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"Wir stecken Menschen in Schubladen".
Jugendliche über das russisch-deutsche Stück „Цель визита. Zwischenraum”

Фото: Анна Согальчик

Im Rahmen des Projekts „Freier Raum“ bekamen Schüler, die sich für die Teilnahme am Projekt beworben hatten, die Möglichkeit zum Besuch zweier Theaterstücke, die sich um das Leben Gleichaltriger drehen. Nachdem sie die Gelegenheit hatten, das erstere mit dem professionellen Regisseur und Pädagogen Boris Pawlowitsch detailliert zu besprechen, sollten sie das zweite Stück bereits in Eigenregie analysieren – und nicht nur das, sondern auch eine Rezension dazu schreiben.

Für die Rezensionen schlug #KUBI die russisch-deutsche Premiere des Stücks „Цель визита. Zwischenraum” auf der Neuen Bühne vor. Als künstlerische Leiter dieses sozialen Projekts, das sich um Teenager und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund dreht, traten der bekannte Petersburger Regisseur Michail Patlasow sowie Anna Junyschewa auf, die seit vielen Jahren erfolgreich in Frankfurt a.M. mit Flüchtlingen arbeitet.

Da das Projekt „Freier Raum“ auf absoluter Freiwilligkeit basierte, hatten nicht alle Teilnehmer ausreichend Energie, um bis zum Ende durchzuhalten. Im Folgenden stellen wir eine Rezension und einige Wortmeldungen der Teilnehmer vor, die einen kleinen Sieg über sich selbst errungen und sich auf ein neues, freies Territorium vorgewagt haben.


Polina Nasarowa
Statistik oder Persönlichkeit?
Vor Beginn der Aufführung werden anonyme Fragebögen an alle verteilt. Fragen à la „Welche Nationalität haben Sie? Finden Sie, dass sich Ihr Land im Kriegszustand befindet? Haben Sie Angst vor der Hölle?“ leiten nicht nur auf das Thema hin, das später im Stück aufgegriffen wird, sondern beflügeln auch die Phantasie: Was soll das nur alles bedeuten? Im Tausch gegen den ausgefüllten Fragebogen bekommt jeder Zuschauer eine Nummer. Diese wird später zu einem nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Sitzplatz im Saal führen.

Beim Betreten des engen grauen Kastens der Probebühne hört man gleich eine monotone Computerstimme, die einen dazu auffordert, den eigenen Platz aufzusuchen (“denn jeder von uns hat seinen Platz”), und dort sitzt du dann mit dir völlig unbekannten Leuten, darunter gemischt sogar die Schauspieler. Die Stimme erzählt lange von sich selbst und stellt sich als Durchschnittszuschauer dieses Stücks vor – „eine Frau mit mittelblonden Haaren und gerader Nase“. Weiter schaltet sich die Stimme in den Momenten ein, in denen es um die Darstellung einer groben, manchmal erstaunlichen Statistik geht, welche im Kontrast zu den warmen und lebendigen Erzählungen der Projektteilnehmer keine Persönlichkeiten herausstellt, sondern alle über einen „statistisch durchschnittlichen“ Kamm schert.

