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Kreativität im Unterricht

© ZKM // Broschüre: Kteraevitiat*– arbeitsheft: kreativitaet?*Ansichten und Einsichten zur Kreativitätsförderung

Das ZKM, Zentrum für Kunst- und Medientechnologien ist eine weltweit einzigartige Kulturinstitution. Es ist sowohl ein Museum als auch ein Forschungs- und Produktionszentrum. Es ist das erste Museum, das die Kunst aller Medien und aller Gattungen ausstellt und sammelt. Von der klassischen Malerei bis zur App-Art (1), von der Skulptur bis zur Performance, von der Installation bis zum Tanz, von der Fotographie bis zur Videokunst, vom Film bis zur digitalen Kunst, und von der akustischen Musik bis zur Sound-Art.

1997 zog das zwei Jahre zuvor gegründete ZKM in den Hallenbau der IWKA (Industriewerke Karlsruhe, Augsburg), einer ehemaligen denkmalgeschützten Munitionsfabrik DWM (Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken. Im Hallenbau der IWKA sind außer dem ZKM noch die städtische Galerie und die Staatliche Hochschule für Gestaltung untergebracht.

Das Medienmuseum und das Museum für Neue Kunst stellen die gesamte Museumskollektion des ZKM dar, die auf fast 15000 Quadratmetern Ausstellungsfläche moderne und klassische Kunst zeigen. Hier finden temporäre Präsentationen statt, wie beispielsweise die Ausstellung über die Wirkung neuer Medien auf die klassischen Formen der künstlerischen Darstellung sowie auf die Gesellschaft selbst. Das ZKM bietet verschiedene Bildungs- und Exkursionsprogramme an, unter anderem auch für Schüler und Senioren. Zu den drei wichtigsten Bestandteilen der Arbeit des ZKM gehören die Vermittlung von Kunst, Kultur und Medienkompetenz.

Die enge Verflechtung von Forschung und Kunst gehören ebenfalls zum Arbeitsbereich des ZKM. So gestaltete das ZKM zusammen mit LehrerInnen eines Gymnasiums zwei Jahre lang ein Forschungsprojekt zum Thema »Kreativität im Unterricht«. Das Ziel des gemeinsamen Projektes lag darin, herauszufinden, wie der Unterricht möglichst mit wenig Aufwand für den Lehrer kreativer gestaltet werden kann. Da die Forschungsarbeit sehr zeitintensiv war, arbeiteten die Lehrer auch in ihrer Freizeit.

Unter Kreativität verstanden die Projektleiter eine »Neukombination von Informationen« und die Kompetenz des »problemlösenden Denkens und Handelns«, welche die SchülerInnen befähigt, selbstständig neue, ungewöhnliche und nützliche Lösungswege für Fragestellungen in der Schule sowie im Lebensalltag zu entwickeln. Um den Forschungsgegenstand aus anderen Perspektiven betrachten zu können, stellte das ZKM eine Projektgruppe von LehrerInnen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen zusammen (nicht nur aus den künstlerischen, sondern auch aus den Geistes- und Naturwissenschaftsbereichen). In zahlreichen Workshops haben sich die LehrerInnen intensiv mit der Forschungsfrage beschäftigt und dabei unter anderem ihre Unterrichtsstruktur analysiert. Die Forschungsergebnisse, die in den Workshops von den LehrerInnen erarbeitet wurden, wandten sie in ihren Klassen an. Parallel zu dieser Forschungsgruppe veranstalteten die KunstvermittlerInnen mit Schulklassen die Workshopreihe »strategie wechsel«.

Die Förderung von Kreativität wurde dabei „nicht als ein allgemeingültiges Rezept, das sich eins zu eins anwenden ließe, um im Anschluss kreativer zu sein“ verstanden. „Vielmehr handelt es sich dabei um einen individuellen, aktiven Prozess, der durch eine Kombination von Rahmenbedingungen – im Schulkontext vom Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden, Lernenden untereinander, Sitzordnung, Thema, Aufgabe, Material etc.“(2) erfolgt.

Aus dem Projekt ist ein „Arbeitsheft“ hervorgegangen, welches nicht nur die Dokumentation über die durchgeführten Workshops und die Forschungsergebnisse in sich trägt, sondern auch Tipps zur besseren Gestaltung des Unterrichts.

Das Arbeitsheft erinnert keinesfalls an einen klassischen und langweiligen Ratgeber für Lehrer. Mit seinem Design erinnert es sogar an ein modisches Magazin. Darin lassen sich praktische Übungen, illustrierte Anleitungen und themenspezifische Kurztexte finden. Durch die kreative Gestaltung soll das Lesen oder schon einfaches Durchblättern des Arbeitsheftes Interesse wecken. Im Folgenden werden Beispiele aus der jetzigen Ausgabe des Arbeitsheftes aufgeführt, welche sich für den Unterricht eignen.

© ZKM // Broschüre: Kteraevitiat*– arbeitsheft: kreativitaet?*Ansichten und Einsichten zur Kreativitätsförderung

„Das Piratenspiel“

Das Spiel soll in Schülern das Interesse für das eine oder andere Thema wecken und ihnen die Schwierigkeiten, die innerhalb eines Kommunikationsprozesses entstehen können, aufzeigen.

Spielvorgang: Ein blinder Pirat oder eine blinde Piratin wird von seinen/ihren Kameraden/Kameradinnen von einem Schiff aus bei der Schatzsuche auf einer Insel beobachtet. Die Piraten/Piratinnen können dem blinden Piraten/der blinden Piratin jedoch bei der Suche nicht helfen, da sie stumm sind. Dem/der Suchenden eilt der alte Kapitän/die alte Kapitänin zur Hilfe, der/die ebenfalls schlechte Augen hat. In der einen Hälfte eines leeren Raums wird eine Insel mit einem versteckten Schatz inszeniert. Einem Schüler/ einer Schülerin werden die Augen verbunden und er/sie bleibt als Schatzsucher/ in diesem Feld. Der Kapitän/die Kapitänin sitzt mit dem Rücken zur Insel und darf sich nicht umdrehen. Er/sie weiß nicht, wo sich der Schatz und der/die Suchende befinden. Die stummen Piraten/Piratinnen sehen alles, können aber nicht sprechen und ihm verbal keine Anweisungen geben. Die Aufgabe der Piraten/Piratinnen ist, dem Kapitän/der Kapitänin pantomimisch zu vermitteln, wie sich der blinde Pirat/die blinde Piratin auf der Insel bewegen muss, um den Schatz zu finden ohne dabei auf Hindernisse zu stoßen. Der Kapitän/die Kapitänin versucht die Gesten zu erraten und sie mündlich an den Schatzsucher weiterzugeben. Sobald der Schatz gefunden ist, ist die Übung beendet.

Diese kurze Aktivierungsübung mit großem Spaßfaktor dauert ca. 15 Minuten. Im Anschluss findet eine Reflexion über die Schwierigkeit der Übung und die genutzten Kommunikationsstrategien statt. Im Gegensatz zu anderen Spielen kann der Erfolg auch dann eintreten, wenn nur einige Schüler und Schülerinnen aktiv mitwirken.

© ZKM // Broschüre: Kteraevitiat*– arbeitsheft: kreativitaet?*Ansichten und Einsichten zur Kreativitätsförderung

„Auch Dinge haben Probleme “

Eine Übung, die bei den Schülern und Schülerinnen das Bewusstsein eines kreativen Umgangs mit Objekten fördern soll.

Das Verhältnis von Dingen zu ihren Nutzern kann als mögliches Analysewerkzeug der strukturellen Bedingungen von Lernsituationen in vielerlei Hinsicht im Rahmen von Übungen untersucht werden. Für diese Übung werden die Dinge selbst zum Sprechen gebracht und bekommen durch Sprechblasen die Möglichkeit ihre Probleme zu äußern.

Auf der Webseite des Anfang der 2000er initiierten »Bubble Project« stellt Ji Lee Druckvorlagen leerer Comic-Sprechblasen gratis als Download zur Verfügung, um am Projekt interessierten Personen die Möglichkeit zu geben, mithilfe dieser Vorlagen kleine Interventionen im öffentlichen Raum durchzuführen. Diese Technik, die Lee ursprünglich für die spielerische Veränderung von Werbebotschaften konzipiert hatte, wird in dieser Übung genutzt, um die Umgebung einer genauen Prüfung zu unterziehen: Welche Gegenstände umgeben uns? Wozu sind sie erdacht worden? Welche Probleme könnten sich daraus für sie ergeben? Wie würden sie diese Probleme äußern?

Ausgestattet mit entsprechend ausgeschnittenen Sprechblasen, Filzstiften und Fotokameras begeben sich die TeilnehmerInnen in Kleingruppen auf die Suche nach Dingen, die in ihren Augen ein Problem haben könnten. Dieses Problem wird auf der Sprechblase notiert und die so getroffene Aussage gemeinsam mit dem Gegenstand inszeniert und fotografiert. Im Anschluss treffen sich die Gruppen wieder, um gemeinsam die Ergebnisse ihrer Recherchen zu sichten.

Fortsetzung folgt…




September 2016
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