EinBlick - ein Filmworkshop bringt Jugendliche weltweit zusammen

EinBlick
„Gorée ist ganz anders als Kaolack. In Kaolack ist es heiß, auf Gorée sehr kalt.“
„St. Louis ist Gorée sehr ähnlich. Es liegt auch am Meer und die Gebäude gleichen sich.“
„Dakar und Gorée sind sehr unterschiedlich. In Dakar sind die Straßen breit und es gibt viele Autos. Man kann so viel machen! Auf Gorée gibt es nur kleine Straßen und gar keine Autos. Die Möglichkeiten sind sehr beschränkt.“

Die siebzehn Schüler aus St. Louis, Kaolack und Dakar finden auf der Ile de Gorée viele Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Vergleich zu ihren Herkunftsregionen. Die Jugendlichen, die aus drei Regionen Senegals zusammengekommen sind, haben sich der Herausforderung gestellt, die komplexe Lebens- und Gedankenwelt ihrer Kultur durch das Medium Film zu vermitteln. Sie erleben auf der Ile de Gorée, nur dreieinhalb Kilometer oder 20 Minuten mit der Fähre von der geschäftigen Hauptstadt Senegals entfernt, eine ganz eigene Welt. Viele Museen, malerische Häuser, Fischer, Künstler, Schüler und Touristen – die Insel ist eine bunte Mischung aus vielen Lebenswelten. Zusammen mit ihren Lehrern und den Filmemacherinnen Kerstin Rickermann und Silke Beller sind die jungen Menschen auf die Insel gekommen, um in einem Workshop den komplexen Prozess einer Filmproduktion kennenzulernen.

Das einwöchige Film-Atelier ist Teil des Projekts EinBlick, das Deutsch-Schülern weltweit die Möglichkeit gibt, alle Bestandteile einer Filmproduktion selbst umzusetzen. Die gemeinsame Sprache Deutsch, die in allen entstehenden Filmen verwendet wird, verbindet die teilnehmenden Gruppen miteinander – ob sie aus Neuseeland, Usbekistan, Mexiko, der Ukraine, Uganda, Indonesien oder eben dem Senegal kommen. Durch das Medium Film kommunizierend tauschen immer jeweils drei Länder von drei verschiedenen Kontinenten Fragen, Antworten, Informationen, Geschichten und Gedanken aus ihren Kulturen miteinander aus. So bringt das Projekt nicht nur Jugendliche aus entfernten Teilen des Landes zusammen, sondern verbindet auch junge Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen unserer Welt.

Die beiden Filme, die auf der Ile de Gorée entstanden sind, handeln von der senegalesischen Kultur im Allgemeinen und von den Erlebnissen, die die Schüler auf Gorée gemacht haben, im Speziellen. Die Jugendlichen haben sich die Themen in gemeinsamen Diskussionen bewusst ausgesucht. Papa Demba Beye, ein 14-jähriger Schüler aus Dakar, findet das Projekt super: „Es erlaubt uns, die senegalesische Kultur zu erleben. Wir können mit den anderen kommunizieren.” Auch der 18-jährige Schüler Alphonse Ndiaye, der aus St. Louis kommt, freut sich über die Teilnahme am Video-Workshop – besonders über den Kontakt mit Jugendlichen aus verschiedenen Teilen Senegals und der ganzen Welt: “Dieses Projekt ist wichtig für mich, weil ich Vieles lerne, zum Beispiel was man macht, wenn man einen Film vorbereitet. Und ich habe auch neue Freunde gefunden, die aus anderen Orten kommen.”

Im Laufe des Projekts werden Gemeinsamkeiten entdeckt und voreingenommene Meinungen aufgebrochen. So erzählt Kerstin Rickermann, wie die Schüler aus Neuseeland in der Szene, die sie beim Baden zeigt, extra T-Shirts angezogen haben. Sie haben vom Senegal wohl die Vorstellung eines sehr streng islamischen Landes. Wenn sie die Videos der senegalesischen Jugendlichen sehen, werden sie die Toleranz bemerken, die hier herrscht. “Ich weiß fast gar nichts über Senegal,” meint eine Neuseeländerin in ihrem Film. Das wird sich bald ändern, wenn Kerstin Rickermann und Silke Beller die beiden fertigen Filme aus dem Senegal nach Neuseeland schicken.

EinBlick ist ein Projekt im Rahmen der Initiative Schulen: Partner der Zukunft (PASCH). PASCH wird getragen vom Auswärtigen Amt in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, dem Goethe-Institut, dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst. Sie vernetzt weltweit rund 1.500 Schulen, an denen auf die Sprache Deutsch ein besonders hoher Wert gelegt wird.

Diese weltweite Vernetzung junger Menschen durch das Medium Film und die Sprache Deutsch ist auch Ziel des Projekts EinBlick. Die Teilnehmer sollen “mit der Welt spielen” und Respekt im Umgang miteinander und mit Menschen aus anderen Kulturen lernen. Ende 2013 wird sich dieser Austausch im gemeinsamen Endfilm der EinBlick-Partnerländer Neuseeland, Senegal und Mexiko zeigen.

Friederike Nickel
Übersetzung: Malik Ndao
Copyright: Goethe-Institut Senegal/Dakar, Internet Redaktion
April 2013
Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
info@dakar.goethe.org
Links zum Thema