Kreatives Schreiben:
Konferenz zur Themenfindung

Teil III: Konferenzen
Es ist eine der obersten Maßgaben im Journalismus – kreativ zu sein, Texte kreativ zu schreiben, den Leser zu motivieren und zum Weiterlesen anzuregen. Dabei weiß jeder, der schon mal journalistisch tätig war, wie schwer es oft ist, einen guten Dreh zu finden, um ein Thema originell aufzubereiten oder auch überhaupt ein spannendes Thema zu finden, über das man schreibt oder einen Audiobeitrag produziert. Hier also ein paar Tipps zum Nachlesen und Nachdenken, wenn es mal wieder nicht so recht fließen will.
Themenentwicklung im Team
Wie kreativ sind Konferenzen?
Konferenzen – so sagt es jedenfalls die Redaktionstheorie – sollen der kreative Mittelpunkt des journalistischen Alltags sein. Hier werden Themen zunächst durchdacht und dann gemacht, die Erfahrungen der Anwesenden ergänzen sich auf wundersame Weise, frei und offen werden Ideen gesponnen… In manchen Redaktionen funktioniert das sogar, doch vielfach sieht die Realität anders aus. Auf die Frage des CvD „Hat jemand Ideen für den heutigen Tag?“ herrscht betretenes Schweigen, die Konferenz produziert Frust bei allen Beteiligten. Dieses Schweigen hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Redaktionskonferenz eine recht komplexe gruppendynamische Veranstaltung: Hier treffen persönliche Faktoren (Ideenfilter, Angst vor Widerspruch, Angst vor Unvollkommenheit) und strukturelle Ideenkiller (Angst vor Fehlern, Macht- und Meinungskämpfe etc.) aufeinander. Wenn Ideen diskutiert werden, spielt neben der Sachebene immer auch die Beziehungsebene eine Rolle: Die wenigsten Beteiligten einer Redaktionskonferenz bewerten bei einer Diskussion ausschließlich die Idee. […] Strategische Überlegungen des Einzelnen, ob und inwiefern er es sich „leisten“ kann, eine Idee gut oder schlecht zu finden, spielen immer eine Rolle. Diskussionen polarisieren: Wer genau beobachtet, wird feststellen, dass die Bewertung von Ideen häufig parallel zu den herrschenden Meinungsgruppen einer Redaktion verlaufen.
Dazu ist die Konferenz häufig der einzige Ort, an dem sich Redakteure profilieren können. In vielen Redaktionen ist es deutlich zu spüren, wie die Anwesenheit des Chefredakteurs bzw. des Programmdirektors den Verlauf von Diskussionen verändern kann. Eine offene Diskussion kann schnell verstummen bzw. einen vollkommen anderen Verlauf nehmen. Wenn der einzelne Redakteur in seiner täglichen Arbeit wenig Kontakt mit höheren Vorgesetzten hat und diese Konferenz die einzige Gelegenheit ist, eine Reaktion des Vorgesetzten auf die eigene Person und das eigene Tun zu bekommen, wird die Sitzung fast automatisch zur Bühne: Bei manchen Konferenzteilnehmern bekommen die Wortbeiträge einen strategischen Unterton und es geht darum, die eigene Position im Machtgefüge der Redaktion zu festigen oder zu verbessern. Andere verstummen aus Angst, etwas Falsches zu sagen und unangenehm aufzufallen. Kein ideales Klima, um Ideen gedeihen zu lassen.
Killerphrasen verbieten
Alltag in der Konferenz: Ein Redakteur macht einen Vorschlag, ein Kollege verdreht die Augen und schüttelt den Kopf. Was folgt, sind typische Killerphrasen:
„Was für eine blöde Idee.“
„Das hatten wir schon mal so ähnlich.“
„Das interessiert unsere Zielgruppe nicht./Das ist kein Thema für uns.“
„Viel zu aufwändig/zu teuer.“
„Da finden wir keinen Ansprechpartner.“
„Das klappt nie.“ Killerphrasen sind ein effektives Mittel, um jede Idee und jeden neuen Gedanken schnell zu töten. Sie haben eine fatale Wirkung: Wer eine Idee vorschlägt, gerät sofort in eine Rechtfertigungsposition und beginnt, sich zu verteidigen. Nicht derjenige, der eine Idee vorschlägt, sollte sie verteidigen müssen: Wer Einwände hat, sollte diese begründen. Um eine Redaktionskonferenz produktiv zu gestalten, gehören Killerphrasen verboten.
Die kreative Konferenz
Um eine Themenkonferenz konstruktiv zu gestalten, muss sie vom journalistischen Kleinkram befreit werden. Informationen über Routineereignisse, die erfahrungsgemäß zu keiner erweiterten Berichterstattung führen, bedürfen keiner Erwähnung im Plenum. Sie können genauso gut auf einer Liste zusammengefasst und im Anschluss an die Teilnehmer ausgehändigt werden. Die eingebrachten Themen müssen weitgehend vorsortiert werden, wobei folgende Frage zugrunde gelegt werden sollte: Welche Themen gehören ins Plenum, welche lassen sich besser in einer Kleingruppe bzw. in einem Vieraugengespräch besprechen? Flipchart oder ein Overhead-Projektor sollten zur Grundausstattung eines Konferenzraums gehören, um die Themenplanung des aktuellen Tages bzw. der Woche auch visuell darzustellen.
Eine Konferenz zur Themenfindung wird in drei Phasen aufgeteilt, die wiederholt werden können – bei komplexeren Themen sogar wiederholt werden müssen.
Ideensammlung
Hier gehr es zunächst einmal darum, so viele Ideen wie möglich zu notieren. Die Ideen werden weder bewertet noch diskutiert. Der Moderator gibt in erster Linie Stichwörter bzw. stellt Fragen und wendet verschiedene Kreativtechniken an.
Diskussion
Die Teilnehmer bewerten die Ideen. Auch Aspekte hinsichtlich der Machbarkeit bzw. der Finanzierung fließen hier ein. Der Moderator lenkt die Diskussion und sort dafür, dass sie konstruktiv bleibt.
Entscheidung
Die Ergebnisse von Schritt 1 und 2 werden zusammengefasst, die möglichen Themenpakete fertig geschnürt und ggf. in der nächsten Entscheiderebene/ Konferenz vorgestellt.
Auszüge aus: Jens-Uwe Meyer: „Journalistische Kreativität“, sowie Seminarmaterial der Universität Leipzig zum Seminar „Redaktionsmanagement“
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Dezember 2009