Die Akteure betreten den Zuschauerraum mit bunten Masken in verschiedenen Farben und stellen sich in zwei Reihen einander gegenüber auf. Jeder versucht, die jeweils andere Reihe zu durchbrechen, manch einer vorsichtig, sich anpirschend, andere wieder mit direkter Kraftanwendung – doch die enge Kette gibt nicht nach. So werden im Stück die Motive Kampf, Zurückweisung und Annahme dargestellt. Die Projektteilnehmer kennen diese Themen nicht nur vom Hörensagen, denn schließlich sind sie Teenager und junge Erwachsene aus Deutschland und Russland, die selbst die Erfahrung der Migration hinter sich haben. Als thematische Grundlage für „Ziel des Besuchs“ („Цель визита“) diente ein dokumentarischer Text, den die Regisseure und Teilnehmer über den Zeitraum mehrerer Monate hinweg entwickelt haben, wobei sie gemeinsam die Begriffe Identität, Heimatland, Lebensraum, Toleranz, Grenzen, Liebe, Nähe und Entfernung reflektierten. Für die Teilnehmer des Projekts waren all diese Worte nicht nur leere Hüllen, selbst wenn sie ihnen bisher keine klar formulierte Definition zuweisen konnten. Die Jugendlichen aus Russland erzählten von dem Leben, das sie hier nach der Emigration führen. Es gab Geschichten über Prügeleien, darüber, was ein Typ namens Schoch, der sehr oft von der Security an der Metro überprüft wird, im Rucksack hat, und drei tatsächliche Schwestern aus Usbekistan gaben sogar ihre persönliche Variante der „Drei Schwestern“ von Tschechow zum Besten. Die deutschen Teilnehmer sprachen über ihr eigenes Schicksal – das Schicksal der Flüchtlinge aus Syrien, Somalia und dem Irak, die sich im Epizentrum von Kriegen wiederfanden und Entbehrungen und Armut erlebten. Einige Geschichten beeindruckten durch ihre Offenheit und Einfachheit – jemandem, der sehr schwere Momente hinter sich hat, scheint das alles eben nicht ganz so dramatisch zu sein, wie es der Zuschauer auffasst. Der syrischstämmige Mohammed erzählte davon, wie sein Dorf an der türkischen Grenze von Russen bombardiert wurde. Man schickte ihn und seinen Bruder nach Europa, was die Familie sechstausend Euro kostete – jetzt soll er dieses Geld abstottern, um den Eltern die Schulden zu nehmen. Theo, ein anderer Teilnehmer, erzählte die Geschichte von Abdisa, eines Flüchtlings aus Äthiopien, der mittlerweile in Deutschland lebt. Er erlebte die Flucht aus seinem Heimatland, irrte durch die Wüste und floh mehrere Male aus dem Gefängnis. Selbst konnte Abdisa nicht nach Petersburg kommen, da er ohne Pass lebt, aber wir haben ihn über Skype gesehen.

Die Projektteilnehmer sprachen eine Vielzahl an Sprachen, doch ihre Sozialisierung fand unmittelbar auf der Bühne statt! So schloss sich ein Mädchen aus Syrien an den Tanz zweier Teilnehmerinnen aus Usbekistan an, etwa, als würde sie damit deren Meinung zu alten, überlebten Traditionen der muslimischen Welt in Bezug auf Frauen beipflichten. Gerade der Tanz, eine Körpersprache, die für absolut jeden verständlich ist, half den Teilnehmerinnen dabei, sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden, und deswegen kam in den Pausen zwischen den Monologen auch gerade dieser zum Einsatz. Ein aserbaidschanischer Tanz, Diskotänze und natürlich der Abschlusstanz, zu dem die Darsteller alle Zuschauer einluden, indem sie sagten: „Du bist genau wie wir, komm mit zu uns!“ In dieser Szene unterstützt selbst die monotone Stimme der Statistik die Forderung, dass alle zum Tanz zueinanderfinden sollen.

Die russische Mentalität nimmt andere Nationalitäten nicht immer positiv auf, und deswegen bringt der Regisseur den Zuschauer auch in eine Situation, in der er sich zwei Stunden lang Menschen anderer Nationalitäten ansehen und ihnen zuhören muss. Diese Erfahrung hebelt viele Stereotypen aus und überzeugt uns davon, über Dinge nachzudenken, die uns bisher als Gewohnheit schienen: Migranten sind gar nicht immer so gefährlich, im Gegenteil, ihr Leben wird uns näher und verständlicher.

Diejenigen Teilnehmer, die nicht zur Premiere kommen konnten, waren live per Skype dabei, um ihre Geschichte zu erzählen, die für sie selbst und für uns wichtig ist. Der Regisseur schaute nicht auf die Zeit, wenn es darum ging, dass alle Geschichten, von denen die Jugendlichen berichten wollten, auch beim Zuschauer ankamen. Das ist eine der Hauptbotschaften des Stücks: Jedes Leben ist wichtig, und jedes Leben ist wertvoll und interessant.

