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Ab 13 und älter: Lässt sich das Museum zu einer behaglichen Umgebung für Jugendliche umgestalten?

Foto: Bulkina Natalia

In diesem Jahr haben die Organisatoren des Museumsfestivals "Kindertage in St. Petersburg" zum ersten Mal das spezielle Museumsprogramm für Jugendliche ab 13 Jahren "Was habe ich hier verloren?" ins Leben gerufen. Vom 29. Oktober bis 20. November wurde Jugendlichen mit zehn Projekten "für diejenigen, die sich schnell verändern" und fünf Museumswohnzimmern, "in denen man selbst sein kann" aufgewartet.

Die Frage "Was habe ich hier verloren?" ging sicherlich nicht selten einem Jugendlichen durch den Kopf, der von Lehrern oder Eltern ins Museum gebracht wurde, geleitet von der Sorge, der Teenager sei abhängig von sozialen Netzwerken oder Computerspielen. Erwachsenen gelingt es nicht immer, Kinder zu überzeugen, dass ein Ausflug in Museen, eingerichtet in Wohnungen berühmter Schriftsteller, die Betrachtung von Gemälden oder die eingehende Beschäftigung mit Weltgeschichte und -kultur mitreißend sein können. Die Aussicht, ein Besserwisser zu werden, reicht kaum aus, um einen Jugendlichen zu einem Museumsbesuch auf Kosten schulfreier Zeit und eigener Hobbys zu bewegen. Die Organisatoren der "Kindertage in St. Petersburg" haben jedoch einen Weg gefunden, damit ein Jugendlicher ins Museum kommt und dort mit Freude "hängen bleibt". Für das Museumsfestival haben sie ein Programm aus erkenntnisreichen und unterhaltsamen Spielen, Vorträgen, Führungen und Workshops zusammengestellt, dessen Themen sich mit den Interessen der heutigen Jugendlichen decken: dort konnte man all das besprechen, was einen bewegt. Auf diese Weise haben die Organisatoren neun St. Petersburger Museen in Orte für Selbstdarstellung, Austausch von Ideen, Erfahrungen und Träumen von Jugendlichen verwandelt. Den Jugendlichen blieb nur noch, den Freizeitort ihres Wunsches auszusuchen.

«Die Aussicht, ein Besserwisser zu werden, reicht kaum aus, um einen Jugendlichen zu einem Museumsbesuch auf Kosten schulfreier Zeit und eigener Hobbys zu bewegen».

Im Jugendbildungszentrum der Staatlichen Eremitage wurde den Schülern der Oberstufe angeboten, die Kunstsammlungen Schtschukins und Morozovs kennenzulernen und an dem Projekt "Speed-Dating mit einem Bild" teilzunehmen. Diejenigen, die sich angesprochen fühlten, haben sich zwei Monate lang, unterstützt von den Koordinatoren des Bildungsprogramms, vorbereitet, um während der "Kindertage in St. Petersburg" ihren Altersgenossen "Blitz-Verabredungen" mit Kunstwerken anzubieten. Die Moderatoren der Verabredungen hatten die Aufgabe durch einen fünfminütigen Monolog und eine Performance, den Besucher für ein bestimmtes Bild einzunehmen. Die Jugendlichen erzählten, dass ihnen die Aufgabe nicht leicht fiel, sie diese jedoch bewältigt und ihre Angst vor einem öffentlichen Auftritt sowie die Unsicherheit, dass ihre Geschichte oder Emotion, den Besucher nicht erreichen würde, überwunden haben. Lisa, die Verfasserin eines Monologs zu Albert Marquets Gemälde "Milliners" sagte, dass sie sich ohne das Eremitage-Projekt "nicht vor fremden Menschen äußern würde". Für die "Blitz-Verabredung" hat sie ein Gedicht verfasst und rezitierte es für die Besucher. Mascha, die zweite Teilnehmerin, hat durch das Projekt gelernt, dass man seine Eindrücke eines Kunstwerks fast ohne Worte wiedergeben kann. Vor Pablo Picassos Gemälde "Composition à la tête de mort" hat sie eine Ton-Aufnahme der Musikprobe eines Freundes eingeschaltet, um den Betrachtern nahezubringen, "wie Musik und Bild ein Ganzes bilden können [...], als ob sie gleichzeitig entstehen würden." Die von den jungen Teilnehmern sorgfältig durchdachte Führung durch das Museum hat keineswegs zum gewohnten passiven, abstrahierten Zuhören und Betrachten verleitet. Im Gegenteil, sie hat eine aktive, involvierte Wahrnehmung der Kunst angeregt. Die Teilnehmer des Projekts "Speed-Dating" haben ihren Altersgenossen aufgezeigt, dass in einer langen Reihe von Namen, Fakten und fertigen Interpretationen stets Raum für eigene Gedanken über Kunst und unkonventionelle Wege vorhanden sind, mittels derer man diese mit anderen Menschen teilen kann.

