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Siegfried Mauser, Pianist und Musikwissenschaftler: "Begabung allein ist nicht alles"

Dorothee Abdelhamid, GI Tunis
Dorothee Abdelhamid, GI Tunis
Siegfried Mauser in Tunis


Ein Interview mit Siegfried Mauser, Präsident der Jury des 1. Internationalen Klavierwettbewerbs für junge Talente in Tunis. Das Interview wurde geführt von Mitarbeitern des Goethe-Instituts am 10. Februar 2013 in Tunis, im Rahmen des Wettbewerbs und der Masterclass für die jungen Preisträger im Théâtre Municipal.

Sie sind zum ersten Mal in Tunesien. Wie gefällt es Ihnen bisher? Was haben Sie sich angeschaut?
Es gefällt mir hier wirklich sehr gut. Tunesien ist ein faszinierendes Land. Da ist vor allem diese Mischung, einerseits aus arabischer Kultur und andererseits doch einer spürbaren französischen Tradition, die man hier auch architektonisch in der Stadt wiederfindet.

Hatten Sie Gelegenheit, sich musikalisch umzuhören? Was inspiriert Sie?
Wir hatten das Glück, über diesen Wettbewerb viele junge tunesische Musiker kennenzulernen.
Ich glaube, vor allem in der jüngsten Generation, bei den Kleinen, da gibt es durchaus Begabungen und ein großes Interesse für Musik, und ich bin der Ansicht, dass das Ganze wachsen wird, sich sicherlich auch internationalen Standards anpassen wird, was jetzt bei der älteren Generation von Musikern, sagen wir bei den 18- bis 25-Jährigen so noch nicht der Fall ist.

Sie arbeiten seit vielen Jahren als Professor und sind ein Experte auf dem Gebiet der Klaviermusik. Woher kommt Ihre Liebe zum Klavier?
Das hat schon früh angefangen, wie bei den meisten, die dann Pianisten werden. Das geht gar nicht anders. In der Kindheit, so mit 7 Jahren, habe ich angefangen, Unterricht zu bekommen von meinem Vater, und das hat sich dann so weiter entwickelt. Während der Schulzeit war ich bereits Jungstudent an der Musikhochschule im München. Und das geht dann so seine Entwicklung. Man muss eine Begeisterung entwickeln, eine Leidenschaft – anders geht es nicht. Das muss fast eine Obsession sein. Klavierspielen ist so schwer, das Repertoire ist so riesig, es gibt so viele gute Pianisten! Man muss wirklich mit vollem Einsatz und voller Leidenschaft einsteigen und dran bleiben, sonst kommt wenig raus.

Was unterscheidet das Klavier von anderen Instrumenten, was ist seine Besonderheit?
Na ja, es ist ein Instrument, das sowohl harmonische Vielfalt bieten kann, als auch eine eigene melodische Qualität und Rhythmik. Es ist vielleicht das universalste Instrument. Es ist nicht so sehr der einzelne geformte Ton wie bei Streich- oder Blasinstrumenten, der das Charakteristische ausmacht, aber es ist sozusagen alles möglich auf diesem Instrument. In allen drei – wenn man so will – musikalischen Kategorien, also im Rhythmus, in der Melodik und in der Harmonik, alles ist realisierbar. Das Besondere gegenüber allen anderen Instrumenten ist natürlich auch das gewaltige Repertoire, das wir für das Klavier haben. Das haben wir wirklich bei keinem anderen Instrument, diese Vielfalt durch die Musikgeschichte durch.

Sie sind in Deutschland permanent mit jungen Talenten in Kontakt – was ist das Faszinierende an Kooperationsprojekten wie diesem? Warum Tunesien?
Na ja, wir leben in einer globalisierten Welt, und da gehört auch dazu, dass sich Kulturen austauschen. Wir haben eine Verpflichtung, finde ich, in Europa die große Tradition der europäischen Kunstmusik weiterzutragen, weiterzubringen und auch andere Länder, andere Kulturen dafür zu interessieren, wie wir ja auch uns interessieren sollten für andere Kulturen. Wir tun das ja auch. Dieser Kontakt, diese Vernetzung der kulturellen Traditionen ist etwas sehr Faszinierendes und Wichtiges; vielleicht das Faszinierende überhaupt, wenn die Welt zusammenwachsen soll. Da ist natürlich der arabische Raum hier etwas ganz Wesentliches, und die nordafrikanischen Länder, denke ich, sind durch ihre traditionelle Nähe zur europäischen Kultur bestens geeignet, in einen solchen Dialog einzutreten, Tunesien ganz besonders.

