Wittgenstein zählt zu den begnadeten Exzentrikern der Geistesgeschichte. Sein erstes Werk, gleich ein epochemachendes Hauptwerk der Logikgeschichte, konzipierte er in den Schützengräben des ersten Weltkriegs. Mit dieser “logisch-philosophischen Abhandlung” beanspruchte er, alles, was es auf dem Felde der Logik zu sagen gibt, gesagt, alle logischen Probleme gelöst zu haben. Gleichwohl zögerte die philosophische Zunft lange, ihm dieses Werk als Dissertation durchgehen zu lassen. Später schien ihm, daß vielleicht doch noch das eine oder andere in der Philosophie zu bedenken wäre, und er begann, sich mit den Grundlagenproblemen der Mathematik und elementaren Fragen der Sprache zu beschäftigen. Vor allem sein posthum herausgegebenes Buch Philosophische Untersuchungen hatte eine weitreichende Wirkung auf die Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts, namentlich die Sprachphilosophie, die moderne Logik und Wissenschaftstheorie und insbesondere die sprach- und dialogorientierten Konzepte der Logik.
Text: Ulrich Sand







