Ich nehm zwei


Durch die Finger

Saubere Erdflächen


Es ist traditionell verbreitet, dass viele Usbeken den Tag mit dem typischen Sprengen des Hofs beginnen, was als ein Zeichen für Sauberkeit wahrgenommen wird. Hierfür wird besonders in Großstädten das Trinkwasser aus dem Wasserhahn benutzt, weil es keine Kanäle oder Teiche gibt, die zum Beispiel auf dem Land zu finden sind. Obwohl es vereinzelt als unnötiger Wasserverbrauch wahrgenommen wird, ist die Straßenbewässerung bei Usbeken gesellschaftlich verankert. Straßen und Wege sind aufgrund der klimatischen Bedingungen schnell mit Staub und Sand bedeckt, gleichzeitig sorgt es für Kühlung. Diese Handlungsweise wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Wasser für alle Generationen

© Bobomurod Mukhiddinov und Faridjon Usmonov Jeder weiß, welche Mengen Wasser täglich im Haushalt verbraucht werden. Kochen, Putzen, Waschen oder Geschirr spülen sind Wasserfresser. Hierbei wird viel Wasser irrational genutzt, das nicht nur uns, sondern auch den nachfolgenden Generationen gehört. Hierzu schlagen usbekische Experten Wasserquoten für Haushalte vor, damit Familien lernen Wasser sparsam und nachhaltig einzusetzen. Eine erprobte Lösung wäre z.B. auch ein breitflächiger Einsatz von Wasserzählern, so, dass Wasser nach Verbrauch und nicht pauschal abgerechnet wird.

Der tropfende Wasserhahn

© Bobomurod Mukhiddinov und Faridjon Usmonov Jeder kennt es: der nervige, ewig tropfende Wasserhahn. Mit jedem Tropfen ist jedoch das für die gesamte Menschheit lebenswichtige Element verschwendet. In Usbekistan ist es nicht selten der veralteten (oft noch sowjetischen) Infrastruktur, wie kaputten Wasserhähnen geschuldet. Doch auch Nachlässigkeit im Umgang mit der Ressource ist weit verbreitet: Wasser voll aufdrehen und ewig laufen lassen ist ganz normal. Doch jeder sollte sich verantwortlich fühlen für das kostbare Gut. Auch hier könnte die Einführung von Wasserzählern Wunder wirken.

Luxusdusche auf der Straße

© Bobomurod Mukhiddinov und Faridjon Usmonov Das sogenannte Microclima ist ein neues Phänomen in unserem Land. Es ist eine Art automatische Sprühdusche, die für Abkühlung an heißen usbekischen Sommertagen dienen soll. Neben Restaurants oder Cafés beginnen die Leute bereits, die Anlagen in ihren Häusern und Wohnungen einzubauen. Die Abkühlung ist tatsächlich nicht selten sehr angenehm. Was zunächst als totaler Luxus erscheint, hat aber auch teilweise Bewandtnis, denn jährlich sterben viele Menschen an Folgen der Hitze. In einer spontanen Umfrage, antwortet die Mehrheit, dass sie sich ein Leben ohne Microclima nicht mehr vorstellen können. Doch eine Frage bleibt: wie konnte man all die Jahrhunderte zuvor ohne diese Apparatur überleben...

Fontänen für alle

© Bobomurod Mukhiddinov und Faridjon Usmonov Für Usbeken ist der Springbrunnen ein Symbol des Friedens und Wohlstands. Man begegnet heutzutage in allen Ecken der Hauptstadt Springbrunnen - sie verleihen Taschkent eine zusätzliche Farbe. Aber bei andauernden 40 Grad verdunstet auch in einem Springbrunnen eine Menge Wasser oder wird von starken Windböen einfach auf die Straße weggeweht. Außerdem verdirbt das Wasser nicht selten und muss häufig ausgewechselt werden. Ist die urbane Dekoration Tausende Liter Grundwasser wert?

Der Preis der Oase

© Bobomurod Mukhiddinov und Faridjon Usmonov Ohne Bewässerungsanlagen wäre das Grün des Landes aufgrund der Äquatornähe in Gefahr. Eine Sprinkleranlage, die ungefähr einen Liter pro Minute verspritzt, verteilt in einer Stunde 60 Liter Wasser. Andererseits würde es bei der usbekischen Hitze ohne Wasser wenig Pflanzen, also folglich keinen Schatten und schlechtere Luft geben. Vor diese Wahl gestellt, bekommt man manchmal Angst um die Zukunft des Wassers in Usbekistan.

Blitzeblank

© Bobomurod Mukhiddinov und Faridjon Usmonov Mit dem Wachstum der Automobillandschaft in Usbekistan werden Autokärcher immer populärer. Denn auch das Auto soll - wie das Haus - sauber sein. Aber keiner denkt darüber nach, wie viele Liter ein Autokärcher verbraucht. Solche Kärcher funktionieren mit Hochdruck und schießen mit extra vielen Litern den Dreck vom Lack. Leider wird hierbei kein Regenwasser genutzt. Anlagen, die das Wasser während der Regenzeit sammeln, sind allgemein wenig verbreitet im Land und würden nicht nur beim Autowaschen Grundwasservorräte schonen.

Abkühlen

© Bobomurod Mukhiddinov und Faridjon Usmonov Obwohl man immer wieder via Massenmedien und während der Uniseminare an den Wassermangel erinnert und aufgefordert wird es „rational und zielbewusst“ zu verbrauchen, gibt es einen verrückten Studentenbrauch, der jährlich Wasserverschwendung „at it’s best“ vorführt. Einige fleißige junge Menschen spielen nach Prüfungserfolgen oder bei Hitzefrei mit Wasserflaschen, um einander nasszumachen. In Anbetracht der Wassersituation im Land ist es ein besonders irrationales Verhältnis zur Ressource und trägt eine zynische Symbolik. Es ist höchste Zeit, die gegenwärtigen weltweiten Trinkwasservorräte zu schützen.

Bobomurod Mukhiddinov und Faridjon Usmonov
© Faridjon Usmonov
© Bobomurod Mukhiddinov
Diese Arbeit ist das Resultat junger Autoren, die sich während des Programms „Schreibwerkstatt“ vom 25. bis zum 27. Mai 2017 zusammenfanden. Die Schreibwerkstatt ist ein Projekt des Goethe-Instituts in Taschkent. Den Workshop leiteten Julia Bockler (IFA) und Leon Krenz (ze.tt), zwei professionelle Redakteure aus Berlin. Auf unsere Bitte hin erarbeiteten sie zusammen mit den Teilnehmern Texte und Fotoreportagen über verschiedene Aspekte des Konsumverhaltens der Gesellschaft von Usbekistan.

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