Zukunftslabor 2016

State Academic Mariinsky. Foto: Danila Shklyar
State Academic Mariinsky. Foto: Danila Shklyar

Projekt „Wir sind das Orchester“

Die Geschäftsführerin des DAVOS FESTIVALS, Anne-Kathrin Topp, bereitete gemeinsam mit dem Mariinski-Theater das Projekt „Wir sind das Orchester“ vor. Es ist auf Schüler der unteren Klassen ausgerichtet und hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder mit der Zusammenstellung und den Arbeitsprinzipien eines Orchesters bekannt zu machen – einem der Hauptelemente des Musiktheaters also, dem dennoch im Vergleich zu den Schauspielern, Künstlern und Regisseuren weit weniger Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Die Schüler lernen Schritt für Schritt die verschiedenen Instrumentengruppen kennen und probieren sich während des interaktiven Spiels in der Rolle von „Orchestranten“ aus. Unterstützt werden die jungen Teilnehmer dabei von Mitarbeitern des Mariinski-Theaters, also richtigen Berufsmusikern, und ihrem Dirigenten.

Dafür müssen die jungen Teilnehmer kein Instrument spielen können. Musiziert wird mit Geräuschen und Klängen, die wir selbst produzieren und die uns umgeben. Ziel ist es, dass das junge Publikum in der persönlich erlebbaren Auseinandersetzung einen Einblick in die Arbeit eines Orchesters erhält, aktiv mitwirken kann und seine Lust für klassische Musik geweckt wird. Das Programm "Wir sind das Orchester" ist ein mobiles Angebot, mit dem das Mariinski Theater auch an Schulen gehen kann, um seinem Publikum von morgen da zu begegnen, wo es heute ist: in der Schule.

Foto: Asja Kopitschnikowa

Gastgebende Kultureinrichtung

Mariinski-Theater ist eines der bekanntesten Opern- und Balletthäuser in Russland und der Welt. In den mehr als zwei Jahrhunderten seiner Geschichte ist es zu einem Symbol der russischen Kultur geworden. Mehr…

Foto: Asja Kopitschnikowa

Anne-Kathrin Topp teilt ihre Eindrücke hinsichtlich der ersten Projektphase

Ich arbeite mit Kolleginnen vom Mariinski Theater zusammen. Wir hatten viele gemeinsame Überlegungen und Diskussionen zum Thema Kulturelle Bildung. Mehr…


Anne-Kathrin Topp

Anne-Kathrin Topp studierte Russische und Osteuropäische Kultur und Literatur und Management von Kultur- und Non-Profit-Organisationen in Bremen, London und Kaiserslautern. Nach Ihrem Studium war sie von 2011 bis 2013 als Robert Bosch Kulturmanagerin in Wolgograd tätig, wo sie vornehmlich deutsch-russische Kulturprojekte in den Bereichen Musik, Film und interkulturelle Bildung leitete.

Im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland 2013 realisierte sie in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Moskau diverse internationale Projekte. Als Elternzeitvertretung arbeitete sie in der Spielzeit 2014/2015 als Leiterin des Musikbüros und persönliche Referentin des Generalmusikdirektors des Osnabrücker Symphonieorchesters am Theater Osnabrück. Anlässlich des 70. Jahrestages seit Ende des Zweiten Weltkrieges begab sich das Osnabrücker Symphonieorchester unter der Leitung von GMD Andreas Hotz im Mai 2015 auf Konzertreise nach Moskau, Wolgograd, Kiew und Minsk. Die Konzertreise wurde von Anne-Kathrin Topp organisiert und vom Auswärtigen Amt gefördert. Seit Juni 2015 ist Anne-Kathrin Topp Geschäftsführerin des DAVOS FESTIVAL.

Mariinski-Theater ist eines der bekanntesten Opern- und Balletthäuser in Russland und der Welt. In den mehr als zwei Jahrhunderten seiner Geschichte ist es zu einem Symbol der russischen Kultur geworden.

Heute bildet das Mariinski-Theater einen Komplex, der sieben Bühnen umfasst: das Mariinski-Theater, Mariinski-2 sowie seine vier Kammersäle und die akustisch vollkommene Konzerthalle. Unter der Leitung von Waleri Gergijew strebt das Theater der Zukunft entgegen, indem es auf der einen Seite die Tradition und das große Erbe des Theaters hütet, gleichzeitig aber innovative Stücke inszeniert. Es arbeitet mit den weltbesten Regisseuren zusammen, lädt die führenden Musiker und Künstler aus Oper und Ballett ein und weitet das Feld seiner kulturellen Bildungsarbeit beständig aus.