Für diejenigen, die Gadgets nicht gleichgültig gegenüberstehen, haben die Museumsführerin und -vermittlerin Anna Belova und die Fotografin und Kamerafrau Asja Kopichnikova das Medienprojekt "Selfie" ins Leben gerufen. Im Rahmen des Projekts haben Schüler allgemeinbildender Mittelschulen und einem Internat für Gehörlose gemeinsam mit den Organisatorinnen und weiteren eingeladenen Fachleuten sich mit Fotografie, Video- und Tondramaturgie befasst und setzten sich mit dem Selfie auseinander. Dank der Workshops haben die Teilnehmer Ideen für kreative Experimente mit neuen Technologien entwickelt und, was noch wichtiger ist, ein neues Verhältnis zum Selfie aufgebaut. Es hat sich herausgestellt, dass das Selfi nicht bloß gewohnheitsmäßiges Selbstfotografieren oder den Wunsch auf dem Laufenden zu sein widerspiegelt, sondern ein Mittel ist, um eine Geschichte über sich selbst zu erzählen und dabei über den Rahmen eines Fotos im Smartphone oder Tablet hinauszugehen. Davon konnte man sich in der Ausstellung "Wir werden durch die Tische sprechen" überzeugen, in der die Teilnehmer ihre Ergebnisse präsentierten.

«Sie konnten erkennen, dass es die Möglichkeit gibt, sich mithilfe von Objekten wie einem Tisch auszudrücken und verstanden zu werden, während es in einem Gespräch schwer fällt, etwas Persönliches zu erzählen».

Für die Ausstellung wurden Tische mit Foto- und Video-Selfies, Briefen oder Tonbotschaften und Objekten vorbereitet, die dem Betrachter halfen, jeden Teilnehmer des Projekts kennenzulernen. Mascha Schvedova hat beispielsweise ein Labor der Emotionen geschaffen und hat auf dem Tisch Fläschchen mit den Aufschriften "Angst", "Treue", "Liebe", "Freundschaft", "Willensstärke", "Egoismus", "Feigheit" und Gefässe mit Wasser aufgestellt. In einem Brief an die Museumsbesucher schlug sie vor, etwas Flüssigkeit mit einer Spritze aufzuziehen und diese in eines der Fläschchen einzufüllen. Auf diese Weise wollte Mascha mehr über die Besucher ihres Labors erfahren und ihnen dabei helfen, ohne Scheu ihre persönlichen Vorzüge, Schwächen und Gefühle zu äußern. In ihrem Brief gesteht Mascha, dass sie "Angst hat, zu vereinsamen [...], dass man Kommunikation benötigt" und die Ausstellung ist eines der Mittel, um einen Gesprächspartner zu finden, Menschen in sein Leben hinein zu lassen und es dadurch zu bereichern. Maria Panina, einer anderen Teilnehmerin war es wichtig über die Liebe zu Äpfeln und Phantasien rund um Äpfel zu erzählen. Maria hat einen Tisch mit einer kreisrunden Öffnung in der Mitte verwendet. Darauf hat sie ihre Lieblingsfrüchte sowie ein Tablet mit einem Selfie und einer Audiobotschaft platziert. Sie hat den Besucher dazu aufgefordert, sich in die Mitte des Tisches zu stellen und sich auszumalen, er würde auf die Welt mit ihren Augen blicken: "Ich liebe Äpfel und esse sie samt Kernen. Danach stelle ich mir vor, wie in mir ein Baum mit Früchten wächst. Jeder hat einen eigenen Baum mit Früchten, die sauer und süß sind. Bei manch einem sind die Äpfel frisch, bei einem anderen mit faulen Stellen und es kommt vor, dass alle Äpfel faul sind. Das ist erschreckend." Das kreative Vorgehen bei der Selbstpräsentation und die Offenheit der Teilnehmer fanden Anklang bei den Altersgenossen, die die Ausstellung besuchten. Sie konnten erkennen, dass es die Möglichkeit gibt, sich mithilfe von Objekten wie einem Tisch auszudrücken und verstanden zu werden, während es in einem Gespräch schwer fällt, etwas Persönliches zu erzählen.

