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Was ist typisch kasachisch?

© FotoliaWas ist typisch kasachisch? Ist es die Küche, die Kleidung, die Natur oder BMW X5? Wir haben uns bei Passanten in der Innenstadt von Almaty umgehört und erfahren, was für einen Kasachen am Wichtigsten ist.

Hansulu Nurschaoba, 60, Rentnerin


Foto: Pauline TilmannWir sind offene und gastfreundliche Menschen. Man bekommt immer eine Antwort, wenn man eine Frage stellt. Und wenn man zu Besuch kommt, wird man immer herzlich empfangen. Wir wollen niemanden beleidigen, weil das unserer Natur nicht entspricht. Wir sind Menschen mit reinem Herzen und bemühen uns darum, dass sich alle wohlfühlen.

Agaew Muschwik, 42, Manager

Foto: Pauline TilmannIch bin selber kein Kasache, ich komme ursprünglich aus Aserbaidschan. Jedoch würde ich sagen, dass das Besondere an Kasachstan darin liegt, dass es hier ein friedliches Zusammenleben gibt. Man spürt diese Aura, wenn man am Flughafen in Almaty ankommt. Es ist eine warme Aura, die schwer zu beschreiben ist. In Moskau hingegen ist die Atmosphäre anders, da ist alles hektisch. Hier ist das anders, es gibt so einen speziellen zentralasiatischen Kolorit. Das steckt in einem drin, aber gleichzeitig entwickelt es sich auch weiter, weil sich eben so viele Nationen ständig miteinander vermischen.

Natalia Filonowa, 51, Ingenieurin

Foto: Pauline TilmannDie Kasachen sind sehr gastfreundlich und friedlich, wofür ich sie bewundere. Ich finde das super. Wenn man irgendwo eingeladen ist, wird eine Ziege oder ein Lamm geschlachtet – extra für den Gast. Oder was man sonst da hat: Alles wird auf den Tisch gestellt. Ich war auch schon auf kasachische Hochzeiten eingeladen und dort kann man genauso viel Spaß haben wie auf einer russischen Hochzeit. Jeder ist da natürlich eigen. Es gibt eigene Traditionen und das respektiert auch jeder. In unserer Familie mischen sich auch einige Ethnien – meine Schwester ist mit einem Türken verheiratet, meine Enkelin ist mit einem Kasachen zusammen. Also das geht wild durcheinander und das ist bei den meisten so.

Alua Tlekina, 21, Studentin

Foto: Pauline TilmannDie Kultur und die traditionelle Kleidung, wie zum Beispiel unsere Takhia oder Schapan, sind etwas typisch Kasachisches. Man trägt sie nicht mehr so häufig wie früher, aber es gibt sie schon noch vereinzelt. Die Küche gehört ebenfalls zu diesen typischen Dingen – es muss unbedingt Fleisch dabei sein und die Gerichte müssen fettig und sättigend sein. Klassisch sind zum Beispiel Beschbarmak, Kurt, Baursak, Kymys und Schubat. Das Essen spielt auch eine große Rolle, wenn wir ein Picknick in der Nähe eines Flusses oder in den Bergen machen. Das gehört einfach dazu! Wir mögen eben diesen gesellschaftliche Moment am liebsten: Wenn alle zusammen essen und einfach nur die Natur genießen.

Karina Zargaryan, 23, Lehrerin

Foto: Pauline TilmannIch lebe seit 20 Jahren in Kasachstan, also ist das hier meine Heimat – auch wenn meine Familie ursprünglich aus Armenien stammt. Ich finde, die kasachischen Traditionen sind bis heute lebendig, egal ob beim Essen oder wenn es ein Fest gibt. Und Feste sind besonders toll, weil man zum Schluss auch noch ein Geschenk bekommt. Das gibt es nirgendwo sonst. Es gilt die Regel, dass man ein kasachisches Haus nie mit schlechter Laune verlassen darf. Und dafür wird viel getan. Ansonsten sind die Kasachen ziemlich unpünktlich. Das ist wohl auch so eine Eigenheit.

Shassulan Medijev, 45, Wächter

Foto: Pauline TilmannIn Kasachstan gibt es viele Traditionen, zum Beispiel Uilenu toi (das Hochzeitsfestmahl) und Besik toi (die Geburt eines Kindes). Diese Feste werden auf eine besondere Art und Weise gefeiert. Die Tradition spielt nämlich für die Kasachen eine große Rolle. So muss jeder Kasache seinen Stammbaum kennen. Auch kasachische Frauen müssen sich an den Traditionen orientieren. Sie sind in der Regel höflich und wohl erzogen. Kasachen haben auch viele Kinder.

Madina Tleulina, 21, Studentin

Foto: Pauline TilmannTypisch kasachisch ist das Streben nach Luxus. Das heißt, dass die Kasachen zeigen was sie haben. Dazu zählen Handys, teure Autos, Markenklamotten und je mehr Menschen es sehen, umso besser. Das verleiht einem eine gewisse Autorität in der Gesellschaft. Und das sieht man auch in der Architektur. Es gibt viele glitzernde Gebäude, dazu zählen vor allem die Staatsgebäude. Man versucht damit Macht und Pracht zu demonstrieren. Manche glauben das sei oberflächlich, aber in Wirklichkeit ist das eine Symbolsprache, die die meisten Kasachen verstehen.
Text: Alua Tlekina und Karina Zargaryan

Fotos: Pauline Tillmann

Copyright: Zentralasiatische Medienwerkstatt 2012
August 2012

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