Ent-Fernung


Der Staub des Meeres

  • © Olga Matweewa
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    Das Erste, was auffällt, wenn man Moynaq erreicht, ist der stechende Jodgeruch in der leeren, dürren Steppe. Du befindest dich in ständiger Erwartung des Meeres.
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    In der Sowjetzeit wurde Usbekistan zum Zentrum des Baumwollanbaus. Um die Produktion zu steigern, wurden Bewässerungssysteme gebaut, die aus den zwei Hauptflüssen Amudarja und Syrdarja Wasser schöpften. Dies war der Hauptgrund der Naturkatastrophe.
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    Das einzige Hotel in Moynaq. Die Empfangsdame ist eine ältere Frau, gebürtige Einheimische dieser Siedlung. In der Lobby hängen Bilder - auf ihnen ist das Meer zu sehen. Der Künstler malte sie vom Fenster aus.
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    Bevor sich die Uferlinie änderte, befand sich eine der größten Fabriken der UdSSR in Moynaq, die die gesamte Sowjetunion mit Fischkonserven versorgte. Heute kann man sich in der ehemaligen Fabrik frei bewegen.
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    Die meisten Gebäude sind zerstört, am Eingang ist noch ein Mosaik erhalten, was den Fischfang zeigt.
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    Nachdem alle Betriebe der Fischindustrie schließen mussten, verließen Tausende Menschen die Siedlung. Heute wohnen hier vorwiegend Karakalpaken. Wie auch vor 70 Jahren gehen hier die Kinder zur Schule, jetzt allerdings an verfallenen Gebäuden vorbei. In ganz Usbekistan tragen Kinder weiße Schuluniformen.
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    Wir fahren mit dem Auto, wo einst das Meer war. Rechts und links - endlose Weiten, gähnende Leere. Am Steuer sitzt Vladimir, ein ehemaliger Pilot, der schon sein ganzes Leben lang in Moynaq lebt. Vladimir erinnert sich an alles hier, als ob es gestern gewesen wäre. „Diese Stufen hier - das ist alles, was von dem Gebäudekomplex des Sanatoriums übrig geblieben ist. Und links waren die Gebäude des Sommerferienlagers für Kinder…“
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    Die Umgebung von Moynaq war durch ihre Salzseen berühmt, die angeblich eine heilende Wirkung auf die Gesundheit haben.
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    Unterwegs bleiben wir an einem solchen See stehen. Der See ist ganz weiß vor Salz, um ihn herum - Wüste.
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    Bis zur Meeresküste schaffen wir es mit einem Geländewagen in sechs Stunden. Als wir endlich da sind, gibt’s gebackenes Wildschein zu essen. Der ehemalige Meeresboden ist zum Lebensraum wilder Tiere geworden. Die Einheimischen gehen hier jagen. In der Steppe leben Wildschweine, Hasen, Füchse und Wölfe. In einem Zelt am Ufer zu übernachten ist nicht ungefährlich.
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    Wegen des hohen Salzgehalts gibt es fast keine Lebewesen mehr im Meer. Nur der Salinenkrebs, auch Salzkrebs genannt, kann hier überleben. Er wird in großem Umfang für die Kosmetikindustrie und Medizin genutzt. Die rote Linie am Strand sind die Eier des Salinenkrebses, die besonders für den Export gefragt sind.
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    Endlich am Ufer angekommen, hat man sofort große Lust die Schuhe auszuziehen und barfuß den Strand entlang zu spazieren. Der „zugeschneite“ Strand ist nichts anderes als eine große Menge Salz. Die Salzablagerungen sind so hart, dass sie die Füße stechen.

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