Einen besonderen Platz im Festivalprogramm 13+ nahmen die Museumswohnzimmer ein, Räume für Jugendliche, an denen man ganz für sich allein sein kann oder mit Freunden Musik hören, Zeichnen, Bücher lesen oder Tee trinken kann. Durch solche Erholungszonen halfen die Organisatoren den Jugendlichen dabei, den Museumsbesuch nicht als ein aufgezwungenes und langweiliges Umherirren wahrzunehmen, von dem einem die Beine schmerzen und es in den Augen flimmert.

Mit der erlangten Freiheit, den eigenen Interessen im Museum nachgehen zu können, haben Jugendliche bereitwilliger geistige und kreative Impulse aufgenommen. Dazu zählten beispielsweise Begegnungen mit Künstlern, Theaterregisseuren, Designern, Schriftstellern und anderen für den Austausch offenen Erwachsenen. Diese Gäste hatten nicht die Vorgabe, die Jugendlichen zu unterrichten, weshalb sie ohne Mühe eine gemeinsame Sprache mit den jungen Menschen fanden und die Kommunikation auf einem Dialog und einer behutsamen Umgangsweise miteinander aufbauen konnten. In den Museumswohnzimmern wurde über die verschiedensten Themen gesprochen. Im Museumswohnzimmer des Alexander-Block-Museums erfuhren Jugendliche, die davon träumen Comics zu zeichnen, von den Berufsgeheimnissen eines Comiczeichners und erfanden die Geschichte "Ich in s/w". Im Museumswohnzimmer der Stiftung des Künstlers Michail Schemjakin tauschten sich Jugendliche über Mode aus und versuchten herauszufinden, ob Kleidung Individualität ausdrücken kann und wie man alten, unbrauchbaren oder "unmodischen" Kleidungsstücken neues Leben einhauchen kann. Im Generalstabsgebäude der Eremitage wurde bei der Aufführung von Alexander Savczuk's "Hamlet-Gadget" (russ. "Gamlet-gadget", Theater Lusores) gegrübelt, gestritten und es wurden Gedanken ausgetauscht. Begegnungen mit den kreativen Experten des Unternehmens "Ascreen" riefen ebenso Interesse hervor. Sie behandelten sehr unterschiedliche Themen vom Design bis zum Kuratieren.

«Diese Gäste hatten nicht die Vorgabe, die Jugendlichen zu unterrichten, weshalb sie ohne Mühe eine gemeinsame Sprache mit den jungen Menschen fanden...».

Leseratten konnten sich über Bücherecken erfreuen, die jedes Museumswohnzimmer 13+ bereithielt sowie über einen Abend im Anna-Achmatova-Museum im Fontannyj-Haus. Dort haben die Jugendlichen eine Neuheit des Verlagshauses "Samokat" kennengelernt, das Buch der griechischen Schriftstellerin Alki Zei "Wildkatze unter Glas" über die Schwestern Myrto und Melia, die zu Zeugen des politischen Regimewechsels und der Errichtung einer Diktatur in Griechenland am 4. August 1936 wurden. Um die Neugier zu wecken, haben sich die Moderatoren des Abends bewusst dagegen entschieden, den Inhalt des Buches nachzuerzählen. Sie schlugen vor, darüber nachzusinnen, wie ein Leser mithilfe eines Buches etwas Politisches wahrnimmt und wie während des Lesens assoziatives und bildhaftes Denken funktioniert. Hierfür war es notwendig Definitionen aus Lehrbüchern bewusst zu vergessen, um in drei bis fünf Worten die Begriffe Demokratie und Diktatur zu umreissen, mit denen die Helden aus dem Buch Alki Zeis' plötzlich konfrontiert waren. Zu jedem Begriff fanden die Jugendlichen ausdrucksstarke und inhaltsvolle Worte und aus der gemeinsamen Erörterung der Assoziationen wurde deutlich, dass sie v.a. die moralische Seite historischer Ereignisse beschäftigt. Nach der Diskussion haben die Jugendlichen gemeinsam mit der Illustratorin des Buches Olesja Gonserovskaja mit schwarzer und weißer Farbe, Emotionen, Gemütszustände und konkrete Bilder gemalt, die nach ihrer Vorstellung im Zusammenhang mit den Begriffen Demokratie und Diktatur stehen. Mascha, eine Teilnehmerin hat eine abstrakte Zeichnung angefertigt, indem sie den Pinsel frei über das Papier führte. Die junge Frau erklärte, dass "Freiheit das wichtigste Kennzeichen einer Demokratie sei und bedeutet, dass die Hand und der Pinsel weder in der Bewegung noch in der Auswahl des Strichs eingeschränkt sind, die sie auf dem Blatt hinterlassen."

