Veranstaltungskalender

„Kunst und Geld“

Vortrags- und Diskussionsforum

Kunst
3./4. Oktober 2013, 17.30 Uhr
Staatliches Zentrum für zeitgenössische Kunst (NCCA), ul. Zoologitscheskaja, 13–2, Moskau
Sprache: Deutsch und Russisch mit Simultanübersetzung
Eintritt frei!
Information:
Tel. +7 903 7751217
lisa.welitschko@moskau.goethe.org
© colourbox.com© FotoliaGegenwartskunst sei der Spiegel ihrer Gesellschaft und ihrer Epoche, haben wir in den sechziger und siebziger Jahren gelernt, ein kreatives kulturelles Ideenlabor, das seine Zeit kritisch beleuchte. Aber stimmt das wirklich noch?

Zeitgenössische Kunst ist heute sichtbarer und durchsichtiger als je zuvor. Sie ist verständlicher und nicht mehr nur im Bildungsbürgertum anerkannt und akzeptiert, sondern quer durch alle Klassen und vor allem bei der Jugend, für die sie wesentlicher Bestandteil der Pop-Kultur geworden ist: Berühmte Künstler haben den Status von Rockstars. Die Gegenwartskunst ist Leitkultur geworden, nicht mehr Untergrund oder elitäre Nische, hinterfragt nicht unseren Alltag, sondern formt ihn, von der massenmedialen Werbung zu Lifestyle und Mode, vom öffentlichen Raum und zum innenarchitektonischen Design. Der sogenannte Kunstbetrieb ist wirklich ein Betrieb geworden, illegales schwarzes und legales Geld strömt, es wird in noch nie gewesenem Masse Kapital angelegt. Gleichzeitig problematisiert kaum ein Künstler diese Entwicklung und seinen eigenen Broterwerb, etwa indem er nach einer gesellschaftlichen Relevanz von Gegenwartskunst in Zeiten der Kapitalexplosion fragt.

In unserem Forum soll es um die Wechselbeziehung der Gegenwartskunst mit dem Geld gehen; um die Steuerung der Geldströme und darum, welche Rolle Kuratoren, Galeristen, Auktionshäuser dabei spielen. Kunstexperten, Künstler und andere Akteure des deutschen und russischen Kunstbetriebes diskutieren über die wachsende Rolle privaten Kapitals in Zeiten globaler Kapital-Explosion in einem kulturellen Bereich, der Gegenwartskunst, der unseren Alltag prägt wie nie zuvor. Dabei steht vor allem der neue Typ des Kunst-Unternehmers im Fokus, der aus Kunst Kapital macht und sich Kontrolle über die gesamt Wertschöpfungskette verschafft - von der Schaffung der Kunstwerke bis hin zu deren Verkauf und Weiterverkauf.

Programm

03.10.2013 
 
17.30–19.00
Eröffnung, Begrüßung (Leonid Baschanow, Dr. Wolf Iro)
Historische Einführung zur Bedeutung des Geldes für die Ware Kunst (Hans Peter Schwerfel)
19.00–20.00
Diskussion - Intervention des Geldes in verschiedene Bereiche des Kunstbetriebes: Privatmuseen und –sammlungen (Sergej Gridtschin, Wassilij Tsereteli), Galerien (Natalia Tamrutschi, Volker Diehl)
20.00–20.30 
PAUSE
20.30–21.30
Präsentation des Künstlers Christian Jankowski

04.10.2013 
 
17.30–18.30Arbeiten bekannter deutscher Künstler in Zusammenhang mit dem Thema „Kunst und Geld“: Joseph Beuys, Hans Haacke, Andrea Fraser, HP Feldmann u.a. (Hans Peter Schwerfel)
18.30–19.00
Analyse des Kunstmarktes in Russland (Daria Pyrkina)
19.00–20.00Diskussion - Intervention des Geldes in verschiedene Bereiche des Kunstbetriebes: Auktionshäuser (Ekaterina Mc´Douglas, Auktionshaus Mc´Douglas; Michail Kamenskich, Auktionshaus Sothebey´s, Anna Lipskaya, Skate’s Art Market Research)
20.00–20.30 
PAUSE
20.30–22.00
Filmvorführung: The Great Contemporary Art Bubble (2009), Regisseur: Ben Lewis

Heinz Peter Schwerfel (geb. 1954 in Köln). Studium der Philosophie und Kunstgeschichte in Aachen und Paris (Sorbonne IV). Ehemaliger politischer Redakteur bei der AFP, danach freier Kulturjournalist und stellvertretender Chefredakteur des Kunstmagazins ART. Gründer der HPS-Films und der Artcore Film GmbH. Autor, Regisseur und Produzent von Portraits zeitgenössischer Künstler (Georg Baselitz, Rebecca Horn, Bruce Nauman, Jeff Koons, Anish Kapoor u.a.), sowie von Dokumentarfilmen zu Kunst und Design. Kunstkritiker und Autor von Kunstbüchern (Baselitz, Kunst in Paris u.a.). 2002 -2009 Gründer und künstlerischer Leiter der Kölner KunstFilmBiennale.

Schwerfels Artikel „Die Kunst als Kapital“ diente als Ausgangspunkt für das Projekt Kunst und Geld. Der Text wurde ins Russische übersetzt und als Broschüre erschienen, die im Rahmen der Veranstaltung präsentiert wird.

Christian Jankowski (* 1968 in Göttingen) ist ein deutscher Künstler in der Konzeptkunst, Videoinstallation und Inszenierung von Rollenspielen. Seine Videoproduktionen, Filme, Fotografien und Installationen beschäftigen sich mit der Beziehung zwischen den Künstlern, den Kunstinstitutionen, den Medien und der Gesellschaft. Dem Kunstmuseum Stuttgart zufolge „nutzt [er] die Formate der Massenmedien, um mit hintergründigem Humor die Rolle von Kunst, Politik, Entertainment, Wirtschaft und globalen Vermarktungsstrategien zu hinterfragen …”.

Nachdem er Anfang der neunziger Jahre für das Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg abgelehnt wurde, besuchte er gemeinsam mit Jonathan Meese und John Bock die Vorlesungen ohne Studienzulassung als „Schwarzhörer”. Als Beitrag zur Biennale Venedig reichte Jankowski 1999 eine Videoproduktion ein, in der er mit fünf bekannten, italienischen Fernseh-Wahrsagerinnen telefonierte und die er über seine künstlerische Zukunft befragte. Seine in einem unbeholfenen Deutsch-Italienisch gestellten Fragen, ob er ein berühmter Künstler oder sein Biennale-Beitrag ein Erfolg werde, wurden vieldeutig beantwortet.

In seinem Videofilm „Kunstmarkt TV“, für die Ausstellung 2008 in Stuttgart, ließ Jankowski einen Teleshopping-Moderator auftreten, der dem Betrachter Arbeiten der Künstler Jeff Koons und Franz West in einer Weise offerierte, die sich in nichts von den üblichen Fernseh-Verkaufsaktionen für Fußwärmer oder Schlankheitspillen unterschied. Jankowski hat derzeit eine Professur für Bildhauerei (Installation, Performance, Video) an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Er lebt und arbeitet in Berlin, Hamburg und New York. 2013 erhielt für die Videoarbeit „Casting Jesus“ den Videonale-Preis der Kfw-Stiftung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Jankowski

Ausgewählte Ausstellungen
  • 1995: 46. Biennale Venedig, Identità e alterità – Identity and Alterity, figures of the body 1895–1995
  • 1997: 4. Biennale für zeitgenössische Kunst Lyon
  • 2001: 2. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, Berlin; Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Futureland
  • 2004: Kunstmuseum Bonn, Karaoke-Bar; Hamburger Kunsthalle, Sommerfrische – Künstlervideos mit Espri
  • 2006: Museum der bildenden Künste, Leipzig, 40jahrevideokunst.de – Videokunst in Deutschland von 1963 bis heute; (auch Städtische Galerie im Lenbachhaus, München; Kunsthalle Bremen; K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; ZKM – Zentrum für Kunst- und Medientechnologie, Karlsruhe
  • 2008: Kunstmuseum Stuttgart, Kunstmarkt TV; Museum of Contemporary Photography, Chicago (USA), This Land Is Your Land
Veranstalter
Goethe-Institut Moskau
Staatliches Zentrum für zeitgenössische Kunst (NCCA)
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