Projekt von Anastasiia Zhivkova (Ukraine)

Die erste Veranstaltung auf dem Programm des Projekts „Kulturzentrum H4B“ war der Besuch von Regina Jost, Spezialistin für architektonische Planung und Vorsitzende des Architekturbüros „Atelier Borgelt + Jost“.
Regina Jost traf sich mit dem Projektteam, machte sich mit der Projekt-Dokumentation vertraut und besichtigte das Gebäude in der Straße Grushevskogo 4B sowie das umliegende Territorium. Am 6. September 2011 wurde eine allgemeine Versammlung aller Nichtregierungsorganisationen, die für den Schutz des Hauses eintreten, abgehalten. Am 8.09.2011 hielt Frau Jost im Kiewer Architekten-Club einen Vortrag für Fachkräfte, zivile Aktivisten und Kunstschaffende zum Thema „Neue Nutzung historischer Architektur – Von Bauarbeiten an bestehenden Gebäuden“. Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde die Frage des Verschwindens der Altstadt sowie der Beziehungen zwischen den Behörden und städtischen Organisationen, die sich für den Erhalt von Architekturdenkmälern und einer angemessenen Politik auf dem Gebiet der Stadtplanung einsetzen, aufgeworfen. Als Ergebnis ihres geschäftlichen Aufenthalts fertigte Frau Jost ein Gutachten der Bausubstanz an und lieferte Text- und Grafikvorschläge für die Strategie zur Erhaltung des Gebäudes. Außerdem versprach sie, ihre Architekturkollegen und Spezialisten für den Schutz des kulturellen Erbes in Deutschland von dem Projekt in Kenntnis zu setzen.
Die zweite planmäßige Veranstaltung im Rahmen des Projekts „H4B“ war eine Pressekonferenz zum Thema „Perspektiven für die Erhaltung und Umgestaltung der Hofanlage und des Hauses in der Straße Grushevskogo 4B“, die am 30.09.2011 im Präsentationsraum der Buchhandlung „Є” abgehalten wurde.
Der Zweck der Pressekonferenz war es, die Öffentlichkeit und die Medien über die Hintergründe, die Ziele und das Programm des Projektes zu informieren. Neben den Projektkoordinatoren nahmen Vera Bagaliantz (Leiterin des Goethe-Instituts Ukraine), Alexander Dyadyuk (Jurist, Menschenrechtler und Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation „Kiewer, vereint euch!“), Alexander Briginets (Vorsitzender des Kiewer Stadtrates für Kultur und Tourismus), Oles Doniy (Historiker, Volksabgeordneter der Ukraine) und Olga Glotka (Leadsängerin der Gruppe „NagolosNagolos“, Teilnehmerin des Festivals „H4B“) an der Pressekonferenz teil.
Behördenvertreter, die auf der Pressekonferenz anwesend waren, haben versprochen, sich künftig um das Schicksal des Hauses zu sorgen und zu seiner Erhaltung sowie Umgestaltung in ein soziokulturelles Zentrum beizutragen.
Die dritte Veranstaltung war das zweitätige Festival „G4B Fest“ im Innenhof des Gebäudes in der Straße Grushevskogo 4B.
Den Beginn des Festivals bildete die Eröffnung der Ausstellungen „Die Außenseiter“ (Anton Hauk; Kiew, Straßenfotographie), „Zoologischer Optimismus“ (Charkiw, Elena Solop, Malerei und Plastik), „Archaeo-Essays“ (Elena Bulavko und andere Architekten, Konstruktionszeichnungen zur Gestaltung des Außenbereichs des Kulturzentrums) und „Divograd“ (Kiew, Angelica Rednitskaya, Grafik). Die Ausstellungen verliefen unter der Teilnahme der Organisatoren (Nichtregierungsorganisation „Kunst-Plattform“, Goethe-Institut) im Hofbereich.
Der bekannte Vertreter der ukrainischen alternativen Poesie, Artem Polezhaka aus Charkiw, verkündete in seiner Rolle als Moderator den Beginn des Poetry Slam. An dem Konkurs nahmen jungen Dichter aus Donezk, Kiew, Lemberg und Charkiw teil. Die Zuschauer-Jury kürte in drei Etappen den Sieger – Sascha Demchenko, einen Dichter aus Donezk.
Am Ende hat der Künstler Evgeny Nasadyuk das Konzept seiner Performance „Blick von oben“ erläutert. Nasadyuk verbrachte 24 Stunden auf Brettern, die in vier Metern Höhe über dem Hof angebracht waren, und konnte auf diese Weise das Haus samt Hof und angrenzendem Hügel als eine Einheit überblicken und dabei beobachten, wie das Territorium zu verschiedenen Tageszeiten genutzt wird.
Nachdem die Performance „Blick von oben“ um 17.00 Uhr beendet war, begann ein Konzert mit Bands aus verschiedenen Städten der Ukraine: Des Tam Sam, Illusions, Intellekt, Teni V Raju, Sviter, Paul Graneck, Komissija und Byk.