Die Szenographie war bei diesem Stück minimal: der graue Kasten, in den wir am Anfang gegangen waren, verklärte sich im Laufe des Stücks, und auf den Wänden wie auf dem Boden tauchten Projektionen, Skype-Sitzungen und Video-Art auf. All dies kommentierte die Vorgänge auf der Bühne und belebte die Handlung, lenkte aber die Aufmerksamkeit nicht von den Hauptfiguren des Stücks ab. Die Teilnehmer aus Deutschland verwendeten auf der Bühne Masken und zwei „Boote“ für Schattentheater-Szenen. Die Schiffe standen wie eine straffe Leinwand zwischen weißen Flüssen da, die wiederum wie Segel zusammengelegt wurden. In einer der Szenen spielten die Jugendlichen Millionäre, die auf dem „Schiff für Millionäre“ mitfahren wollen. Diese Szene ist eine spielerische Antwort des Theaters auf eine andere Szene, in der einer der deutschen Teilnehmer davon erzählt, wie er und sein Bruder auf alten, halb auseinanderfallenden Kähnen illegal über den Bosporus gekommen sind. „Wie würde ich mir wünschen, dass wir unser eigenes Schiff hätten – ein Schiff für Millionäre!“, ruft der Darsteller. Auf diesem Wasserweg starben Tausende von Flüchtlingen, starb auch der Bruder dieses jungen Mannes, und doch wurde das Schiff zum Symbol für eine neue, glückliche Zukunft.

Die Masken wurden in einer Szene verwendet, die auf einem real stattgefundenen Gespräch zwischen Dschamal, einem somalischen Flüchtling, und seiner Lehrerin beruht. Die Schüler bastelten in der Klasse Masken, und Dschamal zeichnete auf seine Maske Symbole politischer Parteien. Die Lehrerin sprach über die Unvereinbarkeit von Theater und Politik, davon, dass das Theater ein neutrales Territorium sei, auf dem es keinen Platz für Politik gäbe, doch durch seine Handlung führte Dschamal dies ad absurdum und wurde zu etwas „Politischem“. Die Lehrerin bot ihm eine neue Maske an. Während des Gesprächs leuchten die Masken der anderen Teilnehmer durch das Segel, und diese wiederholten immer wieder: „Dschamal ist Politik.“ Die vagen Schatten, die an einen Chor aus der antiken Tragödie erinnern, sind wie eine Art Aussegnung all derer zu begreifen, die dazu gezwungen sind, aus ihrem Land zu fliehen und somit zu Opfern der Politik zu werden.

Viele der Geschichten, die im Stück erzählt wurden, haben mich berührt, doch der beeindruckendste Moment war die fröhliche Vereinigung der Zuschauer mit allen Mitwirkenden des Stücks im Abschlusstanz. Dieses Gefühl von Glück und auch einer gewissen Versöhnung hat alles übertroffen.

Anastasija Jakowlewa
Was ist Tanz? Jedes Volk hat seinen Nationaltanz. Aber kennen Sie persönlich diese Tänze? Statistiken belegen, dass das in der Regel nicht der Fall ist. Doch die Teilnehmer von „Ziel des Besuchs“ kennen sie, und sie tanzen. Für sie wurde der Tanz viel mehr als nur eine Bewegung des Körpers zur Musik. Er ist ihre Art, Probleme und Bitterkeit zu vergessen, unbeschwert und leicht wie Schmetterlinge zu sein. So ist es nicht erstaunlich, dass innerhalb des Stücks gerade durch den Tanz alle nur denkbaren Grenzen aufgehoben wurden: die der Nationalität, der Sprache, des äußeren Erscheinungsbildes, die Unterschiedlichkeit der Kulturen und Glaubensrichtungen. Und das ermöglicht eine absolute Freiheit.

Alexandra Oltarschewskaja
Grenzen und Begrenzungen – mit diesen Begriffen haben wir täglich zu tun. Aber was bedeuten sie? Am Projekt haben Menschen mitgewirkt, die viele Grenzen überwunden haben und doch ein durchgehend begrenztes Leben führen. Und im Stück „Цель визита/ Zwischenraum“ wird die Idee der Grenze zwischen dem Menschen und den Bedingungen um ihn herum, zwischen Städten, Ländern und Möglichkeiten sichtbar; ebenso das Thema der Grenze in den Beziehungen zwischen Menschen.

