Raum für Raum.2010-2011

Wie kann der städtische Raum für Bilder der Moderne geöffnet werden? Wie kann man Plätze und Straßen komfortabel und freundlich gestalten? Kann die Stadt selbst zu unserem gemeinsamen Haus werden, für das der Mensch das Maß darstellt?
All dies ist mit Unterstützung von Künstlern möglich. Kunst, die eigens für öffentliche Plätze geschaffen wurde, wird als Kunst im öffentlichen Raum bezeichnet. Jedes Land, das sich mit dieser Art der Kunst auseinandersetzt, wie z. B. Deutschland, hat dafür eigene Regeln, Organisationen und Künstler, die die städtische Umgebung wohnlich und lebenswert für die Bewohner gestalten, welche wiederum in einem ständigen Dialog mit der Stadt und den Künstlern stehen.
In Russland etabliert sich Kunst im öffentlichen Raum erst seit kurzem, denn moderne Kunst erhält nun auch öffentlich Anerkennung. Neue Künstler stellen ihre Arbeiten vor, die Verwaltung von Städten wird komplexer, die Ansprüche der Bewohner steigen. Daher ist es an der Zeit, sich mit den Erfahrungen von Partnern aus anderen Ländern auseinanderzusetzen, die bereits seit längerem erfolgreich mit der Bevölkerung durch Kunst in öffentlichen Räumen kommunizieren.
Das Goethe-Institut Nowosibirsk initiierte 2010 das Projekt „Raum für Raum“, das dem Erfahrungsaustausch zwischen Russland und Deutschland sowie der Entwicklung gemeinsamer Initiativen im Bereich von Kunst im öffentlichen Raum dienen soll. Mithilfe dieses Projektes soll sich das Erscheinungsbild unserer Stadt verändern. Wir wollen die Einwohner Nowosibirsks zur Auseinandersetzung mit dem öffentlichen städtischen Raum anregen.
Neben Nowosibirsk nehmen sieben weitere Städte am Projekt teil: Kaliningrad, Uljanowsk, Minsk, Jerewan, Tiflis, Almaty und Taschkent.
Die erste Veranstaltung im Rahmen des Projektes „Raum für Raum“ in Nowosibirsk fand am 2. Juni 2010 im Kulturministerium des Nowosibirsker Gebietes statt. 25 Experten aus den Bereichen der modernen Kunst, Architektur, Design und Kulturpolitik nahmen an einem Runden Tisch über die Präsentation des Projektes teil und diskutierten über Möglichkeiten der Integration des Projektes in das kulturelle Leben der Stadt sowie über seine Vorstellung auf dem Internationalen Innovationsforum Interra 2010.
Am 24. September 2010 erhielten alle Interessenten die Möglichkeit, im Rahmen des Forums „Interra“ Veranstaltungen zum Projekt zu besuchen: die Vorträge „Künstlerische Interventionen“ der künstlerischen Leiterin des Projektes Petra Reichensperger aus Deutschland und „Wie eine Stadt durch Kunst konstruiert wird: Erfahrungen von Kunst im öffentlichen Raum in Russland“ der russischen Expertin Alisa Prudnikowa sowie einen Runden Tisch zum Thema „Das Lyrische und Politische in der Kunst des öffentlichen Raums“.
Vom 27.-31. Oktober fand die nächste Etappe des Projektes statt – ein ungewöhnliches internationales Seminar mit dem Titel „ Heiße Orte, Kalte Orte. Aggregatzustände einer Stadt“ unter Leitung der deutschen Künstlerin Ulrike Mohr. Daran nahmen 17 Künstler aus Nowosibirsk und Krasnojarsk teil, die sich zuvor erfolgreich darum beworben hatten.
Zum Aktionsraum der jungen Künstler wurden die Straßen der Stadt, die Ausstellungssäle des Sibirischen Zentrums für zeitgenössische Kunst. Unter der Leitung von Ulrike Mohr lernten die Teilnehmer mithilfe unterschiedlicher Methoden verschiedene Zustände der Stadt kennen und untersuchten und analysierten ihre „heißen“ und „kalten“ Orte. Die deutsche Künstlerin gab ihre Erfahrungen mit dem Arbeiten im öffentlichen Raum weiter. So verwandelte sie, ähnlich wie bei einem ihrer Projekte in Berlin, gemeinsam mit den Teilnehmern Bäume in Holzkohle. Die sibirischen Künstler konnten mit verschiedenen Materialien experimentieren und Entwürfe für temporäre Skulpturen und Interventionen im öffentlichen Raum erstellen.
Der dritte Teil des Projektes, ein Wettbewerb um den besten Entwurf für ein Kunstwerk im öffentlichen Raum sowie die letzte und gleichzeitig schwierigste Phase des Projektes, die Umsetzung der besten Ideen, werden 2011 stattfinden.
Das Projekt „Raum für Raum“ ist offen für Künstler aller Kunstrichtungen. Die Stadt freut sich auf Ideen, und ihre Bewohner auf neue, freie und vielfältige Kunstwerke für die Öffentlichkeit.



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