Workshop in Tallinn, Estland

Kalarand – so weit so nah



Städtische Bebauungspläne führen oft zu Konflikten zwischen unterschiedlichen Interessen. Ist es zum Beispiel beiden Seiten klar, welche Auswirkungen eine im Maßstab 1 : 5000 gezogene gerade Linie auf die Umgebung in ihrer wirklichen Größe hat? Was passiert, wenn die wichtigsten räumlichen Entscheidungen der Stadt das Ergebnis einer abstrakten dualistischen Aufteilung des Landes ohne Bezug zum tatsächlichen Raum sind? Was sind die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf Intensität und Komplexität des entstehenden Raumes?

Diese Intervention dient als Mittel, um persönlich erfahren zu können, wie sich der abstrakte Raum eines Detailplans in der Wirklichkeit anfühlt: wie groß ist groß, wie nah ist nah?

Im Fall von Kalarand möchten wir herausfinden, ob der vorgeschlagene öffentliche Raum die richtige Größe für einen erstklassigen Raum hat. Die bebaute Fläche des Plans ist umstritten, während der verbleibende freie Raum weniger hinterfragt wird.

Indem menschliche Figuren im Maßstab 1:1 auf dem Gelände aufgestellt werden, in einer bestimmten Entfernung von einem zufällig gewählten Blickpunkt, können wir nachempfinden wie weit – oder wie nah – wir anderen Menschen wären, die den gleichen Raum nutzen. Können wir mit ihnen sprechen oder müssten wir schreien? Können wir ihre Gesichter erkennen? Können wir die Aufschrift an der Fassade des zukünftigen Gebäudes lesen?

Wie beeinflusst der Maßstab die Nutzung des Raumes?

Größe ist relativ. Der Maßstab ist entscheidend und bestimmt die Wahrnehmung des Raums.
Autoren: Ines Aubert, André Baldisiute, Neeme Külm, Ralf Lõoke, Tõnis Savi, Anna-Liisa Unt
Fotos: Reio Avaste / Archiv des Goethe-Instituts