Gut gekleidet – Öko-Mode wird trendy

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Immer mehr Designer nähen aus Biobaumwolle keine Säcke mehr, sondern stylische Teile. Ob man das nun „Ethical Fashion“, „Eco Fashion“ oder doch wieder „Öko-Mode“ nennt, immer geht es um die Symbiose urbaner Modetrends, menschenwürdiger Fertigungsbedingungen und Umweltverträglichkeit. Öko-Mode, das hatte lange Jahre mit modischen Aspekten gar nichts zu tun. Die Prinzipien der grünen Bewegung und der Mode waren völlig unvereinbar, so schien es jedenfalls in den 1980er-Jahren. „Öko“ bedeutete damals den bewussten Ausstieg aus der schnelllebigen Konsumgesellschaft, die Rückkehr zum Rhythmus der Natur. Und Mode wurde, fast verächtlich, als Inbegriff der Oberflächlichkeit, Unnatürlichkeit und der unkritischen Wegwerfgesellschaft angesehen. Entsprechend erhielt man in der Abteilung Naturtextilien kratzende Wollpullover, sackförmige Jutehosen und Schuhe in Entenflossenform. Das bewusst Unmodische dieser Kleidung war zunächst ein Statement für eine links-alternative politische Überzeugung, bis dann das Wort „Öko-Mode“ zum Synonym für einen unattraktiven, zum Ungepflegten tendierenden Kleidungsstil wurde. „Ethical Fashion“ Kein Wunder, dass Cecilia Palmér und Frans Prins auf dieses Wort verzichtet haben, als sie im Oktober 2007 in Berlin mit ihrer Agentur Grass Routes das Modefestival Fair Fashion Affair organisierten. „Wir wollten zeigen, dass es Mode gibt, die zwar Öko heißt, aber gut aussieht“, sagt Palmér. Dazu haben sie recherchiert, welche Labels in Deutschland Organic Fashion machen. „Bislang sind noch nicht so viele“, erklärt Palmér. „Aber es werden mehr, und mehr junge Designer machen mit“. Und noch eine andere Veränderung hat sie festgestellt: „Früher ging es bei Naturtextilien vor allem um den ökologischen Aspekt, inzwischen sind aber auch die sozialen Belange sehr wichtig geworden, was dann „Ethical Fashion“ genannt wird.“ „Unseren Kunden ist das Wichtigste, dass bei der Herstellung der Kleidung keine Kinder beteiligt waren, ein gerechter Lohn für alle und die Umweltverträglichkeit“, sagt Philipp Schreiber. Er arbeitet für das Mitte 2007 entstandene Kölner Label .armedangels., das Motive internationaler Streetart-Künstler auf Shirts appliziert. Diese werden aus hundertprozentig ökologischer Baumwolle und nach Fairtrade-Richtlinien gefertigt. Von jedem verkauften Teil gehen 3,33 Euro an Hilfsprojekte.
Ein massiv wachsender Markt .armedangels. nennt sich „Your First Social Fashion Label“ und wurde nicht von Öko-Spinnern gegründet, sondern von Betriebswirtschaftlern. „Die Kombination aus Trendorientierung und Fair Trade entspricht dem Zeitgeist“, sagt Schreiber. „Das ist ein massiv wachsender Markt.“ .armedangels. war eines der Labels, die ihre Stücke bei der Fair Fashion Affair in den Räumen eines angesagten Berliner Clubs präsentierten, ein anderes Ketchup&Majo. Unter diesem Namen kreiert Janina Meyer in Frankfurt am Main Röcke aus Lufthansadecken und Kleider aus alten Vorhängen, alles in bunten Farben und mit Comicfiguren oder anderen niedlichen Motiven bedruckt. Ökologisch und sozial produziert sind ihre poppigen Stücke, weil sie erstens gebrauchte Stoffe recycled und zweitens bei einer sozialen Einrichtung in Frankfurt nähen lässt. „Öko ist kein Trend“ In Nürnberg hat mit dem Glore Store ein Laden für „Globally Responsible Fashion“ aufgemacht. Zwei junge Freiburger betreiben Fair Wear, einen Onlineshop für Kleidung, die unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wurde. In Hamburg druckt Fairliebt grafisch stilisierte Pinguine, Zugvögel und Irrgärten auf T-Shirts aus Bio-Baumwolle. Und auch die großen ziehen mit. Die etablierte Modemesse Premium präsentierte im Februar 2008 zum zweiten Mal eine Green Area. „Wir müssen deutlich machen, dass ökologisch und nachhaltig produzierte Mode kein saisonaler Trend ist, sondern die Zukunft“, sagt Premium-Macherin Anita Bachelin. Entsprechend hieß auch das Thema des Symposiums „Öko ist kein Trend“. Waren es im Sommer 2007 noch 20 „grüne“ Marken, die an der Premium teilgenommen haben, so sind es mittlerweile schon rund 50. Und immerhin elf von ihnen kommen aus Deutschland. Die großen und erfolgreichen Eco-Brands sind jedoch aus anderen Ländern: Die niederländische Marke Kuyichi stellt ethisch faire und gut gestylte Denimwear her. Aus Frankreich kommen die ökologisch korrekten Veja-Turnschuhe im Oldschool-Look. Live-8-Aktivist Bono hat mit seiner Frau das Label Edun gegründet. American Apparel wirbt damit, ausschließlich in Los Angeles zu fertigen. Und der dänische Designer Peter Ingwersen betreibt für Noir eine eigene Produktion für Organic Cotton in Afrika. | |
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Deutschland hat Nachholbedarf Diese Marken sind international, und auch die Konsumenten, so genannte Lohas - abgeleitet von Lifestyle of Health and Sustainability - sitzen eher in Kalifornien, London oder Singapur als in Hamburg oder Köln. „Noch ist hier nicht allgemein bekannt, dass es inzwischen trendige Öko-Mode gibt“, sagt Cecilia Palmér von der Fair Fashion Affair - sie ist übrigens Schwedin und ihr Partner Frans Prins Niederländer. „Deutschland ist nicht so modeaffin wie andere Länder“, vermutet Ralf Strotmeier von der Modemesse Premium, „deshalb braucht „Eco Fashion“ hier noch etwas Zeit“. Ein kleines Label, das schon seit 2006 auf Öko setzt, ist Slowmo. In Berlin-Friedrichshain kreieren Felicia und Melchior Moss „Organic Street Wear", die Rohbaumwolle ist zu 100 Prozent aus kontrolliertem biologischen Anbau, von der Einhaltung der Sozialstandards überzeugen sie sich regelmäßig in der kleinen Berliner Näherei, die ihre Sweatshirts und Hosen fertigt. Ein ökologisches Schlüsselerlebnis gab es für die Geschwister nicht. „Wir wollen das, was wir machen, vor uns und vor andern verantworten können“, sagt Melchior Moss. Noch hat Deutschland in Sachen nachhaltiger Mode Nachholbedarf. „Aber die deutschen Designer sind auf einem guten Weg, dafür ein Bewusstsein zu entwickeln“, meint Moss. | |
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Stefanie Dörre ist Redakteurin beim Berliner Stadtmagazin„tip“. Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns! online-redaktion@goethe.de
Februar 2008 |



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