Deutschsprachige Literatur in schwedischer Übersetzung

Studiengänge für Schreibtalente

Thaikrit

Besser schreiben kann man lernen: Am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und der Universität Hildesheim werden Schreibtalente zu Autoren und Autorinnen ausgebildet. Die Logos der Universität Hildesheim und des Deutsches Literaturinstitut Leipzig.

Sie heißen Literarisches Schreiben (Leipzig) und Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus (Hildesheim) und gehören zu den begehrtesten Studiengängen Deutschlands. Jedes Jahr bewerben sich um die 600 junge Autoren am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig (DLL) und kaum weniger an der Uni Hildesheim. Nur etwa 20 schaffen es pro Schreibschule in die Bachelor- und seit kurzem auch Masterseminare. Voraussetzung hierfür: Die eingereichten Textproben müssen genug literarisches Talent aufweisen. Anders gesagt: Sie müssen funktionieren und Ansätze einer eigenständigen Stimme erkennen lassen. Ist das geschafft, folgt ein persönliches Gespräch mit Professoren und Studentenvertretern der Institute. Aber wie sieht es denn nun aus, das Studium an einer Schreibschule?

Der vielseitige Autor: Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim

Das Institut für „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ der Universität Hildesheim; Foto: Universität HildesheimDie Kompetenzen, die in Hildesheim vermittelt werden, sind vielseitig. Thomas Klupp studierte zunächst Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, ist inzwischen dort Dozent und nebenbei auch erfolgreicher Schriftsteller. Er beschreibt das Profil der Hildesheimer Lehre wie folgt: „Wir setzen auf schreibpraktische, reflektorische und literaturwissenschaftliche Elemente“, sagt er und präzisiert: „Das kann man ja schon am Lehrpersonal sehen. Wir haben drei Chefs: Hanns-Josef Ortheil, der Begründer des Instituts ist gestandener Schriftsteller und promovierter Germanist. Stephan Porombka, Literaturwissenschaftler, Journalist und literarischer Entrepreneur und Christian Schärf, Literaturwissenschaftler.“

In Hildesheim wird also Wert auf einen vielseitig geschulten Absolventen gelegt. Nicht nur literarisch soll er auf höchstem Niveau schreiben, sondern auch kulturjournalisitisch. Daneben sollen die Studenten auch in Bereiche wie Verlagswesen eingeführt werden. Der Lektor Jan Strümpel beispielsweise erklärt in seinem Seminar, was mit einem Manuskript geschieht, bevor es irgendwann als Buch gedruckt wird.

Feines Festival, eigener Verlag, renommierte Zeitschrift

Damit kann wohl kaum ein anderes Institut dienen: Die Hildesheimer haben mit der Edition Pächterhaus ihren institutseigenen Verlag, der etablierte Autoren wie Tobias Hülswitt aber auch Hildesheimer Studenten in die Buchläden bringt. Auch die Literaturzeitschrift BELLA triste gehört mittlerweile zu den wichtigsten deutschen Magazinen, wenn es um junge Literatur geht. Seit 2005 zieht es alle drei Jahre Tausende in die Räume und Hallen rund um das Institut. Der Grund: Mit dem Festival für junge deutsche Literatur Prosanova haben die Hildesheimer binnen kürzester Zeit einen weiteren festen Bestandteil in der deutschen Kulturszene etabliert. Organisiert wird alles von den Studenten selbst.

Fokussiert und etabliert: Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig

Das Institut für „Literarisches Schreiben“ am Deutschen Literaturinstitut Leipzig; Foto: Matthias JüglerSchreiben lernen in Leipzig hat Tradition. Seit 1955 schon wird hier im universitären Rahmen kreativ geschrieben. Nach dem Mauerfall wurde das „Literaturinstitut Johannes R. Becher“ aufgelöst. Seit 1995 dreht sich in Leipzig wieder alles um das Eine: Schreiben – und zwar am neu gegründeten Deutschen Literaturinstitut Leipzig, das jetzt nicht mehr eigene Hochschule sondern eine zentrale Einrichtung der Uni Leipzig ist.

Das Studium Literarisches Schreiben hat einen zentralen Mittelpunkt, nämlich die Arbeit an Texten der Studierenden. Das heißt, es wird gelesen und anschließend kritisiert – im Zweifelsfalle drei Stunden lang. Jede Woche muss ein Student bis 100 Seiten Text anderer Studenten studieren und vor allem: kritisch.

Claudius Nießen ist der Geschäftsführer des DLL. „Die Ausbildung in Leipzig liegt schwerpunktmäßig in den Werkstattseminaren. Hier dreht sich alles um die literarischen Texte der Studierenden.“ Obwohl sich der Großteil der Leipziger Seminare als Textwerkstatt versteht, gibt es auch hier das Angebot der Sprecherziehung und Veranstaltungen zu literarischen Berufsfeldern sowie zum Literaturbetrieb. Die Mär vom Schriftsteller, der sich um nichts weiter kümmern muss, als um seine eigenen Texte, wird von Claudius Nießen widerlegt: „Wir wollen natürlich, dass sich die Autoren Gedanken machen, wie sie sich bei Lesungen verhalten, wie sie sich dem Publikum präsentieren. Jeder Autor ist am Ende ja auch Unternehmer, der von Dingen wie Steuererklärung, VG WORT und Künstlersozialkasse zumindest schon mal gehört haben sollte.“

Österreich und die Schweiz ziehen nach

Das Schweizer Literaturinstitut in Biel und das Institut für Sprachkunst in Wien bieten seit 2006 beziehungsweise 2009 einen Studiengang Literarisches Schreiben an. Die Vernetzung untereinander ist Claudius Nießen vom DLL wichtig. „Wir legen viel Wert auf Austauschangebote für die Studenten.“ So kommen immer wieder Wiener oder Bieler nach Leipzig aber auch Hildesheim und umgekehrt. Sabine Scholl zum Beispiel unterrichtete erst in Leipzig und nun in Wien. „Die Verflechtungen sind eng und das Verhältnis kollegial“, sagt Claudius Nießen.


Matthias Jügler
studierte Germanistik, Kunstgeschichte, Skandinavistik und momentan Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Dezember 2011

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