Fotografie im Senegal

Babacar Traoré (Doli)

Copyright Goethe-Institut, Senegal; Photo: Angelika Prox-Dampha
Copyright Goethe-Institut, Senegal; Photo: Angelika Prox-Dampha
Der Boden der Galerie des Goethe-Instituts ist mit Zeitungsfetzen übersäht. Musik tönt aus den Boxen. Inmitten der zerrissenen Zeitungen sitzt Babacar Traoré (Doli), lächelnd, umgeben von interessierten und verwunderten Besuchern seiner Vernissage Jaxasé – L’homme et son environnement. Die Besucher werden von jungen Männern, Dolis Bekannten, aufgefordert, weitere Zeitungen in kleine Stücke zu zerreißen. Schon nach kurzer Zeit bedecken Zeitungsstücke den Boden des „Salle Weimar“ . Es wirkt so, als wolle Doli in Form der Zeitungen, die an den Straßen Dakars verkauft werden, ein Stück seiner täglichen Umgebung in das Goethe-Institut bringen, wobei die zerrissenen Zeitungen in gewisser Weise die Unruhe, Hektik und Belebtheit der Großstadt Dakar widerspiegeln.

Ist das Auge zu Beginn durch den von Zeitungsstücken übersäten Boden zunächst noch abgelenkt, wandert der Blick nach und nach an die Wände, an denen Dolis Werke ausgestellt sind. Es handelt sich dabei um Collagen aus Photographie und Graphik, die in der Ausstellung Jaxasé – L’homme et son environnement vom 12. April bis 3. Mai 2013 in der Galerie wie auch in dem „Salle Weimar“ des Goethe-Instituts gezeigt werden. In ihnen stellt Doli dar, wie er seine Umgebung, sein Heimatviertel Médina, wahrnimmt. Médina empfindet er als ein einzigartiges Viertel in Dakar, da es viele internationale Künstler beheimatet und als Schmelztiegel von unterschiedlichen Ursprüngen und Farben Inspiration für sein künstlerisches Schaffen bietet.

Doli, der aus einer Künstlerfamilie stammt und das Média Center in Dakar besuchte, sieht sich selbst als Zeitzeuge, der in seinen Werken Momente der Alltagsgegenwart für spätere Generationen festhält. So fotografiert er alltägliche Situationen, Menschen in ihrer Umgebung, das Leben auf den Straßen der Médina. Die Fotografien überarbeitet der Künstler und stülpt ihnen ein „Netz aus Farben“ über, das aus Linien und bunten Punkten besteht. Durch dieses „Netz aus Farben“, das wie ein Filter wirkt, erhalten die Werke Dolis einen ganz eigenen Charakter. Oftmals verschwimmen die bunten Linien und Punkte miteinander, bis sie zu einer „bunten Masse“ verschmelzen. Die Fotografien scheinen nahezu überdeckt von dieser „bunten Masse“, doch löst sich diese Irritation bei längerer Betrachtung auf, weil tatsächlich mehr und mehr Details und die dazugehörigen Geschichten in den Fotografien hervortreten. Auch wenn diese Suchbilder auf den ersten Blick nicht gleich zu entschlüsseln sind, so kann sich ihnen der Blick nur schwer entziehen. Der Betrachter wird mitgenommen in eine andere Welt.

Ausstellungen

2009

Finalist im Wettbewerb Wapi in Dakar

Gemeinschaftsausstellung im Rahmen des Rendez-vous de la photographie de Dakar

2010

Ausstellung im off der Dakar Biennale im Espace Médina

Gemeinschaftsausstellung im off der Galerie Art et Vision

2011

Gemeinschaftsausstellung im Tim Timol

Gemeinschaftsausstellung im British Council

2012

Gemeinschaftsausstellung im off der Dakar Biennale im Kadjinol Station

Gemeinschaftsausstellung im Rahmen des Festivals Arts Avenues auf der Place de l’Indépendance in Dakar

Gemeinschaftsausstellung im Goethe-Institut de Dakar

Gemeinschaftsausstellung in der Biscuiterie Médine

Jeannette Oholi
Übersetzung: Franziska Reiffen
Copyright: Goethe-Institut Senegal/Dakar
April 2013
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