Ent-Fernung


Zwischen Europa und Asien

FOTOREPORTAGE VON KRIS KULAKOWSKA

  • Kris Kulakowska
    Ukraine, Kiew
    Ich mag Storytelling und arbeite schon seit drei Jahren in diesem Genre. Wörter und Fotografie - das sind meine Mittel, die mir helfen, Geschichten von Menschen zu erzählen. Fotografie - ist ein Teil meines Lebens. Wenn ich arbeite, mache ich keinen Unterschied zwischen normalen Arbeitstagen und dem Wochenende. Alles macht Spaß, jeder einzelne Tag. Ein Mensch besteht aus dem, was er macht.
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    Istanbul ist eine Grenzstadt, eine Stadt der Kontraste. Zwischen Asien und Europa, Christentum und Islam, Geschichte und Gegenwart, Leben auf und außerhalb der Straße. Das alte-neue Konstantinopel ist mit offiziell 14. Millionen Einwohnern und inoffiziell 22. Millionen in drei große Teile aufgeteilt. Zwei davon bilden den historischen Stadtkern und der Dritte das neue asiatische Viertel.
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    In Istanbul riecht es überall nach Fisch, Kebab, gerösteten Kastanien, Mais und Zitronen. Die Möwen — die dickgefütterten Hausherren der Stadt — stolzieren schreiend durch die Straßen.
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    In Istanbul kann man ein Glas Granatsaft für 4 Lire (ein Dollar: 3,7 Lire = 1 Dollar) kaufen, eine Pide — gefülltes türkisches Fladenbrot— für 5 oder Sardinen im Brot beim Fischmarkt probieren, und für gegrillten Fisch 12 bis 30 Lire zahlen und das Ganze sofort auf der Straße essen. In der Nähe, gleich um die Ecke findet man Konditoreien, Bars und Restaurants mit moderner Küche und moderner Ausstattung, hier ist es deutlich teurer.
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    Von der Galata-Brücke aus stehen dicht beieinander Angler und fischen. Fast daneben, in den etwas unterhalb liegenden Restaurants wird dieser Fisch in Anwesenheit des Gastes zubereitet, und man wird zum Schischa-Rauchen eingeladen.
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    Wir waren weder in Bars noch in teuren Restaurants. Jedes Mal suchten wir uns ein authentisches Lokal mit türkischer Küche und einzigartiger Atmosphäre. Meistens waren es kleine Kebabimbisse, mit Einheimischen, die dort zu Mittag aßen. Am dritten Tag hatten wir wieder Lust auf Sardinen im Brot und bummelten am Kai entlang, dann gingen wir über die Brücke und sahen zufällig den Fischmarkt und die nahe gelegene Gaststätte. Hier, abseits vom Rummel, bestellten wir, wie das alle hier machen, frischen Grillfisch. Zurück in Kiew viel mir auf, dass wir wenig authentische Lokale mit ukrainischer Küche haben, im Gegensatz zu Lwiw in der Westukraine. Dabei lernt man die Kultur eines Landes nicht zuletzt durch das Essen kennen.
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    Nach den Terroranschlägen in Istanbul an Silvester ist die Stadt leerer geworden, sagen die Einheimischen, es gibt viel weniger Touristen. Doch für diejenigen, die in dem gemütlichen, aber kleinen Kiew leben (meine Heimatstadt kam mir immer groß vor, aber jetzt bin ich anderer Meinung), scheint das leere Istanbul voll mit Menschen zu sein. Trotzdem gelang es uns, einige relativ menschenleere Ecken mit Antiquitätenläden zu entdecken. In einem kaufte ich ein sehr altes Kaffeekännchen für 5 Dollar. Jeden Morgen gieße ich den Kaffee auf und erinnere mich an meine Reise.
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    Dann noch etwas: Man kann auch gar nicht begeistert genug von der Arbeit der Istanbuler Schuhputzer sein. Dieser Beruf ist nahezu schon so alt wie die Welt selbst und hier in Istanbul gibt es ihn noch! In nur 10 Minuten gingen wir an Dutzenden von Werkstätten vorbei, wo Handwerker mit Holz und Metall arbeiten, und dann betrachteten wir uns in einem neu eingerichteten Coworking-Schaufenster. Das alles liegt direkt nebeneinander. Dies kann man ohne Ende erforschen und sich kopfüber in Gastronomie, Architektur und Geschichte stürzen.
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    Es ist bekannt, dass Istanbul eine Stadt der Katzen und Möwen ist. Hier werden sie von allen gefüttert. Selbst der Schuhputzer hatte an seinem Arbeitsplatz einen Futternapf, der neben ihm auf dem Asphalt steht. Da es hier so viele wilde Straßenkatzen gibt, die keine Angst haben und sehr gepflegt aussehen, hat man den Eindruck, dass die Stadtbewohner sehr nette und sorgsame Menschen sind. In mehreren Häusern sind die Fenster sogar so eingerichtet, dass Katzen nachts reingehen und schlafen können. Fällt Ihnen eine andere Stadt ein, wo es den Tieren so gut geht? Mir nicht.
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    Ich bin noch nicht viel durch Europa gereist, habe es aber geschafft, Rom, Venedig, Barcelona, Budapest, Prag und Dresden zu sehen. Nach all diesen Städten ist Istanbul für mich sicherlich eher eine asiatische Stadt. Mehrmals am Tag hört man hier den Gesang der Muezzine, denn es gibt fast in jedem Viertel eine Moschee, überall bereitet man Kebab zu, und die Türken sprechen einen an und laden ein, den hiesigen Döner zu probieren.
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    Wenngleich Istanbul ein Handelszentrum ist und man aus allen Nachbarländern hierher kommt, um billige Sachen am Grand Bazaar zu kaufen (sogar meine Großtante kommt ab und zu nach Istanbul, weil sie sich mit Textilwaren beschäftigt), kann man an dem anderen „europäischen“ Ufer die populäre Istiklal Straße besuchen, wo auf ganzer Länge auf beiden Straßenseiten Boutiquen bekannter europäischer Marken zu finden sind. Noch ein Kontrast.
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    Außer den berühmten Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia und die Cisterna Basilica, kann ich nur empfehlen, an der gegenüberliegenden Seite des Galataturms spazieren zu gehen, und eine Schifffahrt auf dem Bosporus zu machen. Und unbedingt auch das Istanbuler Museum für Moderne Kunst zu besuchen. Dort gibt es außer großartiger Kunst auch eine bezaubernde Bar, von dessen Balkon aus, man einen herrlichen Blick auf die Stadt hat.
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    Einmal ist zu wenig für Istanbul. In diese Stadt kommt man immer und immer wieder, für Inspiration und neue Geschichten! Ich zumindest werde mit Sicherheit wieder kommen.

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