Dorothee Abdelhamid, GI TunisSie haben nur wenige Tage, um mit den jungen Talenten zu arbeiten. Woran erkennt man einen guten Pianisten?
Es sind zwei Dinge, die zusammenkommen müssen: zum einen eine Form der Begabung, die aber selbst wieder sehr vielfältig ist und sie betrifft genauso die Gedächtnisleistung wie die Motorik der Hände, der Finger, zum andern die musikalische Gestaltungskraft, die man spüren muss. Das sind Dinge, wenn man Erfahrung hat, die spürt man sehr schnell bei jungen Pianisten, Studenten oder Schülern, wie man sie auch nennen will. Dann kommt als zweites hinzu die Leidenschaft, die dann sich umsetzen muss in kontinuierlichen Fleiß, in Arbeit. Es ist einfach eine enorme Arbeit, ein enormer Fleiß, der dahinter stecken muss, sonst wird es trotz der Begabung nichts. Begabung allein ist nur eine Seite, und das sieht man dann doch sehr schnell, auch wenn man nur eine Stunde mit jemandem arbeitet und zusammen ist, in wieweit die Begabungsstruktur reicht und in wieweit die Bereitschaft da ist, dann tatsächlich mit Fleiß und Einsatz daraus was zu machen.

Wie genau gehen Sie vor bei der Fortbildung der jungen Pianisten, was ist Ihr Augenmerk?
Das sind vor allem zwei Aspekte: der instrumental technische Bereich und der musikalisch interpretatorische Bereich. Das eine ist vom andern nicht zu trennen. Ich trenne es jetzt hier mal, um die beiden Seiten aufzuzeigen. Beim instrumental technischen Bereich richte ich mein Augenmerk darauf, ob die Handstellung in Ordnung ist, ob die Finger stabil sind, ob eine bewusste Klangsetzung stattfindet.
Beim musikalisch interpretatorischen Bereich kommt es darauf an, dass jemand dann auch von der Empfindung her, von der Emotionalität, aber auch von der stilistischen Kenntnis der Musik heraus eine Interpretation entwickelt.
Das sind die beiden Aspekte, die nie so trennbar sind, wie ich es jetzt ausgeführt habe, aber beide sind zentral für eine sinnvolle Ausbildung.

Was ist Ihre Hoffnung nach dem Abschluss der Masterclass?
Dass sich im Fach Klavier (das war ja jetzt hier im Zentrum gestanden) etwas weiter entwickeln wird. Ich habe vor allem – nicht durchgängig natürlich – aber doch, mich hat vor allem das Interesse der Jungen, der Kleinen überrascht, während der 10 jungen Pianisten und Pianistinnen, die angetreten sind, wo ich spüre, da ist ein tatsächliches Interesse, eine Neugier. Ich glaube für die Zukunft, dass sich das Niveau, das Interesse und auch die Auseinandersetzung mit der musikalischen Kultur des Klavierspiels verbessern wird. Ich spüre das, Das war eigentlich das Hauptergebnis, dass hier doch ein großes Interesse und eine Freude daran besteht.
Was geschaffen werden muss ist natürlich, aber dafür haben Sie ja hier das Conservatoire und auch das Institut Supérieur de Musique, dass die Ausbildung weiterhin stabil bleibt. Es sind ja etliche sehr gute Lehrpersönlichkeiten da, die wir auch kennengelernt haben, und das muss weiter unterstützt werden, auch von politischer Seite und von Institutionen wie dem Goethe-Institut und dem Institut Francais, dass man hier die kleinen Pflänzchen weiter wachsen lässt.

Dorothee Abdelhamid, GI TunisWas empfehlen Sie den jungen Musikern, die über ihr Land hinaus erfolgreich sein bzw. im Ausland arbeiten möchten?
Na ja, nach der Fertigstellung, sagen wir, einer Grundausbildung in Gesang, in den Instrumenten, auch in der Komposition – wo auch immer – sollte dann versucht werden, und das finde ich, da sind die Kulturinstitute der jeweiligen Länder gefragt, Begabungen dann wirklich zu helfen und sie zu vermitteln an die europäischen Hochschulen.

Es ist, glaube ich, schon sehr wichtig in einem Land wie Tunesien, dass ab einem gewissen Qualitätsstandard die jungen Musiker raus kommen und noch etwas anderes lernen. Das ist meines Erachtens auch eine vorrangige Aufgabe – sollte es sein – von Kulturinstituten wie dem Goethe-Institut, Hilfestellung zu geben, denn sonst sind die jungen Leute verloren. Sie haben keine Kontakte, wissen nicht, wo sie sich hinwenden sollen, wie bekommt man ein Stipendium, an welchen Hochschulen sind gute Lehrer. Das wäre eine wichtige Aufgabe für die Kulturinstitute, auf diesem Gebiet hilfreich zur Seite zu stehen.

Abschließend: Planen Sie in Zukunft weitere Projekte in Tunesien?
Es ist jetzt nichts geplant. Mir hat das sehr großen Spaß gemacht, und wenn ich wieder eingeladen werde, dann komme ich gerne wieder!

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In über 100 Gemeinschaftsprojekten mit einem Budget von mehr als 50 Millionen Euro unterstützt die deutsche Regierung Tunesien nach der Revolution in den Bereichen Aus- und Fortbildung.

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