Künste

Kirunatopia

Die nordschwedische Stadt Kiruna ist aufgrund von fortschreitendem Abbau der unter der Stadt verlaufenden Eisenerzader einsturzgefährdet. Die Rissbildung kommt der Stadt pro Tag 5 cm näher, sodass ab 2013 die ersten Gebäude bedroht sein werden. Im Januar 2007 wurde deshalb die Entscheidung getroffen, dass Kiruna und seine 18.000 Einwohner nach und nach um ca. 4 Kilometer versetzt werden sollen.


© Goethe-Institut SchwedenKirunas geografische Lage 120 km nördlich des Polarkreises ist extrem, sie ist Projektionsfläche für alle möglichen Erzählungen: von einem kalten unwirtlichen Norden, von unendlicher Weite, grasenden Rentierherden, von Ingenieurskunst und Pioniertaten, von unzugänglicher Natur und Forschergeist. Die Stadt spielte historisch als Rohstoffquelle eine wichtige Rolle von der Industrialisierung über die Erzversorgung Nazideutschlands bis hin zum aktuellen Stahlboom. Sie war Schauplatz vieler Konflikte und Umbrüche in der Geschichte der schwedischen Arbeiterbewegung, wie beim großen Minenarbeiterstreik 1969-70, sie war als schrumpfende Stadt auch Sinnbild für die großen Wirtschaftskrisen des letzten Jahrhunderts.


© Goethe-Institut SchwedenKiruna ist aber gleichzeitig Zentrum des Kultur- und Wirtschaftsraums der Sami – hier stehen Eisenbahnlinien und Gruben gegen jahrhundertealte Rentierpfade und Siedlungsgebiete. Von besonderem Interesse für das Goethe-Institut ist die Transformation der Stadt mit all ihrem utopischen Gehalt, der Modellcharakter einer Stadtverlagerung und speziell die ersten bereits aufgegebenen, aber noch nicht eingestürzten Gebiete. Für künstlerische Recherchen und Interventionen eignet sich dieses Gebiet besonders, da hier einige signifikante Gebäude stehen, deren Schicksal noch nicht geklärt ist.


Das Goethe-Institut Schweden hat in Zusammenarbeit mit der Stockholmer Konsthall C und dem Kulturdezernat der Stadt Kiruna zehn internationale Künstler eingeladen, vor Ort zu recherchieren und ein neues Werk zu erarbeiten. Das Projekt wird von Kim Einarsson kuratiert. Die Arbeitsprozesse und Ergebnisse werden in verschiedenen Formaten direkt vor Ort präsentiert, um die lokale Öffentlichkeit einzubinden. Ein Blog - blog.goethe.de/kirunatopia - macht das Projekt und seinen Verlauf einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Kirunatopia ist ein Recherche- , Residenz- und Ausstellungsprojekt. Eine Ausstellung mit den künstlerischen Ergebnissen und einem umfangreichen Rahmenprogramm wird im Sommer 2012 als Eröffnungsausstellung im neuen Gebäude des Bildmuseet in Umeå zu sehen sein.

Rainer Hauswirth, Juni 2011

    Weblog: Kunstprojekt Kirunatopia

    Copyright: Polly Yassin
    Künstler des Residenzprojekts „Kirunatopia – im Schatten der Zukunft“ bloggen über ihre Recherchen in Kiruna. Einer Stadt in extremem Wandel.

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