Schultheaterfestival 2013: Pressespiegel

St. Petersburg erobert Deutschland

Mitte März fand das Finale des 17. Deutschsprachigen Schultheaterfestivals in St. Petersburg statt. Sechs Theatergruppen aus St. Petersburg und der Nord-West-Region sowie eine Gruppe aus Serbien, die erste ausländische Theatergruppe in der Geschichte des Festivals, haben in diesem Jahr ihre deutschsprachigen Stücke präsentiert. Als Gewinner des Festivals gingen die Schüler des St. Petersburger Gymnasiums 74 hervor. Die jüngsten Schauspieler des Festivals glänzten mit der Darbietung des Stücks „Die drei Schweinchen“, wofür sie mit dem Hauptpreis, der Teilnahme an einem Schultheaterfestival in Deutschland, belohnt wurden.

Auf der Bühne des TJUTs traten Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 18 auf. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Daniel Ricco, Mitglied des deutschen Konsulats, Dr. Barbara Frankenberg, stellvertretende Vorsitzende des Goethe-Instituts und Maria Katunova, Leiterin des TJUTs. Nach den Eröffnungsreden stellte der Moderator die Teilnehmer sowie die Jury vor, deren Mitglieder unter anderem Regisseur Evgenij Sasonov, Methodistin der Akademie für postgraduale pädagogische Bildung Larisa Nikitina und Fachreferent für Darstellendes Spiel in Hamburg und Vorstandsmitglied im Bundesverband Theater in Schulen Gunter Mieruch waren. Herr Mieruch berichtete uns darüber, nach welchen Kriterien die Beurteilung der Theatergruppen erfolgte: „Es gibt präzise Kriterien: Deutsche Sprache (Tempo, Betonung, Aussprache), szenische Darstellung, Dramaturgie, Requisiten, Kostüme und Gegenwartsbezug des Stückes. Und nicht zuletzt ist auch die Einbindung einzelner Teilnehmer in den Ge-samtprozess von Wichtigkeit.“

Der erste Tag des Festivals wurde durch farbige Dekorationen und bunte Kostümen gekennzeichnet. Die Gruppen präsentierten Stücke aus Kinderbüchern, wie „Alice im Wunderland“ und „Drei Schweinchen“. Unabhängig davon, dass die Teilnehmer alle unter 12 waren, gelang ihnen eine hervorragende sprachliche Leistung. Am nächsten Tag wurden auf der Bühne ernsthafte Themen behandelt, in denen es z. B. um Ökologie und soziale Probleme ging. Eine Gasttruppe des Gymnasiums Jovan Jovanovic Zmaj aus der serbischen Stadt Novi Sad schloss das Event mit dem Stück „Drei Wochen drüber“ nach Hans Georg Kraus ab.

Nach den Aufführungen berichtete Natalia Bojkova, Koordinatorin des Projektes und Mitarbeiterin des Goethe-Instituts St. Petersburg über die Hauptziele des Festivals und über Veränderungen gegenüber den Vorjahren: „Unsere wichtigsten Ziele sind es, den Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit zu eröffnen, den routinierten Verlauf des Fremdsprachenerwerbs spielerisch zu gestalten und einen Selbstfindungsprozess durch Verkörperung theatralischer Charaktere einzuleiten. Die zweite Aufgabe ist umfassender als die erste. Ein Festival ist wie ein lebendiger Organismus, er muss sich stets verändern und den Kindern somit neue Möglichkeiten gewährleisten. Dieses Jahr gab es zwei Veränderungen: wir hatten Gäste aus Serbien und die Veranstaltung wurde zum ersten Mal auf einer professionellen Bühne ausgetragen.“ Diese Umstellung ist an den Teilnehmern nicht vorbeigegangen: „Der größte Unterschied zwischen diesem und letztem Jahr ist ganz klar die Bühne! Und mit ihr veränderte sich die Wahrnehmung des Geschehnisses, der Atmosphäre. Hier halfen uns die Fachkräfte, Licht und Ton richtig einzustellen, sodass wir uns auf unser Theaterstück konzentrieren konnten“ berichteten die Teilnehmerinnen des Festivals aus der Theatergruppe „Mosaik“ der 159. Schule.

Jedes Jahr werden im Anschluss für die Teilnehmer Aufführungsgespräche und Workshops durchgeführt. Darüber berichteten die Schüler aus der 222. Schule: „Es gefällt uns sehr, dass wir hier etwas Neues lernen können. Die Leiterinnen und Leiter lehren uns, sich auf der Bühne richtig zu bewegen, üben mit uns theatralische Rhetorik und zeigen, wie sehr das richtige Bühnen-Make-Up die Wirkung steigert. So wie alle älteren Gruppen nehmen auch wir an den Aufführungsgesprächen teil. Dort kommen Spielleiter, Schauspieler und Eltern der kleinen Teilnehmer zusammen und diskutieren über die gesehenen Vorführungen. Die Gespräche helfen uns, unsere Fehler zu sehen und diese zu reflektieren. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass die Meinung der Diskussionsteilnehmer sich nie auf die Entscheidung der Jury auswirkt.“

Dieses Jahr gewann die Gruppe „Schnappi“ aus dem 74. Gymnasium mit ihrem Stück „Drei Schweinchen“. Die Zuschauer und Jury ließen sich vom originellen Humor und der ungewöhnlichen Interpretation sowie den neuartigen Charakteren begeistern. Auch die musikalische Begleitung am Klavier bekam sehr viel Lob. Schon sehr bald werden die Gewinner ihre Reise nach Deutschland antreten, um dort, auf dem Hamburger Schultheaterfestival St. Petersburg zu vertreten.

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„Поколение“ (Generation)
25.04.2013
Ausgabe Nr. 143

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„Theater in der Schule muss sein!“