Der zweite Tag des Festivals begann mit einem morgendlichen Aufwärmen im Rahmen des Workshops „Prestidigitation“ von Sergej Ermakov, bei dem der Referent Techniken zum Aufwärmen auf der Straße in der Stadt demonstrierte. Dieser Workshop bildete den Auftakt zu einer Reihe von Seminaren zum Thema „positive Stadtpraktiken“.
Der Grafiker Igor Stepanov demonstrierte bei seinem Workshop „Straßenkalligrafie“, wie man in kürzester Zeit bunte Slogans gestalten kann. Im Ergebnis wurden die Wände mit dem Plakat „HÄUSER NICHT abreißen!“ dekoriert.
Maria Lebedeva hat in Form eines Picknicks eine Maßnahme zum Schutz des Lebensraums innerhalb des Stadtpflasters vorgestellt und bot damit einen friedlichen Effekt, indem sie die Idee einer „Stadt für die Menschen“ propagierte.
Die Juristin Evgenija Zakrevskaya sprach darüber, wie man mit Vertretern der Machtstrukturen kommuniziert und dabei Konflikte vermeidet und Kompromisse erreicht.
Der Workshop von Alina Stoga zum Thema „Upcycling“ bot Gelegenheit zu lernen, wie man neue Verwendung für weggeworfene Dinge findet.
Die Aktivistinnen der Radfahrer-Vereinigung von Kiew, Xenia Semenowa und Irina Bondarenko, sprachen darüber, wie man mit Hilfe von Fahrrad-Parkplätzen und anderen Einrichtungen zur Reduzierung der Fahrzeuggeschwindigkeit die Stadt lebensfreundlicher gestalten kann und schenkten dem Haus in der Straße Grushevskogo ein städtisches Kunstobjekt in Gestalt eines aus Schrottteilen gebauten bunten Fahrrads.
Nach dem Workshop fand die Performance „Kak by“ der Art-Gruppe TanzLaboratorium statt. Die in weiße Overalls gekleideten Künstler bewegten sich langsam einen Hügel hinauf, während sie die Fäden der „offenen Möglichkeiten“ hinter sich her zogen und auf diese Weise das umliegende Territorium in ein „Art-Umfeld“ umgestalteten.
Abends fand ein Konzert mit den Gruppen Misty Band, Gapochka, Zapaska, Jt Fresh, NagolosNagolos und Nameless statt. Den glühenden Schlussakkord bildete eine Feuershow.
Mehr als 150 Besucher genossen die ungezwungene Atmosphäre des „H4B“-Festes und bestätigten damit den Veranstaltungsort in seiner Rolle als Begegnungsraum der Zivil- und jungen Kulturelite. Das Festival erhielt positive Kritiken in den Medien und der Blogosphäre.
Die Abschlussveranstaltungen des Projektes fanden im Rahmen des geschäftlichen Aufenthaltes von Linda Cerna, der Pressesprecherin und Koordinatorin des Berliner Kunsthauses Tacheles, statt. Am 4. und 5. Oktober 2011 lernte Linda Cerna das Projektteam kennen, besichtigte das Haus und traf sich mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, die sich für den Erhalt des Hauses einsetzen. Am 6.10.2011 standen gleich zwei Veranstaltungen auf dem Programm - eine Diskussion über die Notwendigkeit / Möglichkeit / Realisierbarkeit (eines weiteren?) nichtkommerziellen Kulturzentrums in Kiew. Das Gespräch fand in den Räumlichkeiten der Stiftung „Zentrum für Zeitgenössische Kunst“ in der Shchekavitskaya Straße 34 statt. Die Teilnehmer waren Nadezhda Parfan, Anna Hwil und Julia Baganova – Kuratoren, die an der Entwicklung der Gesellschaft mittels Organisation nichtkommerzieller Kulturveranstaltungen arbeiten. Danach fand in der Aula des Goethe-Instituts der Vortrag von Linda Cerna „Kunsthaus Tacheles, Berlin – 21 Jahre selbstorganisierter gesellschaftsnützlicher Kulturarbeit“ mit anschließender Diskussion statt. Zum Vortrag kamen etwa 30 Besucher.
Auf der Grundlage der Ergebnisse ihres Aufenthalts hat Linda Cerna einen Vorschlag zum Betrieb des Hauses als Kulturzentrum vorgelegt.
Die kurzfristigen Ziele des Projekts können angesichts der positiven Resonanz in den Medien und der Blogosphäre als erreicht betrachtet werden. Darüber hinaus wurde mit der weiteren Entwicklung der Projektideen unter der Beteiligung von Kunstschaffenden und Personen des öffentlichen Lebens begonnen. So hat das Haus kurz nach Abschluss der Veranstaltungen im Rahmen des Projektes seine Funktion als soziokulturelles Zentrum weiterentwickelt: in den Räumlichkeiten sind mehrere Wandmalereien entstanden, eine Woche lang arbeitete ein „Upcycling“-Atelier und es fand eine Reihe von Filmvorführungen statt.
Zusätzliche Information über das Projekt:









