Die Welt lernt Deutsch – aktuelle Erhebung der Lernerzahlen 2010

Auch für das Jahr 2010 legt das Netzwerk Deutsch eine statistische Erhebung über die Stellung der deutschen Sprache in der Welt vor. Ergebnis: Zwar ist die Zahl Deutschlernender weltweit gesunken, doch ist in vielen Ländern die Tendenz steigend.
Das Netzwerk Deutsch, bestehend aus Vertretern des Auswärtigen Amtes, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), des Goethe-Instituts und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen zur Förderung für Deutsch als Fremdsprache, veröffentlicht alle fünf Jahre die umfassendste und aktuellste Erhebung zu Deutsch als Fremdsprache. 2010 verzeichnete diese Statistik insgesamt 14.042.789 Deutschlerner. Das sind 2.675.912 weniger als 2005. Einen großen Rückgang gab es vor allem in den Ländern der ehemaligen Ostblockstaaten, wo noch bis Anfang des Jahres 2000 die Nachfrage nach Deutsch ungewöhnlich hoch war.
Allerdings wird Deutsch als erste Fremdsprache immer mehr von Englisch abgelöst. Seither sind die Lernerzahlen des Deutschen in Mittel- und Osteuropa stetig gesunken. Auch an den Universitäten erfährt das Studienfach der klassischen Germanistik einen Rückgang. Vielerorts bleibt Deutsch an Schulen allerdings die wichtigste zweite Fremdsprache und betrachtet man ganz Europa, bleiben die Zahlen der Deutschlerner stabil. Ebenfalls gleichbleibend sind die Zahlen der erwachsenen Deutschlerner. Auf allen Kontinenten sind auch Länder mit steigenden Lernerzahlen zu verzeichnen.
Werbung wirkt
In den Ländern, in denen gesteigert Werbung für Deutsch als Fremdsprache gemacht wurde, ist ein Anstieg der Lernerzahlen zu erkennen. So erhöhte sich zum Beispiel die Zahl der Deutschlernenden in Italien im Vergleich zu 2005 um knapp 141.000, in Polen um etwa 137.000 und in Griechenland um fast 37.000 Deutschlerner. Auch in Frankreich wirkte die Werbung: Fast zehn Jahre lang verringerte sich die Zahl der Deutschlernenden, 2010 ist sie erstmals wieder stabil und steht bei 1.037.885 Deutschlernern insgesamt.
Bildungspolitik und Globalisierung
Einen großen Einfluss auf die Veränderung der Stellung der deutschen Sprache üben die bildungspolitischen Konzepte der verschiedenen Länder aus. So ist zu beobachten, dass es weniger Deutschlerner gibt, wenn die Schüler in der Schule lediglich eine Fremdsprache erlernen. In dem Fall ziehen sie Englisch vor, wie unter anderem in Russland, wo die Zahl der Deutschlerner um knapp eine Million zurück ging. Umgekehrt gilt, dass Deutsch in den Ländern, in denen die Bildungspolitik mehr als eine Fremdsprache vorgibt, weiterhin eine gute Zukunft hat.
Eine neue Chance ergibt sich für die deutsche Sprache im Bereich der frühkindlichen Pädagogik. Immer mehr Länder verlagern den Fremdsprachenunterricht in den Primarbereich, also in Kindergärten und Vorschulen. Die statistische Erhebung zeigt hier deutliche Möglichkeiten, Deutsch als Fremdsprache zu etablieren oder ihren Bereich zu erweitern.
Die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung und seine geographische Lage machen Deutschland und damit die deutsche Sprache weiterhin attraktiv. Wie bedeutend Fremdsprachen auch im Zuge der Globalisierung sind, wird von einigen Ländern durchaus erkannt. In Brasilien beispielsweise hat sich die Anzahl der Deutschlerner stark erhöht. In vielen anderen südamerikanischen Ländern sieht die Statistik gute zukünftige Möglichkeiten für Deutsch als Fremdsprache.
Was noch zu tun ist
Der Einsatz der weltweit aktiven Mittlerorganisationen und ihrer internationalen Partner trägt entschieden dazu bei, dass das Interesse an der deutschen Sprache erhalten und gefördert wird. Neben bereits erfolgreich durchgeführten Sprachinitiativen, wie der großangelegten Partnerschulinitiative PASCH, müssen auch bildungspolitische Maßnahmen erwirkt werden. Um die Stellung der deutschen Sprache in der Welt zu sichern, ist eine zweite Pflichtfremdsprache an den Schulen weltweit grundlegend. Für eine bessere Wirkung müssen die Fördermaßnahmen für Deutsch als Fremdsprache eine noch deutlichere Verbindung zwischen der Bedeutung von Fremdsprachen im Bereich der Bildung und der sprachpolitischen Öffentlichkeitsarbeit herstellen.
Es ist zu beachten, dass die Statistik zur deutschen Sprache in der Welt nur die Zahl derjenigen erfasst, die aktuell Deutsch lernen, nicht die aller Menschen, die bereits Deutsch sprechen. Nicht erfasst wurden außerdem die Zahlen der Sprachkursteilnehmer an den Goethe-Instituten. Ebenso ist zu beachten, dass die Statistik keine Aussage über Qualität oder Intensität des Deutschunterrichts im jeweiligen Land macht. Die in der Erhebung ausgewerteten Daten beruhen auf Angaben offizieller Quellen oder auf Schätzungen, die von örtlichen Experten durchgeführt wurden. Für die Länder, aus denen keine Zahlen vorlagen und nicht realistisch geschätzt werden konnten, wurden keine Angaben gemacht.
Constanze Fiebach
ist Literaturwissenschaftlerin an der Universität Düsseldorf, Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache und freie Journalistin. Sie lebt in Essen.
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Mai 2010
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