Im Raum des Stücks ist die Rede davon, dass es keine Grenzen gibt – keine Grenzen zwischen der Bühne und dem Leben – und deswegen gibt es auch so etwas wie eine Bühne nicht. Die Zuschauer sitzen auf dem Boden oder auf Treppen, die kreisförmig im Saal aufgestellt wurden. Zu Beginn des Stücks zeichnet ein Mädchen Grenzen auf einem Stück Pappe auf und formuliert die Idee ihrer vollständigen Auflösung: Sie beginnt eine Linie auf dem Papier und führt diese auf dem eigenen Körper weiter. Das Thema wird in der Szene „Pässe“ fortgesetzt, in der die Hauptfiguren des Stücks, Menschen mit Migrationshintergrund, Texte zu Pässen sprechen – und wir nach und nach verstehen, dass das nicht ihre eigenen Texte sind, sondern die anderer Zuwanderer.

Überhaupt überwinden wir im Laufe des Stücks unablässig Grenzen, gemeinsam mit den Menschen auf der Bühne – Grenzen der Sprache (viele der Teilnehmer kommen aus dem Ausland, und im Stück werden viele unterschiedliche Sprachen gesprochen), und Grenzen für das Verständnis des Anderen.

Alexandra Kokanina
Schauspieler in Masken liegen auf dem Boden, danach stehen sie einer nach dem anderen auf, nehmen die Masken ab, stellen sich vor und erzählen uns, wovon sie träumen. So scheint es jedenfalls – denn was ist das? Jeder von ihnen spricht in seiner Muttersprache. Es erklingen arabisch, Somali, deutsch, polnisch, aserbaidschanisch, tadschikisch, armenisch, chinesisch und viele andere Sprachen. Für die Zuschauer, die zum größten Teil russisch sprechen, ist nicht einmal die Hälfte des Gesagten verständlich. Es ist ja oftmals im Leben so, dass wir nicht verstehen, was andere von uns wollen. Wenn wir uns voneinander unterscheiden, wenn wir „unterschiedliche Sprachen sprechen“ (wobei wir dazu nicht zwangsläufig in verschiedenen Ländern leben müssen), dann versuchen wir nicht einmal, gemeinsame Worte zu finden. Wir teilen Menschen einfach nur in „welche von uns“ und „welche von woanders“ ein.

Mir scheint, dass der Grundgedanke des Stücks genau hierin besteht. Wir kleben Etiketten auf Menschen, von denen wir nicht einmal wissen, wie sie heißen.

Kommentare

Michail Patlasow
Künstlerischer Leiter des Projekts „Цель визита. Zwischenraum”
Ich habe früher schon mit Jugendlichen gearbeitet – natürlich hatten die keinen Migrationshintergrund. Das Wichtigste, was ich dabei gelernt habe, ist: es gibt keine Grenzen. Diese Jugendlichen sind genauso kreativ, interessant und voller Energie wie alle anderen. Ich würde mir wünschen, dass ihnen unser Projekt dabei hilft, Selbstachtung zu gewinnen und sich in der russischen Gesellschaft wohl zu fühlen. Denn all ihre Bemühungen laufen ja in dem einen Punkt zusammen, sich vor den Aggressionen, die sie umgeben, schützen zu müssen.

Übrigens betrifft dieses Problem nicht nur Zuwanderer. Bei uns gibt es ja allgemeinhin eine voreingenommene Einstellung gegenüber jungen Leuten. Den stärksten Alltagsfaschismus finden wir gegenüber Heranwachsenden. Das darf nicht sein, das können die nicht machen, das ist gefährlich, so sollten sie nicht denken. Dieses Problem wird nicht benannt, aber es existiert. Bei uns ist ein Xavier Dolan, der schon mit 16 ein anerkannter Regisseur und Star war, unmöglich – weil die Jugendlichen hier nicht diese Freiheit der teilnehmenden Beobachtung haben, und kein Selbstvertrauen.

