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Retrospektive Ernst Lubitsch

Retrospektive
05.02.2007-02.03.2007
Slovenska Kinoteka, Miklošičeva cesta 28
Retrospektive Ernst Lubitsch

Das Goethe-Institut Ljubljana hat zusammen mit der Slovenska Kinoteka eine Filmreihe mit 18 der beliebtesten Stumm- und Tonfilmen des deutschen Regisseurs Ernst Lubitsch zusammengestellt. Die Retrospektive „Ernst Lubitsch“ wird vom 05.02.2007 bis zum 02.03.2007 in der Kinoteka, Miklošičeva cesta 28, vorgeführt und beinhaltet zahlreiche Kassenschlager wie Die Puppe (1919) mit Ossi Oswalda, Ninotchka (1939) mit Greta Garbo und Sein oder nicht sein (1942) mit Carole Lombard. Den Auftakt zu der Filmreihe bildet Als ich tot war, eine Komödie die in Deutschland auch unter dem Titel Wo ist mein Schatz? lief. Der Film, der bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als vermisst galt, ist heute der früheste erhaltene Film Ernst Lubitschs. Erst 1994 wurde er wiederentdeckt, als die Witwe eines slowenischen Sammlers einige Gegenstände aus seiner Sammlung an Museen vermachte. Unter diesen Gegenständen befanden sich auch einzelne Filmrollen, die von Lilijana Nedič und dem ehemaligen Direktor der Kinoteka, dem leider viel zu früh verstorbenen Silvan Furlan, als eine Kopie dieses Films erkannt wurden. In der entdeckten Kopie fehlen eine Szene im ersten Akt und zwei Szenen im dritten Akt, wie auch die Endsequenz. Dennoch war dies eine sensationelle Entdeckung, da das Original bis heute vermisst wird. Von der Entdeckung wurden der Direktor der Giornate del Cinema Muto (Stummfilmfestival) in Pordenone, Livio Jacob und der deutsche Filmhistoriker Enno Patalas unterrichtet, welcher die Weltöffentlichkeit mit der Entdeckung bekannt machte.

Die Kopie ist keine deutsche Originalkopie, sondern eine Verleihkopie, die in Filmtheatern der Monarchie Österreich-Ungarn vorgeführt wurde. Während des ersten Weltkrieges wurden Soldaten in Wanderkinos Filme vorgeführt – Komödien waren besonders beliebt. Man vermutet, dass der Sammler, der im ersten Weltkrieg Österreich-ungarischer Soldat war, in dieser Zeit an den Film kam und ihn unmittelbar nach Kriegsende versteckte. Da das slowenische Gebiet an Italien angeschlossen wurde und es deshalb lange Zeit nicht ratsam war, dort einen deutschen Film überhaupt zu erwähnen, blieb der Film wohl lange Zeit sicher in einer Schublade verwahrt. Als die Ära des Stummfilms bald danach zur Neige ging und nach dem zweiten Weltkrieg ebenfalls keine deutschen Filme gezeigt wurden, geriet der versteckte Film so augenscheinlich in Vergessenheit.

Ernst Lubitsch galt lange Zeit als einer der beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Regisseure, der sowohl in Deutschland als auch in Hollywood zahlreiche Erfolge erzielte. Noch heute wird er für seine Vielseitigkeit und Innovation bewundert, die nicht zuletzt dadurch sichtbar wird, dass er sowohl als Stummfilm- als auch als Tonfilmregisseur Kritiker und Publikum überzeugte.


