#MeToo-Special


Frauen im Beruf

Zeitgenössische Kunst ist die Avantgarde geisteswissenschaftlichen Wissens, denn Kunst visualisiert aktuelle soziale und philosophische Theorien.

Vor fast zehn Jahren veröffentlichte das russische “Kunstmagazin” einen Text von Maria Tschahonadskih, bei dem sich alles um den Begriff Prekariat drehte. Dies eröffnete eine Diskussion zum Thema Arbeitsbedingungen im Kreativbereich. Es folgte der “1.Mai Kongress der Kunstarbeiter”, eine Spezialausgabe des Wissenschaftsmagazins “Logos” über neue Berufe und Bücher über Posftfordimsus vom Verlag Ad Marginem.

Trotzdem haben Themen wie Genderdiskriminierung und Agismus immer noch nicht genug Diskussionsfläche. Einerseits arbeiten schon seit Sowjetzeiten hauptsächlich Frauen im Kulturbereich: Sie nehmen die unterschiedlichsten Positionen ein und Genderprobleme scheint es nicht zu geben. Tendenziell studieren außerdem mehr Frauen als Männer in Kunstschulen. Der Bereich der zeitgenössischen Kunst scheint von Stereotypen und alten Konzepten befreit zu sein. Einige Probleme bleiben allerdings im Graubereich: Es gibt weniger ausstellende Künstlerinnen und Expertinnen bei Diskussionen, außerdem werden sie schlechter bezahlt als männliche Kollegen. Dazu kommt, dass junge Mitarbeiterinnen in Kunst-und Kultureinrichtungen belächelt werden.

Konverter hat sich vom Forschungsprojekt «Frauenberufe im Bereich zeitgenössischer Kunst in Moskau: Manager vs. Mädchen» von Eugenia Abramova inspirieren lassen und junge Frauen aus der Branche über ihre Erfahrung befragt. Ganz wie beim Forschungsprojekt geht es hier um Berufsvertreterinnen aus dem Organisationsbereich: Koordinatorinnen, Managerinnen, PR-Expertinnen und Assistentinnen aus Kultureinrichtungen. Frauen, die in privaten Gesprächen oft als “Mädchen” betitelt werden, in ihren Berufen dabei schon viel erreicht haben.

Wir wollten wissen, was doch wichtiger ist: Geschlecht oder Professionalismus. Fünf Frauen aus verschiedenen Städten Russlands haben ihre Meinung dazu aufgeschrieben. Frauen, durch deren Initiative und harte Arbeit neue Kultureinrichtungen entstehen, auch, wenn das Budget oder Infrastruktur fehlt.

Konverter wollte wissen: Haben sie Genderdiskriminierung erlebt? Identifizieren sie sich selbst als Feministinnen?

Wir verstehen, warum Themen wie “Feminismus” oder “Genderdiskriminierung” manchmal als unwichtig erscheinen. Es gibt größere Probleme: Klimawandel, Zukunft unseres Planeten, Migrationsströme etc. Und außerdem - äußert man sich in der Öffentlichkeit zu schroff, kann das negative Folgen für die eigene Karriere haben. Oder: Das Thema interessiert einen eben nicht. In den hier gesammelten Geschichten kamen wir mit Selbstzensur in Berührung: Einige brisante Einzelheiten wurden auf Wunsch der Autorinnen vor Veröffentlichung wieder entfernt. In den folgenden Texten ist zwar keine harte Kritik beinhaltet, aber dadurch sind sie nicht weniger lesenswert.
© Ksenia Sazanovich

Angelina Burliuk


Спцеиально для Конвертера

    Werde Teil der Konverter Community

    SPECIAL

    FRAUEN IM BERUF

    Fünf Kuratorinnen aus Russland erzählen über ihren Beruf
    ONLINE INFORMATIONEN

    Medien

    Digitale Informationen und wie wir damit umgehen
    ZEITGEIST

    Zeit

    Gedanken über eine unserer ambivalentesten Ressourcen

    Verwandlung

    Beobachtungen über den Lauf der Zeit und seine Folgen
    KONSUM

    Haben und Sein

    Über Konsum, Gesellschaft und Geld

    Geld

    Über das Universalrezept zum Glücklichsein
    GRENZE

    GRENZZONE

    Schwankendes Gleichgewicht grenzwertiger Zustände

    ENT-FERNUNG

    Fotostrecken und Bildergalerien über Grenzen,greifbaren und mentalen
    INSPIRATION

    SEROTONIN

    Über die Inspiration und den Schlaf der Vernunft 

    SCHAU

    Über das Kino: was sehen und wie sehen
    SPECIALS

    BERLINALE-SPECIAL

    Konverter hat sich vom Filmfieber der Berlinale anstecken lassen und für Euch eine einzigartige Übersicht des Festivals vorbereitet

    TRÄUME AUS ST. PETERSBURG

    Das Fotoprojekt „Träume aus St. Petersburg vermittelt einen Eindruck von den Gefühlen und den Lebensrealitäten junger Petersburger