische Journalist Pulitzer – nach dem der prestigeträchtige Pulitzer-Preis benannt ist.

Doch zunächst sollte man kurz überlegen, wer denn der sogenannte User, also Internet-Nutzer ist. Der Internetuser ist ein eiliger Leser. Er entscheidet innerhalb kürzester Zeit, ob eine Web-Site seinen Ansprüchen genügt oder nicht. Übersichtliche Darstellungen und prägnante, lebendige Texte kommen dem Nutzer entgegen und regen ihn zum Weiterlesen an. Ein Texter denkt beim Schreiben fürs Web immer auch an die Gestaltung.

Das Internet verbindet das Design von Printmedien und TV. Der Leser sitzt aber vor einem Bildschirm! Entsprechend sollte die Site aussehen. Was heißt das? Web-Leser sind Scanner!

79 Prozent der Online-Leser überfliegen den Text, suchen nach Signalwörtern und legen Wert auf klare Strukturen. Nur 16 Prozent der Online-Leser lesen Wort für Wort eines Online-Textes.

Leser lesen im F-Schema – entsprechend sollten die Berichte geschrieben werden bzw. Infos untergebracht werden. Also am häufigsten werden Inhalte in der Mitte der Seite gelesen und zwar von oben nach unten. Oben rechts ist entsprechend Studien die für den User inattraktivste Stelle.

Der Webleser ist ein informationsorientierter Surfer, der

1. viele Anreißer liest und stark selektiert,
2. Grafiken und Bilder eher ignoriert,
3. Wert auf sachliche und aussagekräftige Überschriften legt,
4. kritischer und skeptischer ist als der Zeitungsleser,
5. den Text nach Schlüsselwörtern abscannt und sprunghaft liest,
6. möglichst bald wissen will, warum gerade dieser Text für ihn interessant sein könnte,
7. manchmal scrollt, d.h. kaum mehr als eine Bildschirmseite liest, sondern sich dann eher weiterklickt.

Onlinejournalismus bedeutet – schreiben für den Bildschirm

- Lesen am Bildschirm ist anstrengend und ermüdet die Augen - Lesen am Bildschirm hat Schwächen: schlechte Bildschirmqualität (kleine Monitore, geringe Auflösung, Lichtintensität der Monitore ist zu stark), wenig Bewegungsfreiheit (man sitzt meist unbequem auf einem Bürostuhl, nicht gemütlich auf dem Sofa)

- Datenübertragung: langsame Verbindung ohne ISDN oder DSL-Anschluss – schwierig bestimmte Seiten zu öffnen, besonders wenn darauf viele Multimediaangebote stehen

- nervig: schlechtes Seitenlayout, unübersichtlicher Text, blinkende Werbebanner und Popup-Fenster

Journalisten schreiben FÜR den Leser.

Online-Journalisten müssen es den Usern so einfach wie möglich machen, den Inhalt ihrer Texte zu verstehen.

Aber was macht einen Text verständlich?

Die vier Verständlichmacher, aufgestellt von dem Kommunikationspsychologen Friedeman Schulz von Thun in den 1970er Jahren sind Einfachheit, Übersichtlichkeit, Prägnanz und Stimulanz.

Einfachheit bedeutet schlicht, eindeutig und einleuchtend zu formulieren.

Übersichtlichkeit bedeutet geordnet, gegliedert und systematisch zu schreiben.

Prägnanz bedeutet knapp und treffend dargestellt die Inhalte zu präsentieren.

Stimulanz bedeutet, den Leser anzuregen, zu animieren und zu motivieren weiterzulesen.

Dana Ritzmann

Copyright: To4ka-Treff
Dezember 2009

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