1892 wird er als Sohn eines jüdischen Schneiders in Berlin geboren. Obwohl er schon auf der Schule bei diversen Theateraufführung sein schauspielerisches Talent entwickelt, macht er nach Abschluss der Schule zunächst eine Lehre in einem Stoffgeschäft, bevor er in dem Geschäft seines Vaters tätig wird. Zusätzlich nimmt Lubitsch, der behauptet schon als Kind Schauspieler werden zu wollen, Schauspielunterricht und spielt gelegentlich in Kabaretts. 1911 lernt er den Intendanten des Deutschen Schauspielhauses, Max Reinhardt, kennen, der Lubitsch von nun an in diversen Rollen engagiert. Schon 1913 kommt er mit dem Film in Kontakt, wo er sich zunächst vor allem als Komiker einen Namen macht. Dies ist dem jungen Berliner jedoch nicht genug und so gründet er 1914/ 15 zusammen mit Ernst Matray die Firma Malu-Film. Zahlreiche kurze Komödien, von denen viele leider als verschollen gelten, entstehen, darunter in eigener Regie Schuhpalast Pinkus. Unter anderem Erich Schönfelder und Hanns Kräly als Autoren, Theodor Sparkuhl als Kameramann und Schauspieler Ossi Oswalda, Harry Liedke, Victor Jansen und Margarete Kupfer sind in dieser Zeit seine festen Mitarbeiter und Partner. Als 1917 in Berlin die UFA ("Universum-Film-Aktiengesellschaft") gegründet wird, ist Lubitsch, der sich mit seinen beliebten Komödien schnell einen Namen gemacht hat, einer ihrer wichtigsten Regisseure.
Doch Lubitsch will sich nicht auf ein Genre festlegen und wendet sich mehr und mehr von seinem komödiantischen Stil ab. 1918 dreht er seinen ersten dramatischen Großfilm, Die Augen der Mumie Mâ und macht gleichzeitig die Schauspielerin Pola Negri zum Filmstar. Darauf folgen Filme wie Carmen (1918), Madame Dubarry (1919) und Anna Boleyn (1920), mit denen Lubitsch entgültig sein Können und seine Innovation beweist. Später soll er sich zu diesen Filmen äußern „Ich versuchte, meine Filme zu ent-opern und meine historischen Gestalten zu vermenschlichen...“. Die nun gegründete Ernst-Lubitsch GmbH kooperiert mit der E.F.A (Europäische Film-Allianz). Neben Kostümfilmen entstehen in diesen Jahren weitere Lustspiele wie Die Austernprinzessin (1919) und Die Puppe (1919) mit Ossi Oswalda oder Kohlhiesels Töchter (1920) mit Henny Porten, die allesamt zu Kassenschlagern werden.
Zu diesem Zeitpunkt ist der Regisseur bereits weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. 1922 wird er von dem amerikanischen Stummfilmstar Mary Pickford als Regisseur für ihren nächsten Film engagiert und kommt so nach Hollywood. Obwohl der Vertrag nur kurz hält, wird Lubitsch nie wieder einen deutschen Film drehen. Für die nächsten vier Jahre erhält er einen Vertrag bei Warner Brothers und erzieht zahlreiche Erfolge wie Lady Windemeres Fächer und Der Patriot, welche ihn auch erneut mit seinem alten Team zusammenbringen. Mit seinen „sex comedies“, wie sie von den Amerikanern genannt werden, avanciert Lubitsch schnell zu einem gefragten Regisseur, der sowohl Romanzen und Salonkomödien, wie auch weitere Historienfilme dreht.
Als der Tonfilm bald danach seinen Siegeszug durch Hollywood führt, vermag Lubitsch im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, das neue Medium voll und ganz auszunutzen. Unerschrocken experimentiert er mit der Koordination von Musik, Dialog und Geräusch. So werden die Musicals Parade der Liebe und Der lächelnde Leutnant zu Kassenschlagern, die dazu führen, dass das Genre wieder en vogue wird.
Lubitsch ist der Auffassung, dass „...das Technische im Film gar nicht hoch genug entwickelt sein kann, denn um das Künstlerische im Film auszudrücken, braucht man vollendetste Technik“. Darüber hinaus spricht man bald von dem berühmten Lubitsch-Touch. Er besteht darin, dass Lubitschs für die Zeit frivolen Gesellschaftskomödien nie vulgär wirken, sondern es durch die Auslassung von Details dem Zuschauer überlassen, die Handlung zu vervollständigen.
Nach mehreren Jahren bei Paramount – 1935 wird Lubitsch sogar Produktionschef – wird er 1936 Leiter einer eigenen Produktionsgruppe. In der folgenden Zeit entstehen zahlreiche Klassiker mit diversen Schauspielgrößen der Zeit, wie Engel (1937) mit Marlene Dietrich, die Polit-Satire Ninotchka (1939) mit Greta Garbo und Sein oder nicht sein (1942) mit Carole Lombard, ein Film der auf Grund seiner Auseinandersetzung mit dem NS-Regime weites Aufsehen und Diskussionen hervorruft.
1946 erleidet Lubitsch einen Herzinfarkt, von dem er sich nicht mehr vollständig erholt. Im März 1947 wird er mit drei Oscars für innovative Regie geehrt. Seinen letzten Film jedoch, Die Frau im Hermelin, kann Lubitsch nicht mehr selbst fertig stellen, er wird daher von Otto Preminger vollendet. Am 30. Oktober 1947 stirbt Ernst Lubitsch in Hollywood an einem weiteren Herzinfarkt. Nach ihm ist heute der Ernst-Lubitsch-Preis benannt, der seit 1957 jährlich von dem Club der Berliner Filmjournalisten für die beste komödiantische Leistung im deutschen Film verliehen wird.

Quellenangabe:
www.exil-archiv.de/html/biografien/lubitsch.htm
www.deutsches-filminstitut.de/dt2tp0035.htm

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