Ich habe es ein weiters Mal geschafft, mir selbst zu beweisen, dass, wenn man jemanden nicht zu etwas drängt, ihn nicht für Verspätungen maßregelt, nicht bestraft, nicht begrenzt, nicht piesackt, dass er dann… zuerst einmal natürlich erschrickt. Das ist bei uns mit den „Angebern“ so gewesen, die sind einfach für eine gewisse Zeit verschwunden, weil wir professionelle Künstler in das Training mit eingebunden haben und ihnen das Angst gemacht hat. Aber danach sind sie wiedergekommen, sogar zwei Stunden zu früh, und haben auf die Probe gewartet. Das funktioniert, das ist möglich, und wir haben es bewiesen. In einem gewissen Sinne hat das sogar auf die „schwer Einschätzbaren“ zugetroffen, und in einem weiteren Projekt von mir auf Studierende. Drei solche Fälle – das ist ja schon ein System. Eine solche Erfahrung wird zum Anlass für die ernsthafte Arbeit an sich selbst: Was hätten diese Jugendlichen wohl aus dem Projekt mitgenommen, wenn wir sie einfach nur in eine vorgegebene Struktur eingebunden hätten? Gar nichts. Und so haben sie diese Geschichte selbst geschrieben. Sie verdienen unseren Respekt, und wir ihren. Und das ist für mich das Allerwertvollste.

Anna Junyschewa
Regisseurin und Theaterpädagogin, Gründerin des Kultur- und Sozialprojekts Zwischenraum

Meine persönliche Geschichte begann mit der Emigration nach Deutschland im Jahr 1991. Ich habe selbst den Weg zurückgelegt, den viele unserer Teilnehmer jetzt gehen. Die Tatsache, dass ein solches Projekt heute in Deutschland möglich ist, ist eine enorme Errungenschaft der demokratischen Gesellschaft.

Als ich das Projekt 2014 gerade erst gegründet hatte, war es für mich sehr wichtig, jungen Menschen mit einer Migrationsvergangenheit zu zeigen, dass sie mehr Möglichkeiten haben, als sie es sich selbst vorstellen können. Meine Erfahrung hat mir recht gegeben: ich habe viele an diesem Problem interessierte Menschen getroffen und selbst viel von den Jugendlichen gelernt, mit denen ich arbeite.

Ich würde mir wünschen, dass die Teilnehmer nach diesem Projekt neue Freunde aus der ganzen Welt haben. Die Bedeutung solcher Zusammentreffen besteht darin, dass die Jugendlichen einander kennenlernen, sich unterhalten, weggehen und zusammen tanzen – damit sie sich anfreunden und keine Angst voreinander haben.

Genauso möchte ich, dass sie wissen: Es gibt Orte, an denen man ihnen mit Verständnis begegnet, ihnen die Möglichkeit gibt, von sich zu erzählen und anderen zuzuhören; an denen sie ohne Zurückhaltung mit der Gesellschaft kommunizieren können, und die Gesellschaft mit ihnen. Und dass das Theater ein solcher Ort sein kann.

Während unseres Aufenthalts in Petersburg hatten wir viele interessante Erlebnisse. Am allerersten Tag gab es die sehr starke Szene, in der sich die Jugendlichen zum ersten Mal getroffen haben. Bis dahin hatten wir viele Monate lang per Skype geprobt, und natürlich fieberten alle der Ankunft in diesem unbekannten Russland, und den Live-Proben entgegen. Aber man hielt uns an der Grenze auf, und wir waren fast drei Stunden lang mit dem Ausfüllen von Dokumenten beschäftigt. Als unsere und die russische Gruppe nach dieser langen und nervenaufreibenden Wartezeit dann endlich aufeinander trafen, fielen die Jugendlichen einander mit solcher Freude und Neugierde in die Arme! Sie lernten sich kennen und plapperten auf allen Sprachen gleichzeitig!


Übersetzung: Anna Brixa

Copyright: Goethe-Institut Russland

Juni 2017
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Daria.Kononez@stpetersburg.goethe.org