Veranstaltungs-Archiv

Nach dem Krieg, vor der Mauer
Der deutsche Film der 50-er Jahre

Filmwoche
10. April - 22. April 2006
Slovenska kinoteka, Miklošičeva cesta 38, Ljubljana

Im Jahr 1949, als die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde, wurden keine große Hoffnungen gehegt. Fast jeder sechste Deutsche war durch Krieg, Holocaust und Vertreibung umgekommen, die Städte waren zerstört und zudem mit Flüchtlingen überfüllt, die 20 Prozent der Bevölkerung ausmachten.
Als umso bemerkenswerter wird der rasante Wandel, der schon bald alle Hoffnungen weit übertraf. Das sogenannte „Wirtschaftswunder“ verwandelte innerhalb kürzester Zeit den verwüsteten deutschen Weststaat in die weltweit erfolgreichste Handelsmacht hinter den USA.

Auch die deutsche Gesellschaft befand sich in einem beachtlichen Wandlungsprozess. Das patriarchalische Familienmuster verlor an Gewicht, und das „Gleichberechtigungsgesetz“ gab den Frauen das Recht zu außerhäuslichen Erwerbstätigkeit. Kinder rebellierten – teils angestachelt von anglo-amerikanischen Einflüssen – gegen ihre Eltern und das System. Unter diesem Einfluss begann auch das gesellschaftliche und kulturelle Leben wieder neu. Konzerte und Theateraufführungen finden wieder statt, Museen zeigen von den Nationalsozialisten als "entartet" verbotene Kunst, Zeitungen und Zeitschriften erscheinen wieder, der Rundfunk wird neu organisiert, und neue deutsche und ausländische Filme laufen in den Kinos. Der Film wird ein wichtiges Medium zur Thematisierung von Krieg, NS-Verbrechen und Nachkriegsnöten, aber auch von Aufbau, Fortschritt und Zukunftsgewandtheit im neuen, florierenden deutschen Staat.

In den Filmen der 50er taucht insbesondere der wirtschaftliche Aufschwung der jungen Bundesrepublik immer wieder auf, mit Themen wie Traumpaarfindung oder Natur- und Heimatverbundenheit. Bescheidene Nachkriegsverhältnisse konfrontiert mit Wirtschaftswunderwelten, dazu ein ordentliches Maß an leicht verständlich formulierten Lebensweisheiten; so wird in den 50er Jahren das Motiv des wirtschaftlichen Wunders filmisch umgesetzt. Die Filme der 50er waren durchaus Genre-Filme: Komödien, Heimatfilm, Kriegsfilm, Melodram, Musicals, und später Krimis. Die meisten dieser Genres existierten schon vor den 50er Jahren, nur der Heimatfilm kann als eine originelle deutsche Erfindung gelten, die ihre Wurzeln in den Bergfilmen der 30er Jahre fand. Der Film der 50er war auch ein Film der Schauspieler, berühmter Stars und großer Leidenschaften. Es gelang ihm, die Herzen der Zuschauer zu erobern und dabei die Moralwerte und die Grenzen der Zeit widerzuspiegeln.

Der deutschsprachige Film der 50er Jahre ist ein Abbild der sich formenden Gesellschaft und Kultur und damit eine authentische und unersetzliche Quelle zum Verständnis dieser wichtigen Phase in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Film-Programm:

Der Verlorene, Peter Lorre, 1951 (Drama)
Montag, 10.4.2006, 19:00 Uhr
Samstag, 15.4.2006, 20:00 Uhr

Himmel ohne Sterne, Helmut Käutner, 1955 (Melodrama)
Montag, 10.4.2006, 21:00 Uhr
Freitag, 21.4.2006, 21:00 Uhr

Das Schwarzwaldmädel, Hans Deppe, 1950 (Heimatfilm)
Dienstag, 11.4.2006, 19:00 Uhr
Mittwoch, 19.4.2006, 19:00 Uhr

Das Mädchen Rosemarie, Rolf Thiele, 1959 (Drama)
Dienstag, 11.4.2006, 21:00 Uhr
Freitag, 21.4.2006, 19:00 Uhr

Wir Wunderkinder, Kurt Hoffmann, 1958 (Komödie)
Mittwoch, 12.4.2006, 19:00 Uhr
Donnerstag, 20.4.2006, 21:00 Uhr

Die Zürcher Verlobung, Helmut Käutner, 1957 (Komödie)
Mittwoch, 12.4.2006, 21:00 Uhr
Freitag, 21.4.2006, 17:00 Uhr

Die Halbstarken, Georg Tressler, 1956 (Drama)
Donnerstag, 13.4.2006, 19:00 Uhr
Mittwoch, 19.4.2006, 21:00 Uhr

  Wenn die Conny mit dem Peter..., Fritz     Umgelter, 1958 (Komödie)
  Donnerstag, 13.4.2006, 21:00 Uhr
  Donnerstag, 20.4.2006, 19:00 Uhr

  Witwer mit fünf Töchtern, Erich Engels,     1957 (Komödie)
  Freitag, 14.4.2006, 19:00 Uhr
  Samstag, 15.4.2006, 18:00 Uhr

  Die Sünderin, Willi Frost, 1950 (Drama)
  Freitag, 14.4.2006, 21:00 Uhr
  Dienstag, 18.4.2006, 21:00 Uhr 

Die Trapp-Familie, Wolfgang Liebeneiner, 1956 (Komödie) 
Samstag, 15.4.2006, 16:00 Uhr
Dienstag, 18.4.2006, 19:00 Uhr

Samstag, 22.4.2006 18:00 Uhr: Film nach Zuschauerwahl (am 18.4.2006 im Internet angekündigt)
20:00 Uhr: der meistbesuchte Film der Retrospektive (am 18.4.2006 im Internet angekündigt)