Schultheaterfestival 2006: Pressespiegel

Zweiter Durchgang des regionalen Schultheaterfestivals in deutscher Sprache



Das Theater beginnt mit dem Deutschunterricht - „Spielen, Sprechen, Lernen“ - 9. bis 10. März 2006

Die Schüler in St. Petersburg lernen Deutsch, eine Sprache, in der sie auch Theaterstücke aufführen.
Am Haupteingang des Anitschkow-Palastes sitzt ein strenger Wächter:
„Fräulein, wohin wollen Sie“
„Zum Schultheaterfestival“, sage ich in Eile und laufe in den dritten Stock. Im Kinosaal wird schon fotografiert und durch den Vorhang kann man die jungen Schauspieler sehen. Die Lehrer benennen die Schüler, die für das Fotografieren verantwortlich sein sollen. Eine Frau geht an mir vorbei und sagt: „Na, dann wollen wir mal mit dem Festival beginnen“ Und der zweite Durchgang des Regionalfestivals beginnt. Am ersten Durchgang haben die Schüler der unteren Klassenstufen teilgenommen, jetzt stehen die älteren auf der Bühne.

Das Festival findet bereits zum zehnten Mal unter dem Motto „Spielen, sprechen, lernen“ statt. Schon bei dem Programm für die erste Hälfte des Festivals in diesem Jahr konnte man spüren, dass es sich nicht um Schulstücke in der Aula handelt. Die Jugendlichen sind gut aufeinander abgestimmt. Sie spielen die einzelnen Stücke mit viel Herz und leihern die Texte nicht einfach herunter. Verzögerungen beim Aufbau der Bühne gibt es auch nicht. Die Stücke sind nicht sehr lang – bis zu 30 Minuten. Jedes hat seinen ganz besonderen Höhepunkt.

Mit ihrer Eigendichtung „Was haben sie mit dem Regen gemacht?“ schaffen es die Teilnehmer aus Murmansk, eine wunderschöne Aufführung zu inszenieren. Sie zeigen ein engagiert gespieltes Stück zum Thema Umweltschutz: Kinder, die während eines verregneten Nachmittags zusammen sitzen und vor lauter Langeweile zunächst einen Schmetterling fangen, beginnen über ihre Umwelt und Ökologie nachzudenken. Hervorzuheben sind bei dieser Aufführung die Kostüme der Schauspieler. Sowohl der Schwan, eindrucksvoll dargestellt mit weißen Haarbändern, die um die Arme gewickelt sind, als auch die Umweltverschmutzung, die der Schauspieler mit an sich befestigtem Müll darstellt, sind der Blickfang des Stückes. Dem Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, das den deutsch-russischen Beziehungen gewidmet ist, haben die Schüler nicht nur die Musik von Grig, sondern auch russische Pop-Hits hinzugefügt. Auf der Bühne werden die böse Königin, geschaffen von den Gebrüdern Grimm, und sieben komische Zwerge wieder lebendig. Es gelingt den Schülern, die Passivität der Rolle von Schneewittchen wiederzugeben. Auch die Schule Nr. 700 hat russische Musik in ihr Stück, „Die Kindheit Mozarts“, eingebaut.

Die Worte von Okudgawa könnten an alle Teilnehmer gerichtet sein: „Lassen Sie die Bemühungen nicht, Maestro!“ Vor den Augen der Zuschauer verwandeln sich die heutigen Jugendlichen, dank Papierkleidern, in Leute aus einer längst vergangenen Zeit. Zu sehen sind nicht nur bekannte Märchen wie „Der Wolf und die sieben Geißlein“, traurige Märchen wie „Die Bremer Stadtmusikanten“ und ein abenteurlich-romantisches Märchen über ein einsames Gespenst, sondern auch bunte Kostüme, durchdachte Charaktermasken, die viel Herz gespielten Rollen und natürlich die Vorführung der Stücke in deutscher Sprache. Beim ersten Durchgang wurden von der Jury keine Platzierungen vergeben, sondern die begabtesten Jugendlichen ausgezeichnet. Begabt, das bedeutet hier nicht nur gut gespielt, sondern auch im Kollektiv gespielt, gut deutsch gesprochen und die jeweilige Rolle originell ausgebaut zu haben. Besonders wichtig sind diese Kriterien am Ende des zweiten Durchgangs. Dann nämlich steigt die Spannung mit jedem Wort der Jury. Bevor die Gewinner verkündet werden, wird an alle Gruppen ein großes Lob ausgesprochen, es werden ein paar Worte über das Theater gesagt und die Bewertungskriterien erläutert. Erst dann wird die beste Gruppe mit einer Fahrt zum Theaterfestival in Bonn ausgezeichnet.

Eine groβe Rolle bei der Würdigung der Teilnehmer spielen die Leiter der Workshops, denn sie entscheiden mit, wer Sieger wird. In 90-minütigen Workshops, so heißt die Neuheit im Programm des Festivals, bekommen die Schüler praktische Tipps, Impulse und Anregungen zu Theatertechniken. Die zweite Neuheit, das so genannte Aufführungsgespräch, muss extra betont werden. Es bietet den Teilnehmern die Möglichkeit ihre Deutschkenntnisse aktiv anzuwenden und sich über ein gesehenes Theaterstück auszutauschen - auch wenn es zunächst schwierig ist. Aber dies war ja das erste Mal.

Auch die Künstler des Kabaretts „Dies“ haben eine gute Vorstellung gezeigt. Nachdem sie die Bühne verlassen und ihre Meinungen zu den Workshops geäußert haben, ist es an der Zeit, die Gewinner des Theaterfestivals zu verkünden. Frau Stieblich, Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts, tritt an das Mikrofon. Die Spannung steigt – eine kleine Pause – der Gewinner ist – wieder Pause – das 1. Gymnasium Murmansk! Freudenschreie im Kinosaal, sich umarmende Jugendliche. Der Preis: eine Reise zum Schultheaterfestival nach Bonn Ende Juni, um das russische Theater auf dem deutschen Theaterfestival zu vertreten. Der Vorhang fällt!

Anna Smoljarowa
Studentin der Journalistik, Korrespondentin der Zeitung „Suglow“

Anitschkow-Palast

Partner des Schultheater-festivals

Der Bundesverband "Theater in Schulen"

„Theater in der Schule muss sein!“