Es bleibt hinzuzufügen, dass das 12. Museumsfestival ohne Zweifel den Jugendlichen in Erinnerung bleiben wird. Das Programm " Was habe ich hier verloren?" hat neue Möglichkeiten für Erkenntnisse, Kreativität und Kommunikation aufgezeigt und das bedeutet, dass Jugendliche gern ins Museum zurückkommen werden.

Julia Pocelueva (Direktorin für die Entwicklung des Museumsfestivals "Kindertage in St. Petersburg"):
In den vergangenen Jahren nutzte die Zielgruppe 13 bis 15 Jahre das Haupt- und das Parallelprogramm des Museumsfestivals. Für diese wurden, genauso wie für Kinder, kleine Museumsführer mit Routen erstellt und es wurden einzelne zusätzliche Museumsprojekte angeboten. Dennoch war uns klar, dass Jugendliche weniger gern in Museen gehen. Im Jahr 2014 haben wir das Labor "Jugendliche für Museen, Museen für Jugendliche" gestartet, in dem wir experimentierend versuchten herauszufinden, welches Format Teenager anspricht. In diesem Jahr sind wir zum ersten Mal vom Experiment für eine kleine Gruppe zu einem Programm für ein größeres Publikum übergegangen.

Während der Vorbereitung des Programms haben wir ein spezielles Seminar für teilnehmende Museen mit eingeladenen Experten (der Jugendpsychologin Anastasija Zhukova und der Theaterpädagogin Natalja Borenko) durchgeführt, bei dem die Museumspädagogen in die Rolle von Jugendlichen schlüpfen konnten.

« Ein Museum verfügt über wertvolle Ressourcen: es weckt das Vertrauen der Eltern und bietet die Möglichkeit, eine in jeder Hinsicht geschützte Umgebung für Jugendliche zu schaffen».

Anastasija Zhukova hat unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass es den Jugendlichen sehr an öffentlichen Räumen mangelt, in denen man einfach so sein kein wie man ist, statt dazu angehalten zu werden, etwas zu tun. So wurde die Idee der Museumswohnzimmer geboren. Ein Museum verfügt über wertvolle Ressourcen: es weckt das Vertrauen der Eltern und bietet die Möglichkeit, eine in jeder Hinsicht geschützte Umgebung für Jugendliche zu schaffen. Das erlaubt eine völlig neue Ebene der Freiheit. Man wird erwartet, es ist immer jemand zu einem Gespräch bereit (jedes Museumswohnzimmer hatte eine Gastgeberin, eine Festivalmitarbeiterin), es wird einem nichts aufgezwungen, man kann selbst entscheiden, was man tun möchte. Als wir Moderatoren für Begegnungen und Workshops einluden, haben wir Personen ausgewählt, die auf Augenhöhe mit Jugendlichen sein können, bereit sind ihre Erfahrungen zu teilen und im Dialog zu kommunizieren anstatt in frontaler Vortragsweise.

Es ist wertvoll, dass viele Museen in den Prozess der Entwicklung, Vorbereitung und Realisierung Jugendliche einbezogen haben. Neben dem Jugendbildungszentrum der Eremitage und dem Museum für Fotografiegeschichte wurden Jugendliche auch in den Vorbereitungsprozess im Museumszentrum Neue Farm des Staatlichen Museums und Naturschutzgebietes "Peterhof" involviert, nahmen als Fokusgruppe im Anna-Achmatova-Museum im Fontannyj-Haus teil und haben ein futuristisches Quest-Rollenspiel "SLOV.NET" im Museum für Religionsgeschichte durchgeführt.

Julia Mackevitch (Koordinatorin des Museumsfestivals "Kindertage in St. Petersburg"):
Die Realisierung eines Programms für Jugendliche hat verdeutlicht, dass diese Aufgabe viele sensible Momente enthält. Das Hauptmoment betrifft die Rolle der Personen, die unmittelbar mit den Jugendlichen kommunizieren.

Der Raum des Museumswohnzimmers kann nach Belieben bequem und vom Design her anziehend gestaltet sein. Erhält der Teenager jedoch keine menschliche Aufmerksamkeit (die nicht aufdringlich ist, denn Lästigkeit wird umso mehr abschrecken), wird er sich auch in dem weichsten Sitzsack mit dem interessantesten Buch oder Brettspiel nicht wohl fühlen! Eine riesige Verantwortung oblag unseren "Gastgeberinnen der Museumswohnzimmer", jungen Frauen, die im wahrsten Sinne des Wortes als Hüterinnen des häuslichen Feuers den Jugendlichen das Museum zum zu Hause machten. Wir hatten Glück, dass die meisten von ihnen tatsächlich an der Kommunikation mit Jugendlichen interessiert waren, ein Gespräch mit ihnen aufbauen konnten und sie nicht wie Kinder sondern als Persönlichkeiten bzw. "junge Erwachsene", behandelt haben. Ausgehend davon, dass viele Teenager, die an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit zu einer Veranstaltung in ein Museumswohnzimmer kamen, dort noch einige Stunden blieben oder an einem anderen Tag wiederkamen, bekamen sie die Gelegenheit in der Nähe eines sogenannten "dritten" Erwachsenen (psychologischer Begriff) zu sein, den sie brauchten.

