Projekt von Yahor Surskij (Belarus)

Das Thema der Künstler-Emigration ist aktuell für Belarus. Unter den prominenten Kulturvertretern der benachbarten Länder befinden sich nicht wenige unserer Landsleute. Es hat sich geschichtlich so ergeben, dass viele talentierte Menschen aus unserem Land sich im Kontext eines anderen kulturellen Prozesses schöpferisch verwirklicht haben. Das Lebenswerk dieser Künstler, das zum kulturellen Erbe anderer Länder wurde, ist nur unzureichend in der historischen Heimat der Künstler vertreten und darum nur unvollständig in das System der nationalen Kulturgüter des Landes integriert. Auf der anderen Seite ist die Rückführung ihres Erbes (Kunstrückführung) unvermeidlich: die belarussische Stadt Witebsk ist weltweit als die Heimat Marc Chagalls bekannt, die Ereignisse in Adam Mickiewiczs Epos „Pan Tadeusz“ spielen in Nawahradak… Diese Aufzählung könnte ins Unendliche fortgeführt werden; die Verbindung zur Heimat kann im Werk eines jeden Künstlers nachgespürt werden.
Heute kann man Dutzende von Namen belarussischer Künstler nennen, die in anderen Ländern leben und arbeiten. Die Frage der nationalen Identität, die heute nicht mehr so schwer wiegt, erlaubt den Künstlern, sich ganz unterschiedlich zu positionieren. Dieser Aspekt schließt die Relativität der Definition „belarussisch“ oder „deutsch“ ein, doch was die Erinnerung und die Geschichte betrifft, so bleiben die Fäden zwischen uns und ihnen, die vom Kontext völlig unabhängig sind, dennoch bestehen.
Während unserer Reise nach Deutschland standen Künstler, die in Berlin und Düsseldorf leben, im Fokus unseres Interesses. In Berlin trafen wir uns mit Igor Kashkurevich, Alexander Rodin, Alexander Komarov. In Düsseldorf besuchten wir Andrei Dureika, Maxim Wakultschik, Janna Grak, Oleg Yushko, Anna Sokolova, Gleb Shutov und trafen uns mit Maxim Tyminko und Egor Galouzo.
Im Verlauf der Gespräche mit den Projektteilnehmern aus Belarus, zu denen junge Forscher gehörten, kamen aktuelle Fragen im Zusammenhang mit dem Schaffen der Künstler, den Möglichkeiten der schöpferischen Selbstverwirklichung, die spezifische Beziehung zur Kunst und die Kunsterziehung in Deutschland, die Perspektiven der Kunstentwicklung in Belarus und viele andere Themen zur Sprache.
Von der Bildung einer ausgeprägten Gemeinde oder Diaspora unserer Künstler in Deutschland kann man nicht unbedingt sprechen, allerdings stehen die Künstler miteinander in Verbindung, viele sind in gemeinsame Projekte involviert und verfolgen auch das Geschehen im künstlerischen und politischen Leben von Belarus. Viele von ihnen würden sich gerne an Ausstellungsaktivitäten in ihrer Heimat beteiligen.
Wir werden uns bemühen, die Ergebnisse unserer Reise in verschiedenen interaktiven Formaten Ende November vorzustellen, um auf diese Weise die im Rahmen unserer Reise gewonnenen Erfahrungen im belarussischen kulturellen Kontext zu integrieren und unserem Publikum die künstlerischen Realitäten und Prozesse in Deutschland sowie die künstlerischen Interessen der Künstler selbst und ihre Beziehung zur historischen Heimat vorzustellen.









