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Berlin, Ich 🎥 Dich

Berlin ist eine Stadt, die viele fasziniert. Eine Stadt, die in der Vergangenheit schon oft zum Ort des Geschehens von großen, tragischen Ereignissen geworden ist. Eine Stadt, in der man auch heute noch Spuren davon findet. Gleichzeitig ist Berlin heute ein Ort zum Tanzen, Trinken und der Freiheit. Natürlich ist das auch für sehr viele ein Ort des kreativen Schaffens. So auch für viele Filmemacher, die Berlin zum Schauplatz ihrer Geschichten machen. Es gibt unzählige Filme die in und über Berlin gedreht worden sind. Sechs junge DrehbuchatorInnen der Berliner Filmschule DFFB haben sechs sehenswerte Filme für euch ausgewählt, die die deutsche Hauptstadt aus verschiedenen Perspektiven und zu verschiedenen Zeiten zeigen.

„Eins, Zwei, Drei“
(1961, Regie:Billy Wilder, Buch:Billy Wilder/I.A.L. Diamond)




Die Geschichte Berlins ist auch immer die einer geteilten Stadt. 1961 in Berlin und damit mitten im Herzen des kalten Krieges gedreht, zeigt Billy Wilder in Eins, Zwei, Drei wie kein anderer ein untrügliches Gespür für die Absurditäten des Ost-West-Konflikts. So temporeich wie selbstironisch lässt Wilder die Vorurteile zweier Weltbilder aufeinanderprallen. Hier konkurriert das Freiheitsversprechen von Coca-Cola mit dem Gerechtigkeitssinn kommunistischer Ideologie und stellt sich der Proletarier dem ungleichen Kampf mit dem Konzernchef. Wer am Ende gewinnt, zeigt der Film – aber auch die Geschichte.

„Berlin Alexanderplatz“
(1980, Buch/Regie: Rainer Werner Fassbinder)




Mit 'Berlin Alexanderplatz' gelang dem Filmemacher Rainer Werner Fassbinder 1980 ein einzigartiger Zugriff auf die Hauptstadt und seinem künstlerischeren Wahlmedium, dem Film.

Er bestand aus 13 Teilen und einem Epilog. In jedem Teil wurde ein Abschnitt vom gleichnamigen Roman von Alfred Döblin visuell umgesetzt, wobei Fassbinder dabei eng an der Romanvorlage blieb, gleichzeitig aber seine eigene Perspektive verarbeitete.

Die Kritik war hart, zu düster waren die Filme für das deutsche Filmpublikum der 80er Jahre. Inzwischen ist aber diese Romanverfilmung weder aus Berlin, noch aus der Deutschen Filmgeschichte wegzudenken. Dafür spricht auch die umfassende Restauration und Kuratierung von 2007.

„Lola rennt“
(1998, Buch/Regie: Tom Tykwer)




"Berlin 1998, eine Stadt im Umbruch. Durch die Straßen rennt Lola, eine junge Frau mit knallroten Haaren, sie muss viel Geld auftreiben, um ihren Freund Manni zu retten. Dreimal läuft sie los und jedes Mal ist der Ausgang ihrer Geschichte ein anderer. Auf verspielte und kunstfertige Weise erzählt „Lola rennt“ davon, wie der Zufall unser Leben bestimmt. Zugleich zeigt Lola uns aber auch, dass unsere Entscheidungen beeinflussen, welchen Weg wir einschlagen. In diesem Spannungsfeld, zwischen Zufall und Freiheit bewegt Lola sich, durch eine Stadt, deren Zukunft offen ist."

„Im Angesicht des Verbrechens“
(2010, Regie: Dominik Graf, Buch: Rolf Basedow)




Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“ ist Spaghetti-Western und Gesellschaftsroman, großes Kino und Binge-Watch Material zugleich. Die Teilung der Stadt verläuft hier zwischen diesseits und jenseits des Gesetzes. Bullen gegen Gangster, stereotype Mafiosi, denen ein Happy End vergönnt wird und Russlanddeutsche, die gegen oktroyierte Blaupausen ankämpfen. Drehbuchautor Rolf Basedow beschreibt in 10 Stunden Spielzeit ein Universum, das wir nicht kennen wollen, von dem wir aber bald nicht mehr lassen können. Wenn deutsche Gegenwart in Serie, dann so.

„Oh Boy“
(2012, Buch/Regie: Jan-Ole Gerster)




In Oh Boy (2012) wandert der Zuschauer, zusammen mit dem Protagonisten Niko Fischer, durch ein zeitloses Berlin. Begleitet von charmanten Jazz-Melodien und schwarzweiß Bildern, die an Woody Allen erinnern, folgen wir Fischer, einem zurückhaltenden und ziellosen Berliner, dem auf seinem Weg verschiedene Charaktere begegnen. Charaktere die, genauso wie der Protagonist des Films, mittendrin zwischen einer nicht zu umgehenden Vergangenheit und einer verschwommener Zukunft stecken. Gewöhnliche Menschen in einer so extravaganten Stadt, dass es fast unmöglich erscheint, eine ganz normale Tasse Kaffee zu trinken.

„Une jeunesse allemande – eine deutsche Jugend“
(2015, Regie/Buch: Jean-Gabriel Périot, Pierre Hodgson, Anne Steiner, Nicole Brenez, Anne Paschetta)




"Une jeunesse allemande - Eine deutsche Jugend" (2015) ist ein Dokumentarfilm des französichen Regisseurs Jean-Gabriel Périot, ein Blick von Außen auf den Konflikt zwischen Staat und der Westdeutschen Jugend der 60-70-ger Jahre. Der Regisseur benutzt ausschließlich Dokumentarmaterial, was er in zehn Jahren Archivarbeit zusammengestellt hat. Die Bilder geben die Atmosphäre dieser Zeit in Westdeutschland und Berlin wieder, zeigen die Stimmung in der Gesellschaft, die allmähliche Radikalisierung der RAF, und auch der Politik und Medien. Unter anderem sehen wir seitdem nicht mehr gezeigte Ausschnitte aus Dokumentarfilmen der führenden RAF-Mitglieder Ulrike Meinhoff und Holger Meins. Letzterer war Regiestudent der DFFB und nahm auch aktiv an der Besetzung der Westberliner Filmschule teil, was ebenfalls im Film gezeigt wird. Ein spannender, berührender und lehrreicher Film.

Schreibkollektiv „Kollektiven“:


Anastasia Gorokhova
Beliban zu Stolberg
Jacob Hauptmann
Michael Andres
Samuel Chalela
Sebastian Ladwig

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