Internet Art(s)

Autor
Katerina Gkoutziouli
Über den Autor
Katerina Gkoutziouli ist freie Forscherin auf dem Gebiet der Medienkunst
und Redaktionsmitglied bei Curating.info.
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Übersetzung
Doris Wille
Copyright
Goethe-Institut
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artup@ankara.goethe.org
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Antoni Muntadas, The File Room
Vuk CosicJodi
http://wwwwww.jodi.org/
http://404.jodi.org/
http://oss.jodi.org/os.html
Heath Bunting, readme.html [Own, be Owned or Remain Invisible]
Olia Lialina, My boyfriend came back from the war
Olia Lialina, The Last Real Net Art Museum
0100101110101101.org
Alexei Shulgin and Natalie Bookchin, Introduction to Net.art
Golan Levin, Kamal Nigam and Jonathan Feiberg, The Dumpster
The Thing
Nettime
RhizomeEine kurze Einführung in die künstlerischen Praktiken, die sich im ersten Jahrzehnt des Internets entwickelt haben.
Das Hauptmedium ist der Computer
Die Computer- und Kommunikationstechnologien stellten schon seit den 1960er Jahren ein Thema dar, das Künstler wie Joseph Beuys, John Cage, E.A.T., Nam June Paik beschäftigte. In den 1990er Jahren führte die weitere Ausbreitung des Internets in der Kunst jedoch zu einer neuen, andersartigen Annäherung. 1994 kreierte Antoni Muntadas The File Room, eine interaktive temporäre Computer-Installation mit einer permanenten virtuellen Datenbank, die von Benutzern gespeist wurde und die Zensur im Internet thematisierte.
Das damals neue Medium brachte wichtige Veränderungen in den künstlerischen Praktiken mit sich und wirkte beinahe utopisch; als eine neue öffentliche Sphäre konnte es Zeit und Raum überbrücken und ermöglichte über die Grenzen hinweg die Einrichtung neuer kommunikativer Netzwerke und künstlerischer Kooperationen. Diese neue Technologie, die es erlaubte, Material und Informationen zu verbreiten und auszutauschen, versetzte Künstler in die Lage, Internet-Communities wie nettime, Rhizome, The Thing, Syndicate u.a. zu bilden und Werke zum Internet sowie zu den neuen Kulturformen zu schaffen, die das Internet mit sich brachte.
Das damals neue Medium brachte wichtige Veränderungen in den künstlerischen Praktiken mit sich und wirkte beinahe utopisch; als eine neue öffentliche Sphäre konnte es Zeit und Raum überbrücken und ermöglichte über die Grenzen hinweg die Einrichtung neuer kommunikativer Netzwerke und künstlerischer Kooperationen. Diese neue Technologie, die es erlaubte, Material und Informationen zu verbreiten und auszutauschen, versetzte Künstler in die Lage, Internet-Communities wie nettime, Rhizome, The Thing, Syndicate u.a. zu bilden und Werke zum Internet sowie zu den neuen Kulturformen zu schaffen, die das Internet mit sich brachte.
net.art, Netart, Web Art, Netzkunst
Mitte der 1990er Jahre wurde das Internet durch das World Wide Web (1993), der bis heute beliebtesten Schnittstelle von Mensch und Computer, allmählich breiter genutzt. Durch ein zufälliges Ereignis wurde der Terminus net.art geschaffen, als der Künstler Vuk Cosic 1995 eine E-Mail erhielt, in der die einzigen Wörter, die er lesen konnte, net.art waren. Seitdem wird dieser Begriff, der anfänglich nichts bedeutete, alternativ als net art oder auch als web art [für Werke im World Wide Web] verwendet, um das künstlerische Schaffen im Internet zu umschreiben. Netzkunst benutzt, wie Inke Arns (2001) schreibt, das Internet nicht nur als Medium, sondern vor allem als Ort und Material.
Die Künstler fingen an, mit der neuen Sprache des Internets wie HTML-Protokollen, Browsern, Websites, Hypertexten, E-Mails u.a. zu experimentieren, ebenso wie mit Themen und Praktiken wie Aneignung, Dekonstruktion, Netzwerke, Information und Performance, unter anderem in der Nachfolge früherer Kunstbewegungen wie Dadaismus, Fluxus und Konzeptkunst. Die künstlerische Aktivität im Internet ist häufig durch eine interventionistische und kritische Haltung gegenüber dem Medium geprägt, wobei sich der Fokus mehr auf den kreativen Prozess der Arbeit selbst richtet als auf das Kunstwerk als Objekt. Außerdem ist der Betrachter in der Regel nicht einfach ein Beobachter, sondern ist in den meisten Fällen dazu aufgerufen, sich zu beteiligen, indem er entweder mit dem Werk interagiert oder zu seiner Entstehung und Entwicklung beiträgt. Die künstlerischen Praktiken im Internet entwickeln sich gewöhnlich in einer Zusammenarbeit von Künstlern untereinander oder zwischen Künstlern und Publikum, wobei der Status des Schöpferischen entmythologisiert wird.
Die Künstler fingen an, mit der neuen Sprache des Internets wie HTML-Protokollen, Browsern, Websites, Hypertexten, E-Mails u.a. zu experimentieren, ebenso wie mit Themen und Praktiken wie Aneignung, Dekonstruktion, Netzwerke, Information und Performance, unter anderem in der Nachfolge früherer Kunstbewegungen wie Dadaismus, Fluxus und Konzeptkunst. Die künstlerische Aktivität im Internet ist häufig durch eine interventionistische und kritische Haltung gegenüber dem Medium geprägt, wobei sich der Fokus mehr auf den kreativen Prozess der Arbeit selbst richtet als auf das Kunstwerk als Objekt. Außerdem ist der Betrachter in der Regel nicht einfach ein Beobachter, sondern ist in den meisten Fällen dazu aufgerufen, sich zu beteiligen, indem er entweder mit dem Werk interagiert oder zu seiner Entstehung und Entwicklung beiträgt. Die künstlerischen Praktiken im Internet entwickeln sich gewöhnlich in einer Zusammenarbeit von Künstlern untereinander oder zwischen Künstlern und Publikum, wobei der Status des Schöpferischen entmythologisiert wird.
Jodi: „404.jodi.org“ (1998)
Ausflug in die Praktiken von Dekonstruktion, Intervention und Storytelling
Mitte der 1990er Jahre schafft das Künstlerpaar Jodi eine Reihe von Internet-Arbeiten wie http://wwwwww.jodi.org/, 404 und OSS, bei denen es den Quellcode auf die Oberfläche holt [den Code, der benutzt wird, um dem Browser mitzuteilen, wie die Elemente einer Website dazustellen sind]. Zum einen präsentieren sie dabei abstrakte Formen, zum anderen erzeugen sie beim Betrachter/Benutzer den Eindruck, dass ein Fehler aufgetreten ist (Computer-Error). 1998 stellt die Gruppe I/O/D eine andere Art von Browser vor, den Web Stalker, der die Struktur des Internets nachahmt, indem er die Websites in einen Code und die Hyperlinks in Grafiken verwandelt und so dem Benutzer die Möglichkeit gibt, einen Blick in die "innere" Gestalt des Internets zu werfen. Im selben Jahr kreiert der Amerikaner Mark Napier den Shredder 1.0, einen andersartigen Browser, der Websites umstrukturiert und "zerstückelt".
Olia Lialina schafft mit dem interaktiven Werk My boyfriend came back from the war (1996) eine non-lineare Erzählung mit Bezügen zur Film-Montage, die es dem Benutzer/Betrachter erlaubt, die Struktur der Erzählung zu verändern, indem er Texte und Bilder auf dem Bildschirm anklickt. In ihrem Werk The Last Real Net Art Museum (2000) kann der Betrachter unterschiedliche Versionen desselben Werks sehen und mit ihnen experimentieren; sie stammen von verschiedenen Künstlern, die unterschiedliche Medien benutzen. Vuk Cosic eignet sich die Website der Documenta X (1997) an und kopiert sie, der ersten Documenta übrigens, die auch Netzkunst umfasst. Seine eigene Website heißt Documenta Done und stellt Fragen zum Status des Kunstschaffenden und der Reproduktion in der Kunst.
In der Zeit, in der das Internet durch die Verbreitung von „Domainnamen“ [z.B. name.com] auf dem Markt langsam kommerzialisiert wird, schafft der Brite Heath Bunting 1998 die Website readme.html, (Own, be Owned or Remain Invisible), auf der ein Artikel über ihn selbst erscheint. Darin entspricht jedes Wort einer „.com“-Website. Mit der Methode des Hypertexts schafft er eine Umgebung aus Hyperlinks und unterstreicht so die Privatisierung von Sprache und Websites durch Unternehmensinteressen. Kurz darauf veröffentlichen auch die Künstler Alexei Shulgin und Natalie Bookchin das Manifest „Introduction to net.art (1994-1999)“, das sowohl die Unabhängigkeit der Netzkunst von Museen und Kunstinstitutionen proklamiert als auch die Möglichkeit für Internet-Künstler, ihre Arbeiten zu produzieren, zu verbreiten, zu präsentieren und autonom mit ihrem Publikum zu kommunizieren. 2001 verbreitet das Künstler-Duo 0100101110101101.org [Eva und Franco Mattes] in allen Computern, die mit dem Netz der 49. Biennale von Venedig verbunden sind, einen Virus mit dem Namen „Biennale.py“. Später fordern die Künstler die Internet-Nutzer auf, den Code des Virus "herunterzuladen". Dabei verkünden sie auf ihrer Website, dass es sich nicht einfach nur um einen Virus handelt, sondern um ein Kunstwerk.
Olia Lialina schafft mit dem interaktiven Werk My boyfriend came back from the war (1996) eine non-lineare Erzählung mit Bezügen zur Film-Montage, die es dem Benutzer/Betrachter erlaubt, die Struktur der Erzählung zu verändern, indem er Texte und Bilder auf dem Bildschirm anklickt. In ihrem Werk The Last Real Net Art Museum (2000) kann der Betrachter unterschiedliche Versionen desselben Werks sehen und mit ihnen experimentieren; sie stammen von verschiedenen Künstlern, die unterschiedliche Medien benutzen. Vuk Cosic eignet sich die Website der Documenta X (1997) an und kopiert sie, der ersten Documenta übrigens, die auch Netzkunst umfasst. Seine eigene Website heißt Documenta Done und stellt Fragen zum Status des Kunstschaffenden und der Reproduktion in der Kunst.
In der Zeit, in der das Internet durch die Verbreitung von „Domainnamen“ [z.B. name.com] auf dem Markt langsam kommerzialisiert wird, schafft der Brite Heath Bunting 1998 die Website readme.html, (Own, be Owned or Remain Invisible), auf der ein Artikel über ihn selbst erscheint. Darin entspricht jedes Wort einer „.com“-Website. Mit der Methode des Hypertexts schafft er eine Umgebung aus Hyperlinks und unterstreicht so die Privatisierung von Sprache und Websites durch Unternehmensinteressen. Kurz darauf veröffentlichen auch die Künstler Alexei Shulgin und Natalie Bookchin das Manifest „Introduction to net.art (1994-1999)“, das sowohl die Unabhängigkeit der Netzkunst von Museen und Kunstinstitutionen proklamiert als auch die Möglichkeit für Internet-Künstler, ihre Arbeiten zu produzieren, zu verbreiten, zu präsentieren und autonom mit ihrem Publikum zu kommunizieren. 2001 verbreitet das Künstler-Duo 0100101110101101.org [Eva und Franco Mattes] in allen Computern, die mit dem Netz der 49. Biennale von Venedig verbunden sind, einen Virus mit dem Namen „Biennale.py“. Später fordern die Künstler die Internet-Nutzer auf, den Code des Virus "herunterzuladen". Dabei verkünden sie auf ihrer Website, dass es sich nicht einfach nur um einen Virus handelt, sondern um ein Kunstwerk.
Olia Lialina: „My Boyfriend Came Back From The War“ (1996)
Der Übergang vom Web zum Web 2.0 – innerhalb und außerhalb des Netzes
Mitte der 2000er Jahre verändert das Internet seine Form und sein Konzept, es wird um Dienstleistungen bereichert, die ihren Fokus auf die Vernetzung der Inhalte richten, die die Benutzer einstellen (z.B. Fotos, Videos, persönliche Profile u.a.). Wir beobachten neue Plattformen für den Austausch von Inhalten und Informationen wie Blogs und soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube u.a. Das Internet wird oft Web 2.0. genannt, und allmählich dringen die digitalen Kommunikationsnetze in alle Bereiche des Alltags ein. 2006 schaffen Golan Levin, Kamal Nigam und Jonathan Feinberg the Dumpster, einen Internet-Papierkorb, bei dem die Trennung von jugendlichen Paaren das Thema ist. Bei dieser interaktiven Arbeit beziehen die Künstler Informationen/Daten aus Blogs, in denen sich getrennte Paare mitteilen, und visualisieren sie. Der Benutzer ist aufgefordert, in den „weggeworfenen“ Daten zu navigieren, die eine Art romantischen Schmerz widerspiegeln.
„Ein net art-Werk kann auch außerhalb des Internets existieren... Das Wort net im Terminus net art stellt gleichzeitig einen sozialen und technologischen Verweis dar (auf das Netz, the network)“ (Bosma 2011). Die Kultur, die sich innerhalb des Internets und in seinem Umfeld entwickelt, stellt für viele der oben genannten Künstler ein Thema dar, das es zu erforschen gilt, da das Interesse immer mehr um die digitalen Netze kreist und um den Inhalt der Information, etwas, das sich nunmehr vielleicht mit dem Begriff networked art umschreiben lässt.
„Ein net art-Werk kann auch außerhalb des Internets existieren... Das Wort net im Terminus net art stellt gleichzeitig einen sozialen und technologischen Verweis dar (auf das Netz, the network)“ (Bosma 2011). Die Kultur, die sich innerhalb des Internets und in seinem Umfeld entwickelt, stellt für viele der oben genannten Künstler ein Thema dar, das es zu erforschen gilt, da das Interesse immer mehr um die digitalen Netze kreist und um den Inhalt der Information, etwas, das sich nunmehr vielleicht mit dem Begriff networked art umschreiben lässt.
Heath Bunting: „_readme“ (Own, Be Owned or Remain Invisible), 1998






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