Zukunftslabor 2016


Puschkinskaja ZEN

Der Kurator und Künstler Alexander Felch arbeitete mit dem Kunst- und Kunstzentrum „Puschkinskaja 10“ zusammen. Für „Puschkinskaja 10“ wurde ein Projekt entworfen, das einerseits den Zweck erfüllt, über Geschichte, Art und Ausrichtung des Kulturzentrums zu informieren und andererseits eine Navigation durch die für Besucher schwierig zu erfassenden, weitläufigen Räumlichkeiten bietet. Mehr über Verlauf des Projekts...

Puschkinskaja ZEN ist ein zweisprachiges (englisch/russisch) Spiel, das im Stile eines „Quests“ funktioniert. Die BesucherInnen laden sich das Spiel beim Betreten des Kulturzentrums auf ihre mobilen Geräte (Smartphone/Tablet) und können nach einem kurzen Begrüßungsvideo zwischen zwei Routen (thematisch/räumlich) wählen. Jeder Ausstellungsraum muss durch Beantwortung von Fragen, die sich auf den jeweiligen Ort beziehen freigespielt werden. Bei der richtigen Antwort erhalten die BesucherInnen Informationen über den jeweiligen Ausstellungsraum, sowie ergänzende Medieninhalte (Video, Audio).

Ziel des Projekts war es, das Kulturzentrum mehr zu öffnen und ihm gleichzeitig ein zeitgemäßeres Design zu geben. Die BesucherInnen erhalten interessante Informationen über die Entstehung und Tätigkeit eines autonomen interdisziplinären Kulturzentrums, haben Spaß bei der Bewältigung des Spiels und lernen etwas Neues kennen. Sie kommen auf spielerische Art und Weise in den Genuss von zeitgenössischer Kunst und Kultur.

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Gastgebende Kultureinrichtung

Museum für nonkonformistische Kunst (MNI) ist das weltweit erste Zentrum für die Bewahrung und Erforschung des Erbes der inoffiziellen Kultur in der UdSSR. Mehr...

Alexander Felch teilt seine Eindrücke hinsichtlich der ersten Projektphase:

Das Museum für Nonkonformistische Kunst in der Puschkinskaja 10 ist eine ziemlich geschlossene Institution. Es hat eine junge und ambitionierte Direktorin – Anastasia Patsey. Mehr...

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Alexander Felch

Alexander Felch, geboren und aufgewachsen in Wien als Sohn einer russischen Mutter und eines österreichischen Vaters. Studium der bildenden Kunst mit Schwerpunkt Kunst im Öffentlichen Raum an der Akademie der Bildenden Künste Wien.

Arbeit für Theater, TV und in der Lehre. Beschäftigung mit Kultur- und Kunstvermittlungskonzepten im Rahmen seiner Tätigkeit als freischaffender Künstler und Kurator. 2013 - 2015 künstlerischer Leiter und Programmverantwortlicher im mo.e Vienna, dem größten antidisziplinären, unabhängigen Kunstraum Wiens. Lebt in Wien und seit 2006 nach Möglichkeit auch in St. Petersburg.

www.alexanderfelch.net

Museum für nonkonformistische Kunst (MNI) ist das weltweit erste Zentrum für die Bewahrung und Erforschung des Erbes der inoffiziellen Kultur in der UdSSR.

„Nonkonformismus“ ist eine Erscheinung in der inoffiziellen Kultur der sowjetischen Zeit, welche die darstellende Kunst, Musik und Literatur geprägt hat. Zu dieser „zweiten Kultur“ der UdSSR gehören Namen wie M. Schemjakin, W. Zoj, S. Kurjochin, T. Nowikow, S. Bugajew-Afrika, die Gruppe „Mitki“, B. Grebenschtschikow, I. Brodskij und andere. Das 1989 gegründete MNI hat als erstes die Notwendigkeit erkannt, das Erbe der inoffiziellen Kultur in der UdSSR zu bewahren und zu untersuchen, was somit zu seiner Mission wurde.

