Kreativität im Journalismus

Teil I: Eine Checkliste
Es ist eine der obersten Maßgaben im Journalismus – kreativ zu sein, Texte kreativ zu schreiben, den Leser zu motivieren und zum Weiterlesen anzuregen. Dabei weiß jeder, der schon mal journalistisch tätig war, wie schwer es oft ist, einen guten Dreh zu finden, um ein Thema originell aufzubereiten oder auch überhaupt ein spannendes Thema zu finden, über das man schreibt oder einen Audiobeitrag produziert. Hier also ein paar Tipps zum Nachlesen und Nachdenken, wenn es mal wieder nicht so recht fließen will.
Originalität
Der Beitrag unterscheidet sich deutlich von vergleichbaren journalistischen Produkten, beispielsweise durch die thematische Ausrichtung oder die Umsetzung. (Das Gegenteil ist das, was man einen „platten“ Beitrag nennt: Der Autor beschreitet einen Pfad, den schon viele gegangen sind.)
Überraschungsmomente
Nutzer bekommen immer wieder etwas geboten, womit sie nicht gerechnet haben – beispielsweise interessante, aber in der Öffentlichkeit zu wenig dargestellte Meinungen, ungewöhnliche Vergleiche, Bezüge oder Formulierungen.
Bewusster Klischeebruch
Gängige Klischees werden nicht bestätigt, sondern bewusst aufgebrochen. Nutzer haben die Möglichkeit, sich von einem bestimmten Thema ein anderes Bild zu machen.
Perspektivenwechsel
Der Beitrag betrachtet ein bestimmtes Thema aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Statt sich beispielsweise darüber aufzuregen, dass sich Abgeordnete wieder einmal Diäten erhöhen, nimmt der Autor die Perspektive des Politikers ein und beschreibt genau, welche Ausgaben ein bestimmter Abgeordneter monatlich hat.
Hintergründig
Der Beitrag beantwortet Fragen, die sich die Zielgruppe stellt und die noch nicht gelöst sind. Das Gegenteil wäre, dass der Beitrag Fragen beantwortet, die schon lange gelöst sind bzw. deren Antworten die Zielgruppe wahrscheinlich nicht interessieren (Stichwort Relevanz!)
Assoziativ
Der Beitrag stellt im Aufbau und im Text Assoziationen zu Begriffen oder Bildern her, die den Inhalt verdeutlichen. Streitigkeiten in den Mannschaften der Fußball- Bundesliga können beispielsweise Assoziationen zu einem Vulkanausbruch wecken: Beim ersten Club brodelt es, beim zweiten sind bereits deutliche Erschütterungen zu vernehmen, beim dritten ist schon eine „Rauchwolke“ zu sehen, beim vierten versprüht der Trainer heiße Lava.
Mehrwert
Jedes mediale Angebot konkurriert nicht nur mit der unmittelbaren Konkurrenz im gleichen medialen Segment, sondern auch mit anderen Medien (also Radio mit TV/Online, Zeitung mit Radio/TV/Online etc.) Entscheidend ist also zunehmend, welchen Mehrwert oder besonderen Nutzen ein Beitrag bietet. Nutzt er dafür die spezifischen Vorteile des Mediums? Klassische Beispiele im Online-Bereich wären weiterführende und Service-Links, Vernetzung mit älteren/Archiv-Inhalten, Kommentarfunktion, Möglichkeiten zum Download (sei es ein PDF oder ein Audio) uvm.
Auszüge aus: Jens-Uwe Meyer: „Journalistische Kreativität“, sowie Seminarmaterial der Universität Leipzig zum Seminar „Redaktionsmanagement“
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Dezember 2009














