Bitte zu Tisch


Faszination Uni-Mensa: so is(s)t Berlin

Damit den Studenten das Studium leichter fällt und sie sich im fremden Land wie zu Hause bei den Eltern fühlen können – was bedeutet, dass sie immer satt sind – gibt es in der Regel in jeder Bildungsanstalt und in jedem Studentenstädtchen eine Mensa. Und häufig sogar mehrere Mensas. Auf dem Campus der Freien Universität Berlin gibt es mehrere Mensas. Die Gerichte in der Mensa unterscheiden sich kaum von den Gerichten im Restaurant. Gerichte der internationalen Küche zum Sparpreis – davon kann man nur träumen.

Ich begebe mich in die Uni-Mensa, in der ich jeden Tag mein Mittagessen fotografieren werde, um den Lesern von „Konverter“ von den Mahlzeiten zu erzählen, die ich hier gekostet habe. ©Anna Andriewskaja
Die Mensa besuchen täglich hunderte Menschen. Berlin und seine Küche sind multinational. Aber hier übersteigt das Menü die höchsten Erwartungen der Feinschmecker. In der Mensa finden sich Gerichte für jeden Geschmack – von veganen Gemüseschnitzeln bis zur berühmten Berliner Currywurst. Mal sehen, was wir hier auswählen können. Sehr praktisch — hier kann man mit der MensaCard zahlen. Das ist eine spezielle Karte für die Mensas.

Montag


©Anna Andriewskaja
Heute ist nicht Donnerstag, sondern Montag. Das heißt, es ist noch lange nicht Fischtag, aber ich entscheide mich, den Fisch zu kosten. Denn in der Regel nehme ich mir jeden Montag vor, eine gesunde Lebensweise zu führen. Ich bestelle gebratenes Schollenfilet Müllerinart mit Zitronenbuttersauce. Die Beilage ist jeden Tag gleich – es gibt Brokkoli, Kartoffelpüree, gebackene Kartoffeln, Spaghetti, Reis. Ich denke, Reis ist wohl die beste Fischbeilage. Der Fisch zergeht auf der Zunge, aber besonders lecker ist die Soße, die den Reis weicher macht und dem Fisch einen besonderen Geschmack verleiht. ©Anna Andriewskaja
Zusätzlich zum Fisch nehme ich Bulgursalat mit Minze. Ungewöhnlicher Geschmack. Wie ich schon erwähnt habe, ist Berlin eine internationale Stadt , deshalb ist das Menü in der Mensa auch vielfältig. Die Gäste aus vielen Ländern werden immer etwas finden können, was ihren nationalen Gerichten ähnlich ist. Zum Beispiel habe ich herausgefunden, dass das ein libanesisches Salat ist. Außer Minze sind im Salat auch Tomaten und Kräuter. Der Geschmack ist sehr angenehm, aber mit den Graupen ist genug für heute.

Dienstag


©Anna Andriewskaja
Ich begebe mich in die Mensa mit dem festen Entschluss, Suppe zu essen. Jeden Tag kann man zwischen vier Arten dieses Gerichts wählen. Das Sortiment ändert sich, aber ich bin nicht sehr oft in der Uni, deshalb werde ich nicht genug Zeit haben, um alles zu kosten. In der Regel ist eine von vier Suppen –Creme-Püree. Heute werde ich die Karottenpüreesuppe kosten. Sehr, sehr schmackhaft. Der Teller ist im Handumdrehen leer. In dieser Suppe ist viel Vitamin A, das bekanntlich für Jugend und Schönheit verantwortlich ist. ©Anna Andriewskaja
Aber gehen wir zum zweiten Gericht über. Also, ich nehme Parsi Huhn mit Aprikosen. Und wieder Asien – aus Libanon begeben wir uns nach Iran, denn dieses Gericht gehört zur iranischen Küche. Als Beilage nehme ich Kartoffelpüree mit Kräutern. Es zergeht auf der Zunge. Und diese ungewöhnliche Zusammensetzung aus süßen Aprikosen und feinem Hähnchen. Ja, heute war Mittagessen fabelhaft. Höchste Zeit, das Seminar zu besuchen...

