Welche journalistischen Darstellungsformen gibt es?
Eine kleine Artenkunde
Was ist ein Bericht? Und was unterscheidet ihn von der Nachricht? Was macht einen guten Kommentar aus? Und was ist eine Reportage? Hier findest du Tipps und Tricks, um die richtige Stilform für dein Thema auszuwählen. Denn oftmals macht der Ton die Musik – auch beim journalistischen Schreiben.
Erst einmal unterscheidet man grundsätzlich in:
Nachricht/News, Bericht und Interview – informierende Stilformen
Kommentar, Reportage, Blog – meinungsäußernde Stilformen
Nachricht (auch Meldung oder News)
Als kürzeste Stilform umfasst die Meldung bis zu 200 Zeichen. Sie beinhaltet die wichtigsten Ws – meistens nicht einmal alle. Wer? Wo? Was? Wann? (Warum? Wie oft?)
Bericht
Ein Bericht ist länger als 500 Zeichen. Er schildert die aktuellen Ereignisse, aber auch die Vorgeschichte, geht auf zukünftige Entwicklungen ein, befasst sich mit Details und lässt Experten oder Betroffene in Form von Zitaten zu Wort kommen. Er ist häufig mit weiterführenden Links zu Hintergrundinformationen versehen.
Interview
Interviews sind entweder 1:1 – also Frage : Antwort. Dann müssen sie vom Gesprächspartner authorisiert (freigegeben) werden, bevor sie veröffentlicht werden dürfen. Oder das Interview wird als Informationsquelle für einen Bericht geführt und fließt in den Text in Form von direkten oder indirekten Zitaten ein. Interviews können auch per Video- oder Audiofile ins Netz gestellt werden - am besten ausschnittweise. In voller Länge kann man sie in Textform sowie zusätzlich als Download anbieten. Oder man kombiniert ein knackiges Textinterview mit wenigen kurzen Fragen und Antworten mit einem ausführlichen Audiofile.
Checkliste: informierende Stilformen
- Das Wichtigste zuerst!
- Die Kernaussage in den Teaser!
- Die journalistischen Ws beachten
- Einzelheiten gehören in den Text - nach der Kernaussage im Teaser!
- Vorgeschichte, Hintergründe, Charts wenn möglich auf verschiedene Seiten aufteilen, d.h. mehrere Textteile produzieren.
- Unverfälschte Faktenwiedergabe!
- Keine eigene Meinungsäußerung!
- Vor-Ort-Recherche betreiben, nicht nur Online-Recherche!
- Audio und Video da einsetzen, wo Text und Foto nicht reichen!
Kommentar
- Er erklärt Zusammenhänge und hilft Usern beim Einordnen und Bewerten von Informationen.
- Er bringt Meinung geordnet zum Ausdruck.
- Gegenargumente werden benannt und diskutiert. Zum Schluss folgt ein persönliches Fazit.
- Die Gesamtaussage ist pointiert. Man kann über sie streiten. Sie lädt zur Auseinandersetzung und Stellungnahme ein. User können wieder zurück kommentieren oder sich im Forum austauschen.
Es gibt drei Arten von Kommentaren:
1. Argumentationskommentar, in dem beide Seiten zu Wort kommen.
2. Geradeaus-Kommentar, der nur den Blickwinkel des Kommentators beinhaltet.
3. Einerseits-andererseits-Kommentar – der, sich besonders dann anbietet, wenn eine Entwicklung noch nicht absehbar und ihr Ausgang ungewiss ist. Der Kommentator hält sich mit einer persönlichen Festlegung zurück.
Kommentare kann man zu jedem Thema schreiben, nicht nur im Bereich Politik. Man muss nicht unbedingt die Meinung einer der beteiligten streitenden Parteien vertreten. Ein weiterer Standpunkt, an den bis jetzt vielleicht noch niemand gedacht hat, ist unter Umständen erhellender.
Reportage
Kennzeichnend für die Reportage ist der Wechsel: des Blickwinkels, der Personen, der Erzählzeit, der Bausteine. Zahlen und Fakten dokumentieren den Sachverhalt. Beobachtungen und Eindrücke von Einzelheiten illustrieren ihn zusätzlich. Wichtig für einen lebendigen und anschaulichen Stil: Zitate und persönliche Stellungnahmen von Betroffenen auf allen Seiten. Fotos, Bildstrecken, Audio- und Video-Elemente illustrieren Atmosphäre und charakterisieren Personen.
Porträt
Eine Sonderform der Reportage – fokussiert auf eine Persönlichkeit, eine Stadt oder ein Unternehmen und stellt dieses vor; online kann man Medienwechsel einbauen: Foto, Kurzvideo, O-Ton, Textinformation.
Netzreportage und Netzdossier
Die Netzreportage verschafft dem User im Haupttext einen Überblick über ein aktuelles Thema. Links führen zu den angesprochenen, meist externen Quellen; unterhalb des Texts werden die Links noch einmal systematisch aufgelistet und oft auch kommentiert. Ein Netzdossier hingegen besteht aus mehreren eigenen Beiträgen zu einem Thema; es enthält in der Regel interne wie externe Links. Die Startseite enthält einen Überblick über die einzelnen Abschnitte. Sie kann Audiofiles und Videos enthalten, um mehr Informationsdichte zu erreichen. Sie bietet am Schluss weiterführende Links
Blogs
Web-Tagebücher mit direkter Kommentarmöglichkeit. Hauptkennzeichen ist die chronologische Anordnung: Das Neueste steht bis oben. Blogs sind immer höchst subjektiv, also kommentierend. Der einzelne Eintrag (entry) besteht oft aus einem meinungsbetonten Teaser. Er verlinkt zu interessanten Fundstellen im Web - oft zu anderen Weblogs. Manchmal steht der Eintrag aber auch einfach nur als Text im Blog. Da jeder Eintrag eine eigene URL (Webadresse) hat, verlinken Einträge oft auch auf Texte in anderen Blogs.
Checkliste: meinungsäußernde Stilformen im Netz
- Meinung schon im Teaser erkennen lassen.
- Persönliche Aussagen auf den Punkt bringen.
- Persönliche Bewertungskriterien transparent machen.
- Weiterführende Links einsetzen, z.B. zu Hintergrundinformationen oder zum Diskussionsforum.
Worauf kommt es an?
- Setze komplexe Themen mittels unterschiedlicher Darstellungsformen um, z.B.: Nachrichten, Hintergrundberichte, Reportagen, Interviews, Kommentare
- Erweitere, aber überfrachte das Angebot nicht mit internen und externen Links.
Text:
- Schreibe kurz und anschaulich.
- Verwende klare optische Strukturen.
- Finde prägnante Headlines und Zwischenüberschriften.
- Wähle zum Text passende Fotos aus.
Multimediaeinsatz:
- Fotos / (Info-) Grafiken
- Audiodokumente / Videodokumente
- Animationen / Spiele
Dialoginstrumente:
- Kommentarfunktion
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Dezember 2009