Das Museum nimmt einige Räume auf dem Gelände des Kunstzentrums „Puschkinskaja 10“ ein. Die Sammlung des MNI umfasst mehr als 3.000 Bilder, Skulpturen, Graphiken, Fotografien und digitale Kunst. Das Museum arbeitet mit leitenden Kunstinstituten zusammen, außerdem mit Universitäten und Forschungszentren. Es führt jährlich mehr als 70 Ausstellungen und Veranstaltungen durch und ist Mitglied im internationalen Netzwerk “ICOM“.

Motivation zur Teilnahme und Erwartungen an das Projekt:
Das Kunstzentrum „Puschkinskaja 10“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine moderne, flexible Strategie für die Interaktion des Museums mit seinem jugendlichen Publikum zu entwickeln. Von großem Interesse für das Zentrum ist die Ausarbeitung einer Rhetorik und narrativer Prinzipien für einen effizienten Dialog über moderne Kunst mit einem jugendlichen Publikum (12-17 Jahre). Weil es mit der Spezifik künstlerischer Annäherung an diese Altersgruppe arbeitet, kämpft das Kunstzentrum aber auch mit Vorurteilen und Ängsten eines Massenpublikums gegenüber der modernen Kunst und regt zu Gedankengängen abseits der Standards an. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Annahme eines offenen und demokratischen Zuschauers.

Einen weiteren Wert stellt die Komponente der Forschung dar: einerseits ergibt sich die Möglichkeit, Jugendliche ohne eine gezielte Vorbereitung zu analysieren. Und andererseits lässt sich durch die eigenen und die Kulturräume der Partner auch eine gemeinsame Datenerhebung optimal umsetzen.

Im Rahmen des Projekts “Kulturelle Bildung. Russland und Deutschland im Dialog“ möchte das MNI Errungenschaften aus der russischen und deutschen Praxis zusammenführen, um daraus ein dynamisches und interaktives Projekt zu gestalten, das sich auf theoretisches Wissen und eigene Erfahrungen stützt.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit ihrer Gastgeber-Organisation ergeben?
Das Museum für Nonkonformistische Kunst in der Puschkinskaja 10 ist eine ziemlich geschlossene Institution. Es hat eine junge und ambitionierte Direktorin – Anastasia Patsey. Sie ist sehr fortgeschritten, hat viel Arbeitserfahrung, auch mit Deutschland. Aber ihre Ressourcen sind nicht unbegrenzt. Darum habe ich mir ein Projekt einfallen lassen, das keine zusätzlichen Mitarbeiter erforderlich macht. Jetzt arbeiten wir zusammen und kämpfen auch manchmal. Schauen wir mal, was dabei rauskommt. Aber das Projekt ist gut und ich glaube, dass das Museum davon profitieren wird.

Welche Eindrücke haben Sie von Ihrem Aufenthalt in St. Petersburg?
1990 war ich dreimal hier und seit 2006 komme ich regelmäßig hierher. Vieles hat sich verändert. Aber ich glaube, ab einem bestimmten Zeitpunkt gibt es einen Umkehrprozess, eine Rückkehr in die 80er Jahre. Die Marktsteuerung ist mir aufgefallen. Alles wird wieder vom Staat kontrolliert. Es gibt die führende Fluggesellschaft, die führende Bank usw. Die Atmosphäre hat sich verdichtet, es gibt mehr unzufriedene Leute. Im Großen und Ganzen ist es aber eine zauberhafte, sehr schöne Stadt natürlich. Ich habe sie immer gemocht und bin dankbar für die Möglichkeit, hier zu wohnen.

Wie stellen Sie sich das Publikum Ihres Projekts vor? Für wen ist es vorgesehen?
Mein Projekt hat kein besonderes Zielpublikum. Ich kann nicht sagen, dass es z.B. nur auf die Jugendlichen oder jemand anderen abzielt. Es ist flexibel und hier in Petersburg kann es genauso funktionieren, wie im Westen. Es kommt auf die Umsetzung an. Das System funktioniert hier nicht immer gut. Eines der lustigsten Dinge, das mir hier passiert ist, war, dass ich bei einer Führung im Kommunikationsmuseum erfahren habe, dass es dort kein Wi-Fi für die Besucher gibt.