Mittwoch


©Anna Andriewskaja
Es hat sich so ergeben, dass ich spät in die Mensa kam: der Bereich mit den Hauptgerichten war schon geschlossen. Deshalb musste ich Delikatessen aus einem Einzelblock wählen. Die Gerichte sind hier teurer, aber in der anderen Abteilung gab es nur noch Koteletts und Currywurst. Ich entscheide mich den Gerichten den Vorzug zu geben, die meiner Meinung nach köstlicher sein werden. Ich nehme den Käseteller. Oh, Käse kann ich ohne Ende essen. Zum Glück ist das Sortiment hier auf einige Stückchen begrenzt. Ich erinnere mich an die Studienjahre im akademischen Städtchen in Nowosibirsk... Damals wusste ich nicht, was Schimmelkäse ist. ©Anna Andriewskaja
Zusätzlich zum Käseteller nehme ich ein sehr schön angerichtetes Gericht unbekannter Küche. Es verspricht, sehr lecker zu sein. Und schon vom Namen des Gerichts läuft mir das Wasser im Mund zusammen – Rote Tortillataschen gefüllt mit Spinat und Räucherlachs. Übrigens stammt Spinat auch aus Persien. Kein Wunder, dass er so berühmt in Berlin ist, denn die Einheimischen sind Anhänger der gesunden Lebensweise. Bei denen, die Spinat regelmäßig essen, steigt der Hämoglobinspiegel, wird der Vorrat an Vitaminen und Mineralstoffen aufgefüllt, das Immunsystem gestärkt und Erkrankungen (akute Atemwegserkrankungen und Grippe) treten seltener auf. Mit gestärktem Immunsystem kann es jetzt weitergehen.

Donnerstag


©Anna Andriewskaja
Diese Woche bin ich öfter in der Mensa als im Hörsaal. Deshalb fahre ich heute in die Uni, um einen Tag in der Bibliothek zu verbringen und weiter die Gerichte in unserer Mensa zu kosten. Heute ist anstatt des Fischtags ein Mehlspeisetag. Zum Mittagessen gibt es einen scharfen Nudelsalat mit Schinkenknacker und Paprika. Ich mag keine scharfen Gerichte, aber entscheide mich wegen des Experiments, den Nudelsalat zu kosten. Ich denke, das war das erste und das letzte Mal. Denn ich mag keine Nudelsalate. Im Unterschied zu vielen Deutschen. ©Anna Andriewskaja
Deshalb nehme ich zusätzlich zu meinem Mittagessen Gnocchipfanne mit frischem Gemüse und Schinken. Es sieht – wie gewöhnlich – köstlich aus. Und hat auch einen interessanten Geschmack. Gnocchi sind traditionelle italienische Klößchen, die nicht nur in Italien, sondern auch in Berlin berühmt sind. Für mich persönlich ist in diesem Gericht zu viel Schinkenfleisch und zu wenig Gemüse. Aber ich verlasse die Mensa nicht mit leerem Magen.

Freitag


©Anna Andriewskaja
Und schließlich der 5. und letzte Tag. Und heute werde ich drei Gerichte zum Mittagessen nehmen. Als erstes Gericht wieder Suppe. Diesmal kann ich mich zwischen Fischsuppe, scharfer chinesischer Suppe oder Blumenkohlsuppe entscheiden. Ich erinnere mich an einen Satz, den ich einmal gelesen haben: „Der Blumenkohl entfaltet seinen Geschmack besonders gut in Püreesuppen“. Der Teller ist zu schnell leer und ich habe nicht genug Zeit, um zu bemerken, wie gut sich der Blumenkohlgeschmack entfaltet hat. Und ich gehe schnell zum zweiten Gericht über, das ich eher wegen dem Heimweh genommen habe. ©Anna Andriewskaja
Die Sache ist die, dass ich im Menü Wirsingkohlroulade mit Hackfleischfüllung mit Bratensauce entdeckt habe. Die wollte ich natürlich kosten – zusammen mit Kartoffelpüree (ich mag Kartoffelpüree sehr) und Soße. Die leckersten Kohlrouladen macht meine Mutter, deshalb wollte ich sie vergleichen. Aber ich war enttäuscht – es scheint, als ob die Kohlrouladen aus Sauerkraut gemacht sind und das Hackfleisch ist meiner Meinung nach zu hart. Und die Soße ist nicht besonders passend. Hier hätte Smetana hingehört. Ich schreibe meiner Mutter eine Message: „Mutti, deine Kohlrouladen sind die besten!“ ©Anna Andriewskaja
Aber ich freue mich, dass ich heute eine Nachspeise genommen habe. So werde ich den sauren Geschmack vom vorherigen Gericht los. Hier ist die Gebäckauswahl sehr groß. Aber ich nehme Fruchtsalat. Es ist wunderbar in der Mensa– hier gibt es zu jeder Jahreszeit frisches Obst. Sie möchten Wassermelone mit Zuckermelone? Bitte sehr! Mango und Weintrauben? Haben wir auch! Ich genieße das Obst und fahre nach Hause.
©Anna Andriewskaja

Anna Andriewskaja


Journalistin aus Nowosibirsk, hat die Nowosibirsker Staatsuniversität absolviert. Sie wohnt und studiert zurzeit Osteuropastudien an der Freien Universität in Berlin. Anna arbeitet an verschiedenen Projekten des Goethe-Instituts in Russland. Sie ist auch die Redakteurin der Website Recyclemag. Sie engagiert sich für das Thema Umwelt und organisiert ökologische Projekte.

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