Mit der Eröffnung von Mariinski 2 im Jahre 2013 hat das Theater sein Kinderprogramm deutlich ausgeweitet und fährt seitdem fort, diesen Bereich aktiv weiterzuentwickeln. Alle Projekte sind nach Altersgruppen unterteilt. Die allerjüngsten Besucher können bei den Konzerten "Piccolo im Mariinski" und "Musik der Sandmärchen" Bekanntschaft mit klassischer Musik machen. Die etwas älteren Theaterfreunde können mit dem Programm "Die Seele Peterburgs – Das Mariinski-Theater" eine spannende Begegnung mit dem Musiktheater erleben und eine "Lehrstunde in praktischer Theaterkunde" besuchen. Schüler der Oberstufe können einen Blick hinter die Kulissen des Theaters werfen und sich selbst in der Rolle eines Artdirectors versuchen, indem sie ein eigenes Modell für ein Theaterstück in dem Großprojekt "Theaterlektion am Mariinski" erstellen. Besondere Wertschätzung beim Publikum genießen die Abonnements "Akademie des jungen Theaterfreundes", "Mit der ganzen Familie ins Mariinski-Theater" und das "Studenten-Abonnement".

Der künstlerische Leiter des Mariinski-Theaters, Waleri Gergijew, definiert das Ziel, auf das die Kultur- und Bildungsprojekte des Theaters ausgerichtet sind, wie folgt: "Das Wichtigste, wofür es sich zu kämpfen lohnt, ist, dass die Musik in alle Schulen Einzug findet. Die Aufgabe unseres gewaltigen Kollektivs am Mariinski-Theater besteht darin, sowohl die Armee der Musik- und Theaterfreunde im Allgemeinen als auch die der Kenner der bewundernswerten Musik- und Theatertradition Russlands auf ruhige und methodische Weise zu vergrößern".

Motivation zur Teilnahme und Erwartungen an das Projekt:
Nach dem Kennenlernen der kulturellen Bildungsprogramme, die in Deutschland umgesetzt werden, entstand der Wunsch, diese deutschen Ansätze für den Aufbau eines Austauschs zwischen einer kulturellen Institution (Theater) und einem schulischen oder jugendlichen Kollektiv zu nutzen. Vom deutschen Art-Manager wird die Entwicklung und Umsetzung eines Projektes erwartet, das sich grundlegend von denjenigen unterscheidet, die im Repertoire des Mariinski-Theaters bereits enthalten sind. Das Ziel des geplanten Gemeinschaftsprojektes besteht darin, bei der Jugend St. Petersburgs und der Leningrader Oblast die Liebe zur symphonischen Musik, der Oper und dem Ballett zu wecken. Der Besuch einer Oper oder eines Symphoniekonzertes soll eine der wichtigsten Prioritäten im Leben der Jugendlichen werden und die jungen Menschen wieder und wieder ins Theater locken.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Ihrer Gastgeber-Organisation ergeben?
Ich arbeite mit Kolleginnen vom Mariinski Theater zusammen. Wir hatten viele gemeinsame Überlegungen und Diskussionen zum Thema Kulturelle Bildung. Aber wir sind es von unterschiedlichen Seiten angegangen. Meine Petersburger Kolleginnen meinten, dass das Projekt auf Wissensvermittlung gerichtet sein soll. Wenn sich Kinder an einer Veranstaltung beteiligen, müssen sie mit neu erworbenem Wissen herauskommen. Ich lege aber viel Wert auf Erkenntnis durch Teilhabe. Teilhabe bedeutet nicht, dass Kinder kommen und darüber angeleitet werden, was sie tun sollen. Für mich ist es wichtig, dass sie den Prozess mit beeinflussen und sich ihre eigene Meinung bilden können. In den vergangenen drei Monaten haben wir es mit den Kolleginnen geschafft, einen Kompromiss zwischen den beiden Sichtweisen zu finden.

Welche Eindrücke haben Sie von Ihrem Aufenthalt in St. Petersburg? Ich war hier im Jahr 2003. Damals wurde das 300-jährige Jubiläum der Stadt gefeiert. Danach war ich mehrmals in anderen Städten Russlands: in Wolgograd, Izhewsk, Uglitsch. Ich bin sehr froh, dass ich nochmals in die zweite Hauptstadt zurückkommen konnte. Ich mag die Stadt, und nach meinem ersten Besuch hat sich hier Vieles verändert, z.B. die Infrastruktur und die Straßen. Es gibt viele technische Veränderungen. Hier bin ich zum ersten Mal mit einer Tram gefahren, die mit Wi-Fi ausgestattet war. In Deutschland habe ich so was noch nicht gesehen.

Wie stellen Sie sich das Publikum Ihres Projekts vor? Für wen ist es vorgesehen? - Unser Projekt richtet sich an Kinder. Wir möchten Grundschüler einladen, von der zweiten bis zur vierten Klasse. Das wären Schulkinder, die eine allgemeine Vorstellung vom Theater und dem Orchester haben, die aber im realen Leben nicht viel mit der Musik zu tun haben: sie gehen nicht zur Musikschule, spielen keine Musikinstrumente. Für sie ist Musik das, was in ihren Kopfhörern oder im Radio spielt. Unsere Aufgabe wäre es, bei den Kindern ein Interesse für klassische Musik zu erwecken.