Anna Belova (Mitarbeiterin des Museums für Fotografiegeschichte, eine der Kuratorinnen des Projekts "Selfie"):

Eine Besonderheit des Projekts "Selfie" bestand darin, dass Jugendliche aus allgemeinbildenden Schulen zusammen mit gehörlosen Jugendlichen gearbeitet haben. Unsere Aufgabe war daher, in jede Übungseinheit eine Aktivität hineinzubringen, die Teilnehmer aus beiden Gruppen involviert und einen gegenseitigen Dialog fördert. Man kann nicht sagen, dass sich alle freundschaftlich zusammengetan hätten. Für einige Jugendliche blieb die Barriere bestehen, andere konnten diese überwinden. Beginnend mit der zweiten Workshopwoche sagten die Teilnehmer jedoch selbst: "Wir nähern uns an." Wir hatten Glück, dass zwei Mädchen aus der Gruppe der allgemeinbildenden Schulen Gebärdensprache lernen, wovon wir nach dem Beginn der Workshops erfuhren.

Eine weitere Besonderheit unseres Unterrichts ergab sich daraus, dass der Wortschatz der Jugendlichen aus dem Internat eingeschränkt ist und wir komplizierte theoretische Begriffe in einfacher Sprache vermitteln mussten auf eine Art und Weise bei der sich die anderen Teilnehmer nicht langweilen. Dabei hing vieles von dem Gebärdensprachdolmetscher ab. Seine Aufgabe bestand nicht allein darin, eine genaue Übersetzung zu liefern, sondern darüber hinaus den gehörlosen Jugendlichen neue Worte zu erklären.

Den Gedanken, die Selfieidee mittels Tischen darzustellen gab der Künstler Nikita Sazonov, den wir eingeladen haben, uns bei der Gestaltung der Ausstellung zu helfen. Die Frage lautete, wie könnte man die Medienarbeiten der Jugendlichen präsentieren: Foto-, Video-, Tonaufnahmen. Da ein Jugendlicher viel Zeit hinter dem Schreibtisch verbringt, haben wir entschieden, dass der Tisch ein ideales Objekt ist, um mit Gedanken, Gefühlen, Wünschen, d.h. mit der Innenwelt gefüllt zu werden, die die Medienarbeiten offenlegten. Die verwendeten Medien konnten außerdem durch physische Gegenstände ergänzt werden und somit die Botschaft verständlicher gestalten.

Alevtina Krupnova (Tutorin des Audioworkshops im Projekt "Selfie")
Das Projekt an sich war eine Art Experiment, da ein ähnliches Ziel, das dem Erkunden des Selfies durch die Instrumente Audio, Foto und Video aus der Perspektive eines Jugendlichen gilt, bisher niemand verfolgt hat. Sehr wichtig war es bei der Arbeit im Projektteam, die Besonderheit dieser Geschichte zu begreifen, die ein weites Feld zur Selbsterkenntnis und Entwicklung bot. Ein Soundselfie habe ich zum ersten Mal gemacht und dieser Begriff entstand auf der Grundlage dieses Projekts. Ich glaube, dass die Zukunft noch viel Interessantes und Wichtiges bringen wird!

Text: Ksenia Remezova
Übersetzung: Natalia Raaben

Copyright: Goethe-Institut Russland
Dezember 2016
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Daria.Kononez@stpetersburg.goethe.org



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Музей Анны Ахматовой. Фото: Булкина Наталья














Museum für Religionsgeschichte. Foto: Bulkina Natalia














Museum für Religionsgeschichte. Foto: Bulkina Natalia














Die Aufführung von Alexander Savczuk's "Hamlet-Gadget" im Generalstabsgebäude der Eremitage. Foto: Bulkina Natalia














Im Museumswohnzimmer der Stiftung des Künstlers Michail Schemjakin. Foto: Julia Atapina














Projekt "Speed-Dating mit einem Bild". Foto: Tatjana Datschinskaja














Projekt "Speed-Dating mit einem Bild". Foto: Tatjana Datschinskaja