Ich nehm zwei


Nebenjob

Inzwischen gewinnen Nebenjobs auch bei Schülern und Studenten in Usbekistan an Bedeutung. Um unabhängig von ihren Eltern zu sein, sowie ihre Bedürfnisse und ihren Konsum selbst decken zu können, entscheiden sich immer mehr junge Menschen für einen Teilzeitjob. Fünf ungewöhnliche Arbeitsstellen von Jugendlichen in Taschkent und Samarkand, die ihre alltäglichen und speziellen Kaufwünsche selber finanzieren möchten:

Irina, Tänzerin und Sängerin


Obwohl Irina (18) am Finanzkolleg in Taschkent studiert, interessiert sie sich seit ihrer Kindheit für Tanzen und Singen. Ihr Hobby hat sie parallel zum Studium am Kolleg zum Nebenjob gemacht und tanzt und singt bei der Theatershow-Gruppe "Reginight". Vorher hat sie als Kellnerin in einem Restaurant und als Verkäuferin gearbeitet.

  • © Akmal Xolmuminov und Alyona Gula
  • © Akmal Xolmuminov und Alyona Gula
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Sie finanziert sich vollkommen selbst und gibt ihr Geld vorrangig für Kostüme und Kleider aus, kann aber auch etwas Geld sparen. Nach dem vorbereitenden Kolleg will sie an einer Universität einen schöpferischen Studiengang studieren und möchte Künstlerin werden.

Schamil, Sport-Trainer


Von Kindheit an treibt Schamil (24) Sport – Uzbek Jang Sanaty, eine Kombination aus alten usbekischen Sportarten. Seit 2012 ist er als Meister des schwarzen Gürtels im vierten Dan selbst Trainer. Eigentlich studiert er momentan Kommunikationstechnologien in Samarkand, doch nach den Vorlesungen trainiert er seine Schüler in der Kampfkunst.

  • © Akmal Xolmuminov und Alyona Gula
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Mit dem verdienten Geld bestreitet er seinen Lebensunterhalt, kauft Sportausrüstung und bewirbt seine Sportangebote. Er will in Zukunft im Bereich der Kommunikationstechnologie arbeiten und dabei seine Karriere als Trainer fortsetzen.

Galina, Sticker-Businessfrau


Galina (18) und ihre Freundin Isabella saßen einmal im Schulunterricht, als sie beschlossen ihre Idee von einem Sticker-Internetgeschäft endlich umzusetzen. Das sei eher ein gemeinsames Hobby, als ein typischer Nebenjob, sagt Galina. Die Sticker machen sie selbst: sie wählen einige Bilder und Motive aus dem Internet, die gerade bei Jugendlichen im Trend sind, und lassen diese professionell drucken.

  • © Akmal Xolmuminov und Alyona Gula
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Sie vertreiben ihre Ware ausschließlich über das soziale Netzwerk Instagram, dafür aber in ganz Usbekistan. Am Ende kleben die Motive auf Handys, Notebooks oder Schulheften von anderen Jugendlichen. So verzichtet Galina auf Zusatztaschengeld ihrer Familie für ihre speziellen Konsumwünsche.

Ewgenij – Barmann


Ewgenij (24) studiert BWL in Samarkand, liebt Partys und arbeitet als Barmann in einem Club. Mit seiner Tätigkeit hat er vor zwei Jahren angefangen, obwohl er eigentlich genug Geld von seinen Eltern bekommt. Er möchte Geld für sein eigenes Business sparen. Sein Wunsch ist es, eine Karaoke-Bar zu eröffnen.

  • © Akmal Xolmuminov und Alyona Gula
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Bereits jetzt arbeitet er in einem Club an der Bar – dem Ort des Konsums schlechthin – und verdient ausreichend, um sich selbst zu finanzieren. Karaoke-Bars seien derzeit angesagt unter den Jugendlichen in Usbekistan, sagt Ewgnij und hofft darauf, bald einen gewinnbringenden Laden eröffnen zu können.

Rachel – Übersetzerin


Ein Nebenjob ist eine nützliche Erfahrung und für Rachel (18), die als Deutsch-Russisch-Übersetzerin in Taschkent jobbt, ist das auch Sprachpraxis. Im Lyzeum studiert sie mit den Schwerpunkten Mathematik und Deutsch.

  • © Akmal Xolmuminov und Alyona Gula
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Dass Rachel fließend Deutsch spricht, wusste ihre Bekannte, als sie dringend nach einer Übersetzerin für eine Kosmetikfirma aus Deutschland suchte. Seitdem bekommt sie weitere Angebote. „Damit kann ich mir selbst Kleidung oder Kinotickets leisten, aber in der Zukunft möchte ich trotzdem Wirtschaftswissenschaften in Deutschland studieren.
© Alyona Gula
© Akmal Xolmuminov
Diese Arbeit ist das Resultat junger Autoren, die sich während des Programms „Schreibwerkstatt“ vom 25. bis zum 27. Mai 2017 zusammenfanden. Die Schreibwerkstatt ist ein Projekt des Goethe-Instituts in Taschkent. Den Workshop leiteten Julia Bockler (IFA) und Leon Krenz (ze.tt), zwei professionelle Redakteure aus Berlin. Auf unsere Bitte hin erarbeiteten sie zusammen mit den Teilnehmern Texte und Fotoreportagen über verschiedene Aspekte des Konsumverhaltens der Gesellschaft von Usbekistan.

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