Zukunftslabor 2016


Projekt „Probier dich aus!“

Die Kulturmanagerin Franziska Reymann realisierte gemeinsam mit dem Kinder-Musiktheater „Saserkalje“ das Projekt „Probier dich aus!“, bei dem Studierende der Theaterregie, Pädagogik oder Sozialarbeit mit einer kleinen Gruppe von Kindern bzw. Jugendlichen ihre eigene Inszenierung umsetzen konnten. Dabei ging es jedoch keineswegs um die Umsetzung eines klassischen Stücks anhand bereits vorhandenen Materials. Das Projekt umfasste vielmehr eine Zusammenarbeit in allen Entwicklungsphasen – von der gemeinsamen Ausarbeitung des Themas bis hin zur Umsetzung des Stücks und dessen Vorstellung im Rahmen einer Mini-Aufführung vor Publikum. Danach wurden die einzelnen Aufführungen miteinander verbunden und als eine Gesamtperformance auf der Bühne des „Saserkalje“ gezeigt. Während des gesamten Projekts arbeitete ein Team erfahrener Regisseure und Theaterpädagogen mit den Studierenden und ihren Projektgruppen.

Mehr über Verlauf des Projekts...

Foto: Asja Kopitschnikowa

Gastgebende Kultureinrichtung

Das Sankt Petersburger Staatliche Kinder-Musiktheater "Saserkalje" ("Hinter dem Spiegel") wurde 1987 gegründet. Im Repertoire des Theaters sind sowohl Stücke für Kinder als auch für Erwachsene enthalten. Mehr...

Foto: Asja Kopitschnikowa

Franziska Reymann teilt ihre Eindrücke hinsichtlich der ersten Projektphase:

Tatsächlich erscheint es mir inzwischen so, als hätte ich in den drei Monaten von allen meinen Kollegen des „Laboratoriums für Zukunft“ die beste Beziehung mit meiner Gastgeber-Institution etabliert. Mehr...

Franziska Reymann

Als studierte Slawistin widmet sich Franziska Reymann vor allem dem kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Osteuropa, vorrangig im Rahmen von kreativen Jugendprojekten oder Projekten zur Pflege jüdischer Friedhöfe.

Neben ihrer Projekttätigkeit ist sie seit Jahren in der Stiftung EVZ im Bereich der Verwendungsnachweisprüfung tätig gewesen. Zudem arbeitet sie seit dem Studium als freiberufliche Übersetzerin oder führt seit neustem als Referentin englischsprachige Besucher durch das ehemalige Stasigefängnis in Berlin-Hohenschönhausen.

Neben ihren beruflichen Interessen kümmert sich die gebürtige Berlinerin um ihre zwei Katzen, spielt Gitarre, lernt Sprachen, schreibt Poetry Slams oder reist mit dem Rucksack um die Welt.

Das Sankt Petersburger Staatliche Kinder-Musiktheater "Saserkalje" ("Hinter dem Spiegel") wurde 1987 durch den Regisseur Alexandr Petrow und den Dirigenten Pawel Bubelnikow gegründet (noch heute haben beide Leitungsfunktionen bei "Saserkalje" inne). Im Repertoire des Theaters sind sowohl Stücke für Kinder als auch für Erwachsene enthalten.

"Saserkalje" nimmt in der Theaterkultur Sankt Petersburgs einen ganz besonderen Platz ein. Erstklassige Musik und hohe Literatur gehen hier miteinander Hand in Hand und eröffnen dadurch dem Zuschauer den Reichtum und die Unbegrenztheit seiner Seele. Heute kommen Besucher mit ihren Kindern dorthin, die früher einmal selbst in einem zarten Alter ihre ersten Aufführungen bei "Saserkalje" erlebten. "Saserkalje" kann sich selbstbewusst als eines der Zentren der Sankt Petersburger Musik- und Theaterkultur bezeichnen, die den geistigen Charakter der Bürger mit geformt haben.

Bei "Saserkalje" wird ein Repertoire kultiviert, das meistens ziemlich originell ist. Viele Bühnenautoren gehen mit ihren Stücke gerade hierhin, denn es gehört zu den ältesten Traditionen dieses Theaters, seinen Zuschauern neue Arbeiten moderner Komponisten zu präsentieren. "Saserkalje" lässt sich mit gutem Gewissen als Autorentheater bezeichnen, und das unabhängig davon, ob es um Opernklassiker oder ein modernes Repertoire geht. Hier gelten bei der Zusammenstellung des Spielplans noch das Prinzip des Autors, einzigartige Methoden, Stücke "abzufassen", und auch die Autoren-Methodik einer Ausbildung und Erziehung "synthetischer" Schauspieler. Alexandr Petrow, Professor der Theater-Akademie, stellt die Theatertruppe zu einem großen Teil aus den Absolventen seines eigenen Kurses zusammen.

Seit 1992 gibt es am Theater auch ein Musik-Theater-Studio für Kinder. Neben einem großen Angebot an Unterrichtstunden in Schauspielkunst, Tanz, Redepraxis und Chorsingen sind die Kinder auch in einige Stücke des Theaters direkt mit eingebunden. Das Studio hat außerdem ein eigenes Theater-Repertoire, mit dem die jungen Künstler in Abonnement-Stücken vertreten sind: auf der Bühne des kleinen Philharmonie-Saals, auf unterschiedlichen Festivals und im Rahmen von Gastspielen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Ihrer Gastgeber-Organisation bisher gestaltet?
Sehr gut. Tatsächlich erscheint es mir inzwischen so, als hätte ich in den drei Monaten von allen meinen Kollegen des „Laboratoriums für Zukunft“ die beste Beziehung mit meiner Gastgeber-Institution etabliert. Ich arbeite mit dem Theater "Zazerkalje" zusammen, welches über viel Erfahrung mit Projekten im sozialen Bereich verfügt. Von daher waren wir von Anfang an auf einer Wellenlänge. Wobei es trotzdem zunächst schwierig war zu erklären, worum es in einem partizipativen Projekt genau geht und was daran so besonders ist. Grundsätzlich herrscht im Theater ein sehr angenehmes Arbeitsklima und alle waren von Anfang an sehr freundlich und aufgeschlossen mir gegenüber. Ich habe mich direkt heimisch gefühlt.

Welche Eindrücke haben Sie von Ihrem Aufenthalt in St. Petersburg?
Ich war vorher bereits mehrere Male in Russland, aber noch nie in St. Petersburg. Und tatsächlich gefällt mir die Stadt von allen bisher am meisten. Vieles erinnert mich sehr an meine Heimatstadt Berlin und es gibt hier nichts, was ich von zu Hause vermissen würde. Die Atmosphäre ist toll und die Menschen hier sind sehr offen. Mit vielen kann man sich über alternative Themen austauschen. Leider hatte ich neben der Arbeit hier und anderen Aufgaben kaum Zeit mir mehr Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Das werde ich im September nachholen.

An wen ist ihr Projekt adressiert? Wer soll daran teilnehmen?
An meinem Projekt nehmen mehrere Zielgruppen Teil. Zum einen sind da die Pädagogen, die die Workshops anleiten und zeigen, wie die Arbeit des Theaterpädagogen und in einem sozialen Theaterprojekt aussieht. Jeder der Pädagogen präsentiert ein bestimmtes Thema, wodurch verschiedene Methoden dargestellt werden. Die Workshops wiederum sind für Studenten gedacht, die insofern ebenfalls Adressaten des Projektes sind. Schlussendlich arbeiten diese Studenten mit Schülern zusammen an einem eigenen Stück und können das Erlernte so direkt anwenden. Das Ergebnis wird ein Theaterstück sein, welches am Zazerkalje aufgeführt wird. Dazu